Verfasst von: dietauschlade | 22 April 2014

nebenbei berlin [95]

luftballonmädchengelandet.

Verfasst von: dietauschlade | 21 April 2014

Kunstkiste.

Kunstkiste1

Und wir bildenden Künstler sind im Gegensatz zu den Komponisten oder Schriftstellern ein bisschen im Nachteil, denn wir müssen uns tatsächlich von unserem Kunstwerk trennen, wenn wir es verkaufen. Aber ganz abgesehen davon kann ich es natürlich verstehen, dass jemand Kunst besitzen möchte. Denn ein gutes Kunstwerk gibt Energie ab. Der Sammler kauft also so etwas wie einen Generator, den er in seine Wohnung stellen kann. (Mary Bauermeister in: FROH! #7)

noch vor meinem besuch bei manos kunstkisten-ausstellung hatte ich mir eine der kostbarkeiten reservieren lassen. die schlichtheit der materialien gepaart mit den vielen details ließen mich (trotz manch anderem favoriten) immer wieder zu der leinenkiste zurückkehren. zudem erinnerte mich das schwungvolle E an meine oma erika. bei meinem besuch in braunschweig erzählte mano dann, dass eine leinenausstellung sie zu diesem kunstwerk inspirierte. besonders hatten sie die ausführungen zum flicken dieses stoffs fasziniert. dies wiederum rief bei mir ein bild hervor, welches sich im laufe mehrerer jahre eingeprägt hatte. meine zarte oma auf der eckbank in der küche mit einem der vielen löchrigen socken in der hand, den sie gewissenhaft stopfte. liebe mano, hab vielen dank für diese (in vielerlei hinsicht) schatz truhe. sie ruht derzeit in einem bücherregal (neben meeresfundstücken aus dänemark) und erhellt unser wohnzimmer. ♥

Kunstkiste2

Verfasst von: dietauschlade | 20 April 2014

raum schaffen.

das erste mal (seit vielen jahren?!) in einer katholischen osternachtsfeier gewesen.
die eindrücklichsten momente während des gottesdienstes:

* der priester, der nicht sauber, aber voller inbrunst singt und mit viel körpereinsatz gitarre spielt
* und der (auf dem weg zum stuhl) flink und freundlich die seite umschlägt, als er merkt,
dass die lektorin die gleiche bibelstelle wie vorher vorliest;
* der ernste gottesdienstbesucher, dessen kopf beim ‹halleluja› zum takt der musik wippt;
* die gemeinde, die bei einem englischen lied spontan, sehr durcheinander, jedoch fröhlich klatscht;
* der emsige gottesdienstbesucher, der immer als erster den ausführungen des priesters antwortet,
und uns während des sanktus heiligenbilder von papst johannes xxiii und papst johannes paul II zusteckt;
* die abschlussworte, die der priester einleitet mit ‹liebe kinder, liebe schwestern und brüder…
wir haben es geschafft.› und die er mit einem ‹vergelt’s gott› an alle helferinnen und helfer beschließt.

momente, die mir zeigen, dass es eben menschen sind, die kirche ausmachen (sollten). nicht starre abläufe, macht strukturen, unanfecht- und unfehlbares. momente, die verdeutlichen, dass ostern vielleicht heißt, raum zu schaffen. im grab, in kopf und herz, in festgefahrenen abläufen, in kirchen und gesellschaften. raum für menschen, für fehler, für überraschungen, für ungewohnte wege, für menschlichkeit. für gott?!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

in diesem sinne:
frohe ostern.

Verfasst von: dietauschlade | 15 April 2014

wochenendausflug (2)

wochenendausflug_keramikwerkstatt
Das fanatische Beibehalten guter Gewohnheiten ist notwendig. (John Irving: Laßt die Bären los!)

im rahmen unserer sitzung machten wir (eine frühere, gute tradition aufleben lassend) am samstagnachmittag einen ausflug in den berliner stadtteil dahlem. nach dem besuch der empfehlenswerten fotoausstellung i’m not afraid of anythingschlenderten wir noch ein wenig im wunderbar grünen dahlem umher. in der domäne beobachteten wir kühe, truthähne, hühner und schweine, ich erfreute mich an dem rostfarbenen metalllager, den einzeln geprägten backsteinen und, dass die dort ansässige keramikwerkstatt (auch für neugierige) geöffnet hatte. …und jedes müsli des liebsten erinnert nun an diesen frühlingshaften samstagsausflug.

