Verfasst von: dietauschlade | 19 September 2014

nebenbei berlin [117]

zwischendengleisen1
Eine Mutfrage || Wer wagt es, | sich den donnernden Zügen entgegenzustellen? |
Die kleinen Blumen | zwischen den Eisenbahnschwellen! (Erich Kästner)

und manchmal ist es tatsächlich eine tomatenpflanze, die sich der straßenbahn entgegenstellt. ruhig, gelassen und duftend. (leider war sie zwei tage später nicht mehr da. ich hoffe, dass ein freundlicher mensch die pflanze in einem kleinen eimerchen mitnahm und auf den balkon umsiedelte. denn so biegsam wie kleine blumen sind diese nutzpflanzen nun doch nicht…)

Verfasst von: dietauschlade | 18 September 2014

nebenbei berlin [116]

zirkuszeltlichter
Hier stapeln sich die Wirklichkeiten!
Direkt neben mir und hinter mir.
Und vor dem Fenster steht auch noch eine.
(Peter Jepsen)

eine dieser wirklichkeiten derzeit vorm fenster: gelbblaues zirkuszelt, alte wohnwagen und löwengebrüll des tags. trapezförmige lichterkette, mit sanftem glanz, des nachts.

Verfasst von: dietauschlade | 17 September 2014

frühherbst.

brandenburgerfrühherbst_2
Es knospt
unter den Blättern
das nennen sie Herbst.
(Hilde Domin)

brandenburgerfrühherbst_1
vergangenen sonnabend waren der liebste und ich auf einer sitzung in brandenburg. auf dem rückweg zum bahnhof führte uns der weg an einem birkenhain inmitten eines wäldchens vorbei. trotzdem sich noch viel grün rund um uns zeigte, konnte man schon das ein oder andere herbstanzeichen entdecken: etwa das gefärbte blatt, welches sich in der nähe des tropfenbehängten spinnennetzes zeigte, das schneckenhaus im laub oder der pilz, der sich bei näherem hinsehen als fliegenpilz entpuppte.

Verfasst von: dietauschlade | 11 September 2014

drei sommertage.

dahlem_rot
Sonntag. Große Kannen Kaffee unter der Sonne in weichem Gras – und die eigenen Gelenke laut knacken hören. Vernünftiges Tagesziel. Danach ergibt sich. (Helmut Krausser: Schweine und Elefanten)

dahlem_grün

vergangenes wochenende war die sommertante zu besuch und hat ihrem namen alle ehre gemacht. drei volle sommertage hat der september noch einmal ausgegraben. die starteten wir tatsächlich mit kannen voll kaffee und planlos. so manches ergab sich. mal der ausflug in das liebste büchertrödelhaus, ein lesend und schlafend verbrachter nachmittag oder der ausflug nach dahlem. dieses mal nicht im frühling, sondern im spätsommer mit einem spaziergang um die erntereifen felder. wunderbar!

dahlem_blau

Verfasst von: dietauschlade | 10 September 2014

aller liebe anfang

judithHermann

heute beginnt das 14. internationale literaturfestival berlin. letzte woche fand bereits eine vorpremiere statt. judith hermann las aus ihrem neuen roman aller liebe anfang. kurzfristig hatte ich zwei karten gewonnen und freute mich, dass die (un)bekannte nachbarin zeit und lust hatte, mitzugehen. trotz kurzer odyssee durch berlin (und dank der guten stadtkenntnisse meiner begleiterin) schafften wir es, pünktlich auf unseren sitzen im haus der berliner festspiele platz zu nehmen. in der voransprache erwähnte thomas böhm, dass wir leserinnen und leser in jedem buch auf der suche sind nach ‹sätzen, die gelten›. ein paar solcher sätze habe ich auch an diesem abend gehört. wenn ich bald das buch (mit dem bleistift in der hand) lese, werde ich nach diesen passagen ausschau halten und dann die zitate in meine schwarzen hefte übertragen:

· in unserem Unterbewusstsein – auch das vergangener Generationen
· die vielen detailreichen und doch klaren Listen bei der Hausbeschreibung
· Schmetterlinge im Rahmen «aufgespießte, festgehaltene Zeit»
· der Zaun, als notwendige Eingrenzung, um darin Abstand und Freiraum zu schaffen
· auf der Uhr ziehen «vom Westen her digitale Wolken auf»
· Leute, die sich Türen aus Rostblech (von alten Scheunentoren) an ihr neues Haus bauen lassen, um anderer Leute Arbeit zu sehen, wenn sie abends heimkommen.*

*erinnert mich an ein zitat von janosch (sacharin im salat): «Gegenstände nehmen die Gedanken, Erlebnisse und auch Eigenschaften dessen auf, der sie lange benutzt hat. Kleider beispielsweise. Wenn es heute Mode ist, daß die Kaputten und Übersatten abgetragene Kleider armer Leute tragen und fast jeden Preis dafür bezahlen, dann kommt es daher, daß es kaum ein elenderes Gefühl auf der Welt gibt, als immer satt und vollgefressen zu sein und den Überfluß ertragen zu müssen. Wenn die Weiseren der Sattheit aus dem Weg gehen und eher in Armut leben, wissen sie, warum.»

