Verfasst von: dietauschlade | 23 Juli 2014

gen süden (2)

genSüden_freiburg_himmel

Julikinder || Wir Kinder im Juli geboren | Lieben den Duft des weißen Jasmin, || Wir wandern an blühenden Gärten hin | Still und in schwere Träume verloren. || Unser Bruder ist der scharlachene Mohn, | Der brennt in flackernden roten Schauern | Im Ährenfeld und auf den heißen Mauern, | Dann treibt seine Blätter der Wind davon. || Wie eine Julinacht will unser Leben | Traumbeladen seinen Reigen vollenden, | Träumen und heißen Erntefesten ergeben, | Kränze und Ähren und rotem Mohn in den Händen.  (Hermann Hesse)

genSüden_freiburg_unterwegs

wenn ich auch kein julikind bin, so kann ich doch den verfasser des gedichts so gut verstehen. beispielsweise auf dem spaziergang mit den (nun drei ♥) freunden im freiburger umland: beim erzählen. lachen. schwitzen. verzehren der ersten (noch sauren) äpfel. weizenkörner pulen. brennesselkugeln rollen. kamillestrauß pflücken. und natürlich beim bewundern des roten mohns. (die getrockneten kapseln daneben transportiere ich leise raschelnd in der rocktasche, um sie zu hause auszusäen).

Verfasst von: dietauschlade | 22 Juli 2014

gen süden (1)

busfahrtbeobachtungen

erneut (trotz langer fahrzeit) ganz begeistert, aufmerksam beobachtend mit dem fernbus quer durch deutschland gen südwesten gefahren. und vieles vieles entdeckt.

· s.o.
· die bloggerin &|o journalistin, die die fidelen busfahrer interviewt und photographiert.
beobachtet von den rauchenden passagieren vor sowie den wartenden passagieren im bus.
· die zwei arbeiter auf dem funkturm, die erst auf den zweiten blick zu sehen sind.
so klein scheinen sie. modellfigurenhaft.
· das backsteinhaus an der berliner stadtautobahn. aus dessen schornstein pflanzen wachsen.
· die kuhherde, die ihrem bauern gemächlich entgegentrabt.
· die wiesen, die von gelben und weißen pünktchen durchgezogen sind.
dazwischen (und nur bei genauerem hinsehen) violotte punkte.
· die filigrane porzellankaffeetasse mit dem verschnörkelten henkel im lkw-fahrerhäuschen.
· die kieferwälder mit dem rötlich gefärbten unterholz.
· die ebereschen mit ihren mal hellrot- mal orangefarbenen früchten.
· der lkw-fahrer mit dem gerahmten familienbild auf dem armaturenbrett.
· die windräder, die in der wolkendecke verschwinden.
· das riesige feld. voll mit sonnenblumen.
· die vier glänzenden metalleimer, die in einer reihe an der leeren straße stehen. (2x)
· die blassgelben weizenfelder im sonnenschein.
· die seerosen an der überschatteten flussbiegung.
· die pfützen in & neben den maisfeldern, die langsam in der sonne trocknen.
· die weißen falter, die über büschen, bäumen, feldern flattern.
unbekümmert und unbeeindruckt von jeglichem drumherum.
· der lkw-fahrer, den eine werner-puppe aus plüsch begleitet.
· der kleine lastwagen mit der aufschrift bierverlag. (?!)
· das reh, das direkt – und ganz nah – im dickicht an der autobahn entlang läuft.
· die vier elstern auf einem kahlen baum.
· die porzellanschale mit fünf äpfeln im fahrerhäuschen des dänischen lkws.
· die rosafarbenen rüssel, mit denen ich plötzlich ‹aug in aug› bin.
· und später der lkw einer transportfirma, der mit einem einstein-zitat
und dem slogan ‹tiere achten statt schlachten› für vegetarismus wirbt.
· die aufziehenden gewitterwolken, die das saftige grün
einer hohen, sturmzerpfurchten wiese noch intensivieren.
· der polizist, der das auto in (oder an?) der brückenböschung photographiert.
· die flammen, die aus einem weit entfernten industrieschlot (oder einer art ölturm?) lodern.
· das meer an verschiedenen baumwipfeln, auf das man von einer brücke aus blickt.
· der zweite blick von weit oben auf das feld mit heuballen,
das so aussieht, als ob jemand ein wettkugeln veranstaltet hätte.
· die tiefliegende wolkendecke über dem satten grünen tannenwald im tal.
· die braunrötliche natursteinwand, deren einkerbungen und simse platz
für je einen winzigen busch oder baum bieten. am schönsten: die winzigen, fast kugelrunden tannen.
· der rauschende waldbach, der uns ein stück des weges begleitet.
· die einsam kuh an einem hang.
· der lkw-fahrer mit einer richtigen kaffeemaschine auf dem armaturenbrett.
wie viele kannen er wohl täglich trinkt?
·  die zwei wildgänse auf dem stoppelfeld.
· der laster mit den stahlkörben voller metallteile. in einem der behälter: ein zartes vogelnest.
· der alte mann, der am bahndamm himbeeren in sein eimerchen pflückt. daneben sein fahrrad.
· ein kleines empfangshäuschen mit der aufschrift ‹eintritt 5o pfennig›.
· die koffer und der proviantkorb, die einsam am busbahnhof in karlsruhe warten.
· aus dem augenwinkel: zwei hühner (und später noch: ein reh), am feldrand. oder doch eher hasen?
· später dann: ein sicherer hase.
· desweiteren in der statistik: 2o greifvögel auf zäunen, holzstangen, bäumen am straßenrand.
· 12 greifvögel am himmel kreisend.
· 8 störche auf wiesen, feldern und auf einem backsteinschornstein.
· 18 (grau)reiher starr, stumm und äußerst elegant auf wiesen, an feldern und an gewässern stehen.
· und zwei fliegend.
· 5 grasende rehe auf grünen feldern.
· und kurz vor ende erstmals (an einem kleinen nur durch schilf gekennzeichneten bächlein) entdeckt: eine bisamratte.
· das letzte #klick fängt den mann ein, der an einer uferwiese (dehn?!)übungen macht,
indem er über dem kopf in die hände klatscht und dabei je ein bein zur seite hochwippen lässt.
genau das richtige nach solch langer fahrt.

