
Wie manches, dem wir kaum Beachtung schenken| Uns dennoch für ein ganzes Leben prägt | Und seinen bunten Stein, als ein Andenken | Ins Mosaik unserer Seele trägt!(Reinhard Mey)
seit frühester kindheit bekam & schrieb ich eine menge briefe. lange, kurze, lustig-unterhaltsame, philosophisch-nachdenkliche, unter der tür hindurchgeschobene & die halbe welt bereiste. kein tag verging (und vergeht) an dem ich – falls dieser beim ersten hineinschauen leer war – nicht doch noch mal sicherheitshalber an den briefkasten lief. derbzwdie briefträger/in hatte möglicherweise verspätung… jeder brief wurde mit großer freude geöffnet. ab&zu wurde die lektüre mit einer tasse tee & der lieblingsmusik zelebriert.
die briefe von drei frauen waren von anfang an dabei. meine (immerfleißige) mamuschka sowie zwei tanten gaben sich (& geben sich zu meiner freude immer noch) die größte mühe, jeden brief zu etwas besonderem zu machen. der briefumschlag selbst hergestellt oder liebevoll verziert. das briefpapier oder die postkarte in hinblick auf die empfängerin ausgewählt bzw. entsprechend gestaltet. oftmals versteckt im umschlag eine kleinigkeit: aufkleber oder glanzbilder (früher), ein beutel gewürztee, ein zitat, ein lesezeichen, ein päckchen zucker aus dem gemütlichen café, eine wiedergefundene kindheitserinnerung, ein set briefmarken für die nächste eigene post.
diese briefe waren besonders, ermutigend & prägend. meine schwester und ich haben diese tradition weitestgehend übernommen: briefumschläge werden gestaltet & verziert, kleinig-&nettigkeiten beigelegt. und noch immer gehe ich mehrmals täglich an den briefkasten. in der hoffnung auf ein kleines kunstwerk.
