Verfasst von: dietauschlade | 9 Februar 2016

Beobachtungen während einer Zugfahrt…

…von A nach B.

° Der Gebirgsfluss, der sich um und durch schneebedeckte Felsen schlängelt.
° Die Kirche, die immer wieder (und plötzlich) im Blickfeld auftaucht.
° Die sorgfältig gebauten Trockenmauern um die grünen Wiesen in den niederen Gebirgslagen.
° Der Greifvogel, der kunstvoll am Himmel schwebt. Den starken Aufwind nutzend. (2x)
° Die freundliche Nachricht der Mamuschka, die in der Provianttüte versteckt ist.
° Der dunkle eisblaue See mit den vielen kleinen weißen Wolkenkämmen.
° Die grasgrünen Wiesen in den Ebenen und die schneebedeckten Bergspitzen in der Ferne.
° Die Sprachenfülle der Schweiz, die sich in unserem Zugabteil wiederfindet.
° Der Entenschwarm, der mit schnellem Flügelschlag über unseren Zug hinwegfliegt.
° Die dicke Wolkendecke, die sich im Tal hinter einem großen See sammelt, und auch das andere Seeufer ungesehen lässt.
° Der Graureiher, der über das grüne Feld fliegt.
° Die drei Schafe, die an der Stallwand liegen.
° Und die zwei Schafe, die direkt neben dem großen E-Werk grasen.
° Die Ente und der Erpel am Rand eines kleinen, recht zugewucherten Teichs am Fuße eines Hügels.
° Der Schwan auf dem Fluss, der luzerner Jogger beobachtet.
° Die grauweißen Wolkenberge, die sich hinter und über den weißgrauen Alpenspitzen auftürmen.
° Der Seifenblasenberg, der mir im Waschbecken in der ICE-Toilette entgegenkommt. (Die Blasen bauen sich aus dem Abfluss heraus auf, werden irgendwann vom Wasserhahn zum Platzen gebracht, bauen sich auf, platzen, bauen sich auf…)
• Der weiße Kranich, der über das grüne Feld spazieren geht.
• Und der weiße Kranich, der stoisch (im Regen) auf dem grünen Feld steht. (5x)
• Der Storch, der auf einer Wiese inmitten einer Kleingartenanlage steht.
• Der Fasan, der auf dem Feld nach Futter sucht.
• Das Rapsfeld, das zwar fast abgestorben ist, über dem dennoch ein leichter Gelbschimmer liegt.
• Der Graureiher, der gelassen auf dem Felde steht.
• Die zwei Spaziergänger auf dem Feldweg. Sie mit einem roten, er mit einem grünen Hut.
• Die vier Rehe, die still auf einem Feld stehen und die nahe Autostraße beobachten.
• Die zwei Hasen, die über’s Feld hoppeln und Gras mümmeln.
• Die zwei Störche (+1), die auf Futtersuche über die grüne Wiese staken.
• Das Blässhuhn auf dem Stein, das im hohen (weißen!) Bogen sein Geschäft in den See macht.
• Die vier grauen Reiher, die ich (an diesem trüben Tag) erst kurz nach den zwei weißen entdecke.
• Der Greifvogel, der auf dem kahlen Busch am Straßenrand sitzt.
• Die Brückenpfeiler im Licht der untergehenden Sonne, deren Schatten sich weit ins Tal erstrecken.

Verfasst von: dietauschlade | 25 Januar 2016

Monolog aus dem 11ten Stock.

alicja_1

The future, there, is largely predictable, if we have solid and extensive knowledge of the past. Largely, but by no means wholly; for into the making of the future there enters that mysterious and irrepressible factor called human freedom. It is the freedem of a being of which it has been said that it was made in the image of God the Creator: the freedom of creativity. (E.F. Schumacher: Small is Beautiful. A Study of Economics as if People Mattered.)

