Verfasst von: dietauschlade | 27 April 2016

brandenburger frühling | sommer | herbst | winter.

brandenburgerFrühling2016_1

Eine Epoche erweist sich an jedem beliebigem Querschnitt, den man durch sie legen mag, also nicht einzeitig, sondern als vielzeitig. Die Raketen, die gebaut werden, sind Vorläufer eines historischen Morgen; die Autos und Rasierapparate, der Supermarkt sind von heute; die Eigentumsdiktatur auf dem Wohnungsmarkt ist tiefstes Vorgestern, in seinen kapitalistischen Wohnträumen ungestörtes 19. Jahrhundert. (Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden.)

brandenburgerFrühling2016_2

vergangenes wochenende war ich für zwei tage in brandenburg. auch wenn diese knapp 48 stunden vor allem mit sitzungen und verpflichtungen gefüllt waren, hatte ich doch in den morgenstunden immer wieder einige minuten zeit, um in und am nahegelegenen wäldchen spazieren zu gehen und dabei vieljahreszeitige boten zu entdecken: das braune laub an den ästen neben den frischen, zT noch knittrigen blättchen der bäumen; die kräftigen grashalme im grünen moos, gespickt mit leeren eichelhütchen und umgeben von den im herbst abgeworfenen, im verlauf des winters grau gefärbten blättern; die lindenblüten, die sich gerade erst zeigen neben den bereits langsam verwelkenden bergbirnenblüten (verheißungen auf den nahenden sommer sowie die satte ernte der roten früchte).

Verfasst von: dietauschlade | 25 April 2016

Welttag der Büchlein.

WelttagderBüchlein

»Nur nicht knausern«, sagte Michel aus Lönnerberga.
(Astrid Lindgren: Michel aus Lönneberga)

nur nicht knausern, denke ich mir und freue mich, dass sich genau sieben damen mit einem wunsch gemeldet haben. das passt ja genau mit der anzahl an verbliebenen büchlein. wenn mir jetzt noch taija, koriandermadame, regina, franziska und tanja ihre aktuellen adressen zuschicken würden, versende ich die büchlein im laufe der nächsten tage. um die überraschung nicht zu verderben gibt es die nachlese der einzelnen bücher (dann im originalbeitrag verlinkt) gegen ende der woche.

Verfasst von: dietauschlade | 23 April 2016

Welttag des Buches.

Welttagdesbuechleins

– […] oder aber, mein größtes Vergnügen, ich reiße aus den Klassikern, die schlechten Seiten raus.
– Wie bitte?
– Ja, ich streiche sie zusammen. Die Prinzessin von Cléves zum Beispiel: ein exzellenter Roman, aber viel zu lang. Vermutlich haben Sie ihn nicht gelesen, dann kann ich Ihnen meine Kurzfassung nur empfehlen: ein Meisterwerk, die Quintessenz des Buches. (Amélie Nothomb: Die Reinheit des Mörders)

Ich hätte ihm auch erzählen können, daß ich einen Mann kennengelernt hatte, dessen Ehrgeiz es war, das Werk Henry Millers zu schreiben, nochmals neu zu schreiben. Er hatte ihn gewählt, weil er keine Zeile von ihm kannte und weil die Titel so gut klangen. Nun schrieb er in chronologischer Reihenfolge neue Texte zu den vertrauten Titeln, eigene, passende. (Urs Widmer: Der blaue Siphon)

