Verfasst von: dietauschlade | 22 April 2017

einen moment bitte… [2]


«Ein Moment sind drei Augenblicke.»
…stellte das kind von frau augengeblicktes weise fest.


drei augenblicke an der müritz.
die mamuschka hält ausschau nach
steinen, scherben und federn.

(und mir fällt dieses lied ein.)

Verfasst von: dietauschlade | 21 April 2017

beobachtungen während einer zugfahrt…

…von berlin nach waren (müritz)

° der weiß-hellgrün leuchtende birkenhain vor wolkig-blauem frühlingshimmel.
° ein verwitterter bahnübergang mit treppengerüst. die stufen fehlen schon lange.
° lila tupfen am bahndamm. primeln? vergißmeinnicht? (zu schnell fuhr der zug.)
° hellgrün schimmern die heidelbeerpflanzen durch das dickicht des kiefernwaldes