Verfasst von: dietauschlade | 15 Juli 2014

abschied

kassandraVor den Bildern sterben die Worte.
(Christa Wolf: Kassandra)

als wir vor fast drei jahren nach pankow zogen, fand ich ‹um die ecke› eine kleine buchhandlung im tiefparterre eines hauses am amalienpark. diese hatte nicht nur eine sehr erlesene auswahl an büchern, sondern auch einen ganz besonderen bezug zu christa wolf (die ebenfalls ‹um die ecke› wohnte und – wie ich jetzt erfuhr – vor zwanzig jahren die buchhändlerin als ladenmieterin vorgeschlagen hatte). hier kaufte ich mein erstes buch dieser nun so liebgewonnenen autorin und besuchte gemeinsam mit der liebsten unbekannten nachbarin regelmäßig die lesungen im jüdischen betsaal – welche immer durch schlichte doch wirkungsvolle zettel an laternenpfosten, stromkästen oder mauern angekündigt wurden. nun schließt bei saavedra nach über 2o jahren seine pforten. vor zwei wochen wurde zu diesem traurigen anlass in der alten pfarrkirche eine äußerst beeindruckende letzte lesung bzw. performance veranstaltet. parallel zu den gelesenen, durch musik sowie klänge begleiteten kassandratexten entstanden (ineinander übergehend) bilder und szenen, die via projektor an die leinwand gestrahlt wurden. ein würdiger abschluss für diese kleine pankower kulturinstitution. danke!

Verfasst von: dietauschlade | 11 Juli 2014

verschwundene welt.

pankowkirche_braun1

When I eventually walked down the stairs and out of the museum,
it was with the feeling of someone who had returned to the earth from a great distance.
(Teju Cole: Open City)

pankowkirche_gelb

wenn man in pankow an der alten kirche vorbei geht, sieht man dort ab und zu ein banner, welches expositionen der friedensbibliothek im kapellenraum ankündigt. diese ausstellungen führen mit photos, anekdoten oder berichten in andere zeiten und lebenswelten. poetisch, beeindruckend und manchmal (so wie derzeit) sehr erschütternd. notwendige unterbrechung, ermutigung, mahnung für die alltäglichen routinen.

pankowkirche_braun2

Verfasst von: dietauschlade | 10 Juli 2014

nebenbei berlin [1o5]

rainSover

rain’s over.

Verfasst von: dietauschlade | 9 Juli 2014

nebenbei berlin [1o4]

Blumen
…und ich stelle mir vor, dass die eingesammelten blümchen
nicht mit all dem müll auf der kippe landen, sondern von dem fahrer mit nach hause
(oder in den schrebergarten) genommen und dort eingepflanzt werden…

Verfasst von: dietauschlade | 6 Juli 2014

sommer.

manGold

Jedenfalls war es im Sommer, wir bewunderten die akrobatischen Flugkünste der Schwalben
im Hof des Mietshauses, und Du hast gesagt: »Wie viel Freiheit bei so wenig Verantwortung!«
(André Gorz: Brief an D.)

falls sie sich wundern, ob der stille auf dieser seite. ich bin derzeit hauptsächlich mit mir | dem liebsten | lieben freunden auf der terrasse, genieße den windhauch, den flug der mauersegler, den duft der tomatenpflanzen, die farbenfrohen ringelblumen sowie die zeit, gelesene bücher in die hefte zu übertragen. dazwischen freue ich mich über die auswahl an sirups. und heute den ersten mangold für die lieblingsquiche.