Welttagdesbuechleins_graueHöfe

stets aufs neue faszinieren mich die vielfältigen möglichkeiten, bücher (weiter) zu verarbeiten. aus diesem grund habe ich mich sehr gefreut, dass die initiatorinnen von blogger schenken lesefreude in diesem jahr dazu aufforderten, am welttag des buches nicht einfach einen stapel ausgegebener bücher zu verlosen, sondern sich alternative formen zu suchen, diesen tag zu zelebrieren. also habe ich in den vergangenen wochen auf meine ganz eigene weise texte und bücher transformiert. ich habe weder schlechte seiten aus klassikern herausgerissen noch ein werk neu geschrieben, sondern aus den seiten alter bildbände (mit dieser falttechnik) kleine büchlein hergestellt. jedes davon wurde mit einem sorgfältig ausgewählten zitat sowie einem passenden titel versehen: 5 kleine, graue Höfe, Mond, schweigend, unterwegs, Tauschsommer, Augenblick, Viertelstunde und Zeitvertreib. die 5 kleinen, grauen Höfe sind bereits als überraschung auf dem weg in den südwesten, doch fünf weitere dieser bilderBücher möchte ich hier (nun doch) verlosen. hinterlassen sie bis sonntag abend einfach einen kommentar mit ihrem wunsch- (und zweitwunsch-) titel. bis dahin wünsche ich ein vergnügliches wochenende, mit viel zeit und freude beim lesen, abschreiben, nachschreiben oder nachfalten! (wer für eigene faltbücher noch ein zitat sucht, kann sich gerne an mich wenden – die schwarzen hefte sind voll davon :o))

Verfasst von: dietauschlade | 21 April 2016

nebenbei berlin [19o]

schattenSpiel

ich bin keine freundin von wandtattoos. doch diese filigranen und temporären (durch kletterpflanzen und frühlingssonne auf dem mäuerchen hervorgerufen) genieße ich gerne auf meinem heimweg!

Verfasst von: dietauschlade | 18 April 2016

nebenbei berlin [189]

KastanienKrone

noch
erkenne ich
himmel | sonne | wolken
beim blick in die
kastanienkrone

Verfasst von: dietauschlade | 14 April 2016

nebenbei berlin [188]

regentropfen

regen
am morgen.
spätnachmittags funkelt ein
letzter tropfen in der
sonne.

Verfasst von: dietauschlade | 12 April 2016

12von12

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Man muß aufschreiben, und sei es, jeden Tag nüchtern zu registrieren. Nicht »schön« schreiben wollen. Stichworte, Tatsachen. Keine Seelenergüsse. (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr. 196o-2ooo)

042016_Drittel3

auch wenn es nicht jeden tag, ja noch nicht mal jeden monat ist, so doch heute mal wieder 12 photos vom zwölften tag des monats. der morgen beginnt sehr früh, noch vor der dämmerung. nach dusche und frühstück bleibt mir etwas zeit meine schwarzen hefte [9] zu ergänzen und die keimenden pflänzchen auf der fensterbank [1o] zu gießen. auf dem weg zur sBahn erfreue ich mich am zwitschern, zirpen und tirilieren der pankower vogelschar und bewundere die gefiederten blütenstände des ahorn (?!) [4]. es ist gar nicht schlimm, dass ich heute meine fahrtlektüre vergessen habe – bei dem blick aus dem fenster entdecke ich gerne grünende, blühende sträucher, hecken und bäume entlang der bahntrasse. als ich bei der arbeit ankomme, sehe ich, dass auch der kleine kirschbaum auf dem schulhof [5] endlich viele filigrane blüten trägt. da die zweite stunde unverhofft ausfällt, kann ich heute schon früh mein zweites frühstück genießen: eine tasse chai-tee sowie eine der stullen, die der liebste mir täglich schmiert. der rest des arbeitstages verläuft routiniert. bei der mittagsaufsicht erheitert mich die wäscheklammerschar an dem leeren ausstellungsgitter [2]. dienstags ist mein kurzer tag, so dass ich bereits mitte des nachmittags wieder in pankow bin. auf dem heimweg entdecke ich das plakat der gartengalerie [3] und frage mich, ob die gar nicht mehr so unbekannte nachbarin wohl lust hätte, mit mir dorthin zu gehen. als ich zu hause ankomme, sind vom kartoffelsalat [12], den der liebste gestern zubereitet hat, noch genau zwei portionen da, die wir gemeinsam (und mit je einem tofuwiener) genießen (er schmeckt noch besser als gestern!). da es die letzten tage zwar bewölkt war, jedoch nicht (oder nur unmerklich) geregnet hat, gieße ich noch meine pflanzen auf dem balkon und stelle fest, dass nun auch unsere felsenbirne [1] blüht. beim zweiten gang des tages zum fensterbankbeet entdecke ich, dass über mittag die ersten korianderkeime [8] den weg ans tageslicht gefunden haben. willkommen! da die letzte nacht eher kurz war, machen der liebste und ich einen mittagsschlaf, trinken anschließend eine tasse tee [11] mit einem stück sonntagskuchen. dann setze ich mich an den schreibtisch, bastle ein wenig an einer kleinen aktion [7] zum welttag des buches, esse ein tomatenbrot zum abendessen und verfasse diesen beitrag, bevor es nun ins bett geht. gute nacht!