wochenendausflug_domänedahlem

Verfasst von: dietauschlade | 14 April 2014

wochenendausflug (1)

wochenendausflug_brandenburgAugenblicke verändern uns mehr als die Zeit.
(Charlotte Wolff erwähnt in Ute Scheub: Verrückt nach Leben. Berliner Szenen in den zwanziger Jahren)

am vergangenen wochenende war ich wieder auf einer sitzung in unserem schönen nachbarbundesland. auf dem weg vom bahnhof zum tagungsort habe ich gedanklich sowie photographisch das waldbild im frühling festgehalten. dieser mischwald mit allerlei grün, baumstämmen mit den unterschiedlichsten neigungswinkeln und dem frischen gras ist für mich eine der schönsten frühlingsaus prägungen, die ich kenne.

Verfasst von: dietauschlade | 13 April 2014

nebenbei berlin [94]

streetArt

Tatsächlich lässt sich von einem öffentlichen Raum nur sprechen, wenn die Menschen ihn als offen wahrnehmen, als unfertig und unvollständig; wenn also der Einzelner sich eingeladen fühlt, ihn einzunehmen und wenigstens in Teilen zu vervollständen, nicht auf Dauer, aber für den Augenblick (…). (Hanno Rauterberg: Wir sind die Stadt! Urbanes Leben in der Digitalmodern)

Verfasst von: dietauschlade | 9 April 2014

von der dankbarkeit

ChocOh!lat

Aber Herr Pogge, der gibt Berta erstens die Hand und zweitens einen Zwanzigmarkschein.
Mancher würde vielleicht nur die Hand geben, obwohl er bei Kasse ist.
Ein anderer würde vielleicht nur zwanzig Mark geben, obwohl er eine Hand hat.
Herr Pogge hat beides und tut beides.
(Erich Kästner: Pünktchen und Anton)

…und manche schülerinnen backen einen kuchen. ♥

Verfasst von: dietauschlade | 8 April 2014

grün. und weiß.

grünweiß

(…) und hatte das ganze Jahr hindurch sich jeden Monat auf irgendetwas gefreut, bald auf das Heuen bald auf den Kleeschnitt, dann wieder auf das erste Angeln oder Krebsen, auf Hopfenernte, Pflaumenschütteln, Kartoffelfeuer, auf den Beginn des Dreschens und zwischenein noch extra auf jeden lieben Sonn- und Feiertag. (Hermann Hesse: Unterm Rad)

…im frühling auf die grünweiße fülle vor meinem fenster [leider mit unadäquater kamera]. meine liebste farbkombination im jahreslauf (die mir die birke mein lieblingsbaum sein lässt). mal mit einem tupfen rosa von der magnolie, ab und an mit einem streifen rot.

Verfasst von: dietauschlade | 7 April 2014

neue nachbarn.

star

in den vergangenen jahren lebten wir in einträchtiger nachbarschaft mit einer spatzenfamilie, die neben unserem schlafzimmerfenster nistete. doch in diesem frühling haben wir neue neue nachbarn bekommen. ein starenpaar ist in den freigewordenen nistplatz gezogen  und nun eifrig am bauen. (die spatzen wohnen nun eine etage tiefer). in einem etwas älteren vogelbestimmungsbuch habe ich schon so einiges über die neuen mitbewohner|innen erfahren. (♥lich willkommen!)