Verfasst von: dietauschlade | 3 Juli 2014

steinkleesirup

steinkleesirup(…) Sie Ärmste, so überarbeitet und abgehetzt! Und doch möchte ich, daß Sie mir das Geschenk machen und wenigstens einmal für zwei Stunden ins Feld gehen, spazieren und Blumen pflücken! Eine solche kleine Pause wäre Ihnen so nötig, Gedanken und Sinne zu sammeln! (Rosa Luxemburg im Gefängnis)

von der mundraubtour brachte ich nicht nur viele inspirationen mit, sondern ebenso ein bündel steinklee und ein rezept, wie man daraus erfrischendsten (durch das cumarin an waldmeister erinnernden) sirup kocht. ich habe mich am hollersiruprezept orientiert und es leicht modifiziert. 2l wasser mit 1kg zucker sowie etwas zitronensäure aufkochen und abkühlen lassen. zitronensaft dazugeben. das getrocknete bündel steinklee in dem zuckerwasser für 2-3 tage ziehen lassen (ich würde es das nächste mal nur 2 tage ziehen lassen – bei 3 tagen hat der sirup eine leichte heu-note). das ganze noch einmal aufkochen lassen und in ausgekochte flaschen oder gläser füllen. mit kaltem sprudel mischen (~1:15) und an heißen sommertagen genießen. das heißt: falls sie das nächste mal zwei stunden ins feld gehen – steinklee pflücken!

Verfasst von: dietauschlade | 2 Juli 2014

nebenbei berlin [1o3]

blutfüröl

Habgier und Friede schließen einander aus. (Erich Fromm: Haben oder Sein)

Er begreift nicht, wie sie so etwas tun können, wie sie mit eingeschlossenen und hungernden Menschen wie ihm Geld verdienen können. (…) In dieser Stadt sind alle hungrig, bis auf die Gangster und die Politiker. (Steven Galloway: Der Cellist von Sarajewo)

Es wird nicht so sein, wie wir es uns erträumen, wenn diejenigen von uns, die überleben, schließlich dort ankommen. Korrupte Politiker haben sich schon eingenistet. Sie erwarten uns – erwarten uns nicht wie Brüder, sondern als unsere Herren. Sie werden uns benutzen. (John Berger: Mann und Frau unter einem Pflaumenbaum stehend)

wäre es nicht so ungeheuerlich | empörend | unverfroren | himmelschreiend | würde ich mich ob der aktualität des heutigen berliner fundstücks am ostkreuz freuen.

Verfasst von: dietauschlade | 2 Juli 2014

blütenpracht

blütenprachtDie Zeiten ändern sich || Nichts ist so | wie es | gewesen
heute im Wald | sah ich | einen Vogel | der sang | vom Blatt (Günter Radtke)

…und heute entdeckte ich im balkongärtchen, die erste gelbe ringelblume, die je nach tageszeit geöffnet oder geschlossen ist, die erste zucchiniblüte, welche sich langsam wie zartestes seidenpapier entfaltet sowie die ersten tomatenblüten, die wie kleine jugendstil straßenlaternen die erde beleuchten. dazwischen tummeln sich wild und ungestüm die weißen radieschenblüten und buschbohnenknöpfe. welch schöne zeiten!

Verfasst von: dietauschlade | 1 Juli 2014

balsam

ringelblumenpasteInga und ich saßen hinterher auf unserer Küchentreppe und zählten unsere Mückenstiche. Ich hatte vierzehn auf dem rechten Bein und fünf auf dem linken. Inga hatte auf jedem Bein neun. »Daraus kann man ja direkt eine Rechenaufgabe machen«, sagte Inga. »Wir werden es für Fräulein Lundgren auf einen Zettel schreiben: Wenn Lisa auf dem einen Bein vierzehn Mückenstiche hat und fünf auf dem anderen und Inga neun auf jedem Bein, wer hat dann die meisten Mückenstiche und wie viele haben sie beide zusammen?« Doch dann fiel uns ein, dass wir Sommerferien hatten. Und da wäre es ja blöd, sich mit Rechenaufgaben aufzuhalten. Wir kratzen also nur unsere Mückenstiche und fanden es gemütlich, bis wir ins Bett gehen mussten. (Astrid Lindgren: Die Kinder aus Bullerbü)

wochenendmitbringsel: beine voller mückenstiche (unzählbar!). zum glück ebenfalls im gepäck: gesammelte johanniskraut- sowie lindenblüten. dazu eine ringelblume vom balkon. die farbenpracht mit etwas arnikaöl mischen und im mörser zerstampfen. auf die juckenden stellen auftragen und abgedeckt einziehen lassen. wirkt nicht sofort, doch bereits am nächsten tag jucken die geröteten stellen fast nicht mehr. trallala.

Older Posts »

Kategorien

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 85 Followern an