042016_Drittel1

Verfasst von: dietauschlade | 12 April 2016

nebenbei berlin [187]

graueGeduckteHäuschen

Mich stören die unnatürlichen Positionen, die Leute auf Fotos haben.
Bäume [ebenso wie kleine, graue, geduckte Schuppen in der Abenddämmerung; m.f.] bleiben bei sich, sie versuchen nicht, ein günstiges Bild von sich zu lügen. (Christoph Hein: Drachenblut)

Verfasst von: dietauschlade | 11 April 2016

nebenbei berlin [186]

FensterStern

immer wieder anrührend. sterne im fenster.

consideration: ein schönes Wort, was eigentlich bedeutet: Sterne zusammenstellen.
(Richard Buckminster Fuller: Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde.)

Verfasst von: dietauschlade | 10 April 2016

Sonntag.

SonntagsKuchenFreude

Weißt du, was ich täte, wenn ich [ein großer Politiker oder Staatsoberhaupt] wäre? Ich würde gar keine großartigen Gesetze mache, keine Revolutionen, nein, ich würde nur einen Tag der obligatorischen Ruhe für alle einführen, keinen freien Tag, den gibt es ja schon, sondern einen wirklichen Tag der Ruhe. Ich bin sicher, daß es nach einer Weile allen besserginge. (Susanna Tamaro: Love)

…zum beispiel mit einem langen mittagsschlaf und (vom liebsten) frisch gebackenem kuchen…

Verfasst von: dietauschlade | 6 April 2016

frühlingsfreuden.

frühlingspflanzen2016_frühjahr

[…] sich lebenslang lernend zu entfalten, das Leben nicht bloß als Konsument, sondern tätig zu genießen, und damit auch eine andere Vorstellung vom guten Leben entwerfen zu können. (Frigga Haug: Zeit, Wohlstand und Arbeit neu definieren. in: Zeitwohlstand. Wie wir anders arbeiten, nachhaltig wirtschaften und besser leben.)

frühlingspflanzen2016_frühling
* den sprossen beim wachsen zusehen [1;3;5].
* die zarten blättchen am eigentlich abgeschnittenen salbeiast entdecken [2].
* das zweite kastanienpflänzchen begrüßen,
* die stabilisiernde schlinge an der ersten kastanienwurzel bewundern [4]
* und das rasante wachstum der beiden innerhalb weniger wochen bestaunen [11].
* in der wärmenden frühlingssonne die alten, abgestorbenen pflanzen aus den beetkisten rupfen,
* die balkonfugen von gräsern und unkraut befreien,
* das wuchernde moos in den blumen- und walderdbeerkästen entfernen,
* mehrere eimer grünabfälle die treppen runter (und später wieder hoch) zum komposthaufen bringen
* (und am nächsten morgen viele vergessene muskeln im körper spüren).
* den vogelgesängen beim pickieren der tomaten, paprika und augberginen lauschen [6;7;13].
* die mangold- und salatpflänzchen behutsam in die kisten setzen [6;8;9;12].
* farbe und form der übriggebliebenen posteleien [14] und spinatpflänzchen genießen.
* den ersten (!) balkonregenwurm in einer fuge finden und in die nächste kiste voller erde geleiten.
* den tausendfüßlern beim eilen zwischen und zu den pflanzbehältnissen zusehen.
* die ersten blättchen an meiner birke willkommen heißen [15].
* und im frühlingsbereiten balkongärtchen die erste skizze desselben zeichnen.

frühlingspflanzen2016_erstesGrün

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