Zwei Schwarzröcke beleben unsere nächste Umgebung, Star, Sturnus v. vulgaris L., 21 cm, und Amsel, Turdus m. merula L., 25 cm, doch beide nach Temperament und Gestaltung grundverschieden. Ruhevoll sitzt die Amsel auf hoher Warte und läßt ihr volltönendes Flöten gleichmäßig orgelnd erschallen, dagegen der Star sein fistelndes Pfeifen, Quietschen, Schmatzen und Schnurren, sein »Spriehn« und »Schwett« unter lebhaften Flügelschlägen und Drehen und Wenden mühsam hervorpreßt, als wolle er die mangelnde Tonfülle durch Gesten ersetzen; denn nur selten gelingt ihm ein schönerer Flötenpfiff, der aber auch nur dem Ruf des Pirols, der Drossel oder des Bussards nachgeahmt ist. – Umgekehrt verhalten sich beide am Boden, wo sie ihre Nahrung suchen. Gravitätisch, fast bedächtig schreitet und watschelt Meister Star daher, aufmerksam nach den Seiten sich wenden und im Boden stochernd, dagegen die Amsel in ungestümen Sätzen beidfüßig springt oder wie losgeschossen dahinrennt, plötzlich hochaufgerichtet mit steilgestelltem, gefächertem Schwanz und zuckenden Flügeln stehen bleibt, um im nächsten Augenblick wieder hastig mit Schnabel und Füßen das Genist zu durchwühlen, daß das Fallaub zur Seite fliegt. […] Der Star schnurrt in reißendem Fluge gleichmäßig schnell dahin und wirkt, wenn er kurze Strecken ausgebreitet schwebt, ob seines kurzen Schwanzes wie ein kurzgestieltes, gleichseitiges Dreieck, dagegen hat der Flug der Amsel trot des raschen Starts und der Wendigkeit im Gebüsch auf längeren freien Strecken etwas unsicher Flatterndes. […] Prächtig stahlblau, mit giftgrünen und purpurnen Lichtern schillert im Frühjahr das Starengefieder, während es im Herbst mit weißen Tupfen übersät ist (»Perlstar«), nur die Jungvögel sind unscheibar dunkel graubraun mit hellerer Kehle. Der größte Teil der Amseln überwintert bei uns, während die letzten Stare im Spätherbst verschwinden. (Dr. Hans Joachim Müller: Gefiederte Freunde in Haus, Hof und Garten. 1948)

Verfasst von: dietauschlade | 5 April 2014

der mond ist aufgegangen

all_TrabantDer Mond war untergegangen, aber über den Bergen sprühten die leuchtenden Sterne Funken – wie aus einem magischen Pfefferstreuer herausgeschüttelt. (Jostein Gaarder: Das Kartengeheimnis)

gestern fand ich auf unserer fensteraußenbank eine klare mondnacht, wie aus dem buch. mit dem erdtrabanten, ein paar sternen sowie einigen wenigen schleierwolken, die über den himmel ziehen. genau das richtige, wenn man einen blick auf ihn werfen möchte, der mond jedoch bereits untergegangen oder wolkenbedeckt ist. gute nacht!

Verfasst von: dietauschlade | 4 April 2014

subversion.

Heldenseit einiger zeit hängen die photos dieser drei menschen in direkter sichtweite hinter meinem schreibtisch. als ermutigung. aber auch als mahnung an mein ängstliches ich. aus gründen. und mit einem ganzen satz gedachter fußnoten*

Ich persönlich finde, die Situation der Alten, die nicht mehr mitmachen müssen, die nicht mehr verwertbar gemacht werden können, bietet eine subkulturelle Chance. Da sind Möglichkeiten emanzipatorischer Gegennorm und Subversion. (Goldy Parin U. Rütten: Im unwegsamen Gelände.)

»Man hüte sich vor den alten Männern«, sagte Feuchtenberger zu Richard Zurek und dessen Sohn als sie sich von ihren Plätzen erhoben, »alte Männer sind immer gefährlich. Sie haben ihr Leben gelebt, sie haben nichts mehr zu verlieren und nichts mehr zu befürchten. Und sie schrecken nicht einmal davor zurück, die Wahrheit zu sagen.« (Christoph Hein: In seiner frühen Kindheit ein Garten)

Ein Kurzschluss habe eine Explosion (…) ausgelöst und die Maschine zum Absturz gebracht, so die offizielle Unglücksursache. Aber genau das bestreitet nun eine Gruppe von sechs Experten, die – mittlerweile im Ruhestand – damals zum Kreis der Ermittler gehörten. Heute werfen sie den Behörden Unterschlagung von Beweisen und Vertuschung vor: Der Absturz von TWA 8oo sei tatsächlich durch eine Explosion von außen ausgelöst worden. “Es war entweder ein Terrorangriff, den man nicht zugeben wollte, oder ein Unglück durch Fehler des eigenen Militärs”, so der ehemalige NTSB-Experte Hank Hughes. (tagesschau.de; 21.o6.2013; 11.15)

Laura sagte, sie hätte gerade gelesen, dass der Mensch im Alter radikal zu dem werde, was er sowieso sei, weil der Mensch sein Leben lang vorwiegend das zur Kenntnis nehme, was ihn in seinem Verhalten und seinen Ansichten bestätige, und je länger dieser Prozeß dauere, umso extremer forme sich der Charakter, extrem herrisch oder extrem milde, extrem geizig oder rechthaberisch, grob und allgemein als Altersstarsinn bezeichnet, aber eigentlich nur die zwangsläufige Folge aller Jahre davor. (Monika Maron: Ach Glück)

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