Verfasst von: dietauschlade | 8 September 2014

nebenbei berlin [115]

augenBlick
man könnte meinen,
der junge pettersson
kommt in die stadt.

Verfasst von: dietauschlade | 5 September 2014

wunderbare köstlichkeiten.

bunteKöstlichkeiten_buntJahrmarkt der Wunder || Ein Alltagswunder: | daß es so viele Alltagswunder gibt. || Ein gewöhnliches Wunder: | das Bellen unsichtbarer Hunde in nächtlicher Stille. || Ein Wunder von vielen: | eine kleine und flüchtige Wolke, | aber sie kann den großen schweren Mond verschwinden lassen. || Mehrere Wunder in einem: | eine Erle, die sich im Wasser spiegelt, | und daß sie von links nach rechts gewendet ist | und daß sie mit der Krone nach unten wächst | und überhaupt nicht bis auf den Grund reicht, | obwohl das Wasser seicht ist. || Ein Wunder an der Tagesordnung: | recht schwache und milde Winde, | doch in der Sturmzeit böig. || Ein erstbestes Wunder: | Kühe sind Kühe. || Ein zweites, nicht geringeres: | dieser und kein anderer Garten | in diesem und keinem anderen Obstkern. || Ein Wunder ohne schwarzen Frack und Zylinder: | ausschwärmende weiße Tauben. || Ein Wunder, denn was sonst: | Die Sonne ging heute um drei Uhr vierzehn auf, | und sie wird untergehen zwanzig Uhr eins. || Ein Wunder, das nicht so verwundert, wie es sollte: | Die Hand hat zwar weniger Finger als sechs, | dafür mehr als vier. || Ein Wunder, so weit man schauen kann: | die allgegenwärtige Welt. || Ein beiläufiges Wunder, beiläufig wie alles: | was undenkbar ist – ist denkbar, (Wisława Szymborska)

ein wunder auch: dass sich aus kleinen, fast farblosen samenkörnern in der erde im laufe eines frühlings und eines sommers so pralle, farbenfrohe früchte entwickeln. die jeden salat, jedes brot und jeden kräuterquark mit farbe und geschmack bereichern.

Verfasst von: dietauschlade | 4 September 2014

butterbrot. mit belag.

bunteKöstlichkeiten_rotgrün

(…) Ich fuhr an und dachte: Ich hab alle Reichtümer der Welt!
Ich kann atmen, ich kann lieben, und ich leide keine Not.
Ich bin frei und hab in meinem Handschuhfach ein Butterbrot!
(Reinhard Mey: Das Butterbrot)

und welch glück, wenn man ein butterbrot noch mit ein paar scheiben frisch geernteter salat- oder mexikanischer minigurke und gerade gepflückten russian plum- oder der lampiontomate* vom balkongärtchen belegen kann. darüber ein paar der raukenblätter aus dem topf. ein paar schnittlauchstengel. pflücksalat. oder etwas dill.

* lange zeit trug diese pflanze ihre einzige frucht – ähnlich dem laternenfisch im tiefsten meer – wie ein kleines lämpchen vor sich her. ich taufte sie auf diesen namen. ich mochte sie sehr.

Verfasst von: dietauschlade | 3 September 2014

über perlenketten. und reichtum im reissack.

Kartoffelanbau
There is no wealth but life.
(Engl. Romantiker in: André Gorz: Brief an D.)

Kartoffelernte

tatsächlich: ich freue mich wohl mehr über eine kartoffelkette (aus drei sprießenden kartoffeln hervorgegangen, die ich im frühjahr auf gut glück in einen reissack mit erde gesteckt, regelmäßig – d.h. wenn die grünen triebe wieder hoch genug gewachsen waren – mit neuer erde angehäufelt habe, und dann vergangenes wochenende, als auch das letzte kraut verdorrt war, wie bei einem kindergeburtstagsspiel aus der erde gegraben habe) denn über eine neue perlenkette.

Verfasst von: dietauschlade | 2 September 2014

nebenbei berlin [114]

hausaufschrift_iloveyou

Wir hatten eine Welt gemeinsam, von der wir unterschiedliche
Aspekte wahrnahmen. Diese Unterschiede waren unser Reichtum.
(André Gorz: Brief an D.)

Verfasst von: dietauschlade | 28 August 2014

wiese

grünPflanzen
ich freue mich über | tomaten und mangold | gurke und ringelblumen | dill und walderdbeeren. | radieschen und pfefferminz | schnittlauch und bohnen | waldmeister und den pflücksalat | in meinem balkongärtchen. || doch der anblick des runden topfs | voll ungeplanter wilder wiese | lässt mein herz | wie zu kindertagen | hüpfen.

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