alicja_3

Aus der Perspektive der feministischen Wissenschaftstheorie wird dieser Begriff von “objektiver Wissenschaft” einer fundamentalen Kritik unterzogen. Wissenschaft muss als Aktivität, die von Menschen in bestimmten kulturellen Zusammenhängen mit bestimmten Positionen und Ansichten unternommen wird, gesehen werden. (Bettina Haidinger und Käthe Knittler: Feministische Ökonomie)

alicja_4

Wie sollte in einem Universum, das bis ins kleinste Atom dynamisch und veränderlich ist, etwas vorhersehbar sein? Und doch basiert unser aktuelles Wirtschaftssystem auf eben diesem Versprechen absoluter Sicherheit. (aus dem Flyer zur Ausstellung)

alicja_2

als berlin in den vergangenen wochen immer wieder unter einer herrlichen schneedecke verschwand, hätte ich ihnen gerne manch bilderstrecke gezeigt. doch derzeit bin ich photoapparatslos, so dass es hier in letzter zeit leider sehr ruhig war. doch beim blick auf die winterlandschaft und ihre farben erinnerte ich mich an eine ausstellung, die ich im vergangenen herbst besucht habe und die mich sehr begeisterte! die künstlerin alicja kwade hinterfragt in und mit ihren skulpturen so manche tatsachen, die möglicherweise gar nicht so tatsächlich sind, wie angenommen. da wird man von einer eingerollten altbautür begrüßt. daneben hängt eine uhr deren sekundenzeiger das ziffernblatt in einer minute umrundet – doch ohne gleichmäßigen 1-sekunden-rhythmus. und ohne, dass die stunden- und minutenzeiger vorangehen. in einem anderen raum steht ein ast an der wand (und man fragt sich heimlich das soll kunst sein?!) und zwei räume weiter entdeckt man plötzlich genau den gleichen (und fragt sich nun wie kann das sein?!). außerdem findet man eine konstruktion, die ackersteine in pulver (oder pulver in ackersteine?!) verwandeln mag, glühbirnen, die sich abwechselnd den stromfluss zu teilen scheinen, spiegel, die sich wie papier verhalten, ein handlauf (wie früher im treppenhaus meiner großeltern), der plötzlich aus einer wand ragt oder auch ein radio, dass die künstlerin völlig in seine einzelteile zerlegen ließ. eine rundum grandiose (leider vergangene) ausstellung – sollten sie jemals die möglichkeit haben, werke von alicja kwade zu sehen, sollten sie dies unbedingt tun. sehr inspirierend!

alicja_5

Verfasst von: dietauschlade | 9 Januar 2016

O, Tannenbaumquirl!

tannenbaumquirl_1

Moderne Subsistenz bedeutet Autonomie, insbesondere sich durch subversive Taktiken unabhängig(er) von Geld- und Industrieversorgung zu machen. Das Backrezept ist einfach: Industriegüter werden durch eigene Produktion ersetzt oder durch selbsttätige oder kooperative Subsistenzleistungen »gestreckt«, um das Potenzial der Bedürfnisbefriedigung einer verkleinerten Produktionsmenge zu vervielfachen. Dazu sind drei Ressourcen nötig: Erstens handwerkliches Improvisationsgeschick, künstlerische und substanzielle Kompetenzen. Zweitens eigene Zeitressourcen, denn manuelle Verrichtungen, die energieund [sic!] kapitalintensive Industrieproduktion ersetzen, sind arbeitsintensiv. Drittens sind soziale Netze und Tauschbeziehungen wichtig, damit sich verschiedene Neigungen und Talente synergetisch ergänzen können. (Nico Paech: Suffizienz und Subsistenz: Therapievorschläge zur Überwindung der Wachstumsdiktatur.)

tannenbaumquirl_2

vor etwa einem jahr begannen der liebste und ich mit der herstellung unserer weihnachtsgeschenke für familie und freunde. (irgendwann hatte ich in den weiten des netz erstmals einen tannenbaumquirl gesehen und gedacht, dass sich das als passendes nachfolgegeschenk eignete; an weihnachten erzählte dann der schwiegerpapa, dass sein vater nach jedem weihnachtsfest solch einen quirl angefertigt hatte…) anfang januar liefen wir also mit einer gartenschere sowie einer großen tüte durch die straßen von pankow und schnitten von den entsorgten weihnachtsbäumen die spitzen ab. zuhause wurden diese dann in form gebracht, von ihrem nadelkleid befreit und erstmal eine ganze weile trocknen lassen. den milden herbst nutzten wir, um auf dem balkon bei einem zweiten schnitzvorgang die übrigen rindenreste zu entfernen und jeden quirl mit groberem und feinerem schmiergelpapier zu schleifen. anschließend wurde der holzstaub abgewaschen und (nach dem trocknen) die quirle mit leinöl eingepinselt. zu guter letzt wurde ein kleines leporello am stiel befestigt und fertig waren die weihnachtsgeschenke. (wir können nun allerdings nicht mehr spazieren gehen, ohne die ausrangierten weihnachtsbäume auf ihre quirltauglichkeit zu mustern.)

Verfasst von: dietauschlade | 6 Januar 2016

geburtstagsgrüße.

 *   * *      *
*  *    *  *          *
* * *
  *  *    *
*      *  **

Was schön ist || Das Nahe und das Feine, | das Stille und Geheime | mit heller Seele sehn, | das ist so richtig schön. (Mathias Jeschke)

Liebste Schwiegermama,
mit diesen leuchtenden Blumen (die sich sowohl hier in Berlin als auch in diesem Gruß momentan unter vielen Schneeflocken verbergen) gratuliere ich Dir von Herzen zu Deinem Geburtstag! Hab heute einen wunderbaren Tag mit leuchtenden Farben, vielen netten Gästen, Deinen allerleckersten Kuchen und natürlich mit Feinem, Stillem und Geheimen! Ich umarme Dich herzlichst aus der Ferne!
Deine Mirjam ♥

Verfasst von: dietauschlade | 4 Januar 2016

winterruhe.

blaueBlüten2015_

Die Wintersaat war ausgebracht. Natur und Mensch zogen sich zurück zum Winterschlaf und würden erst im Februar mit den Schneeglöckchen wieder erwachen. (Monika Maron: Endmoränen)

auch wenn auf unserem balkongärtchen immer noch (bzw. endlich) tiefste winterruhe herrscht, so spüre ich seit dem jahreswechsel doch eine wachsende vorfreude auf das nahende gartenjahr! und so möchte ich ihnen mit diesen blüten des vergangenen sommers ein gesegnetes neues jahr wünschen!

Verfasst von: dietauschlade | 1 Januar 2016

Geschützt: das kleine buch vom brot

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Zum Ansehen bitte das Passwort unten eingeben:

Verfasst von: dietauschlade | 24 Dezember 2015

nebenbei berlin [182] oder: gesegnete weihnachten!

dieNachtistVorgedrungen

Die Nacht ist vorgedrungen, | der Tag ist nicht mehr fern. | So sei nun Lob gesungen | dem hellen Morgenstern! | Auch wer zur Nacht geweinet, | der stimme froh mit ein. | Der Morgenstern bescheinet | auch deine Angst und Pein. || (…) || Die Nacht ist schon im Schwinden, | macht euch zum Stalle auf! | Ihr sollt das Heil dort finden, | das aller Zeiten lauf | von Anfang an verkündet, | seit eure Schuld geschah. | Nun hat sich euch verbündet, | den Gott selbst ausersah. (Jochen Klepper)

Verfasst von: dietauschlade | 13 Dezember 2015

Tag der urbanen Schönheit.

siehe dein König kommt

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und fährt mit der sBahn
reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. (Sacharja 9,9)

herr ackerbau rief für heute den tag der urbanen schönheit (motto: menschen, die auf schienen starren) aus. da möchte ich natürlich nicht fehlen und passend zur adventszeit diese krone, die ich letzthin am sBahnhof wedding entdeckte, mit passendem bibelvers beisteuern. (wenn auch ziemlich bedauernd, dass ich vor drei jahren bereits das perfekte bild zu diesem motto veröffentlicht habe…).

Verfasst von: dietauschlade | 4 Dezember 2015

auf Rilkes Spuren.

rilkeinparis

Eine
Woche lang
zehrte die Bettlerin
von des Dichters weißer
Rose.

am barbaratag möchte ich, wie einst rilke in paris, weiße blumen verschenken. fünf personen, die bis sonntag abend einen kommentar hinterlassen, bekommen nächste woche ein tütchen voller blüten.

Verfasst von: dietauschlade | 2 Dezember 2015

nebenbei berlin [181]

freut_euch

fundstück an der bornholmer straße.
inmitten von veranstaltungshinweisen.

Verfasst von: dietauschlade | 30 November 2015

nebenbei berlin [18o]

Sternenfenster
auf dem heimweg fielen mir die fensterläden auf,
die ich in der letzten stunde des novembers noch mit herzlichen grüßen
zu lisas sternensammlung sende.

Older Posts »

Kategorien

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 146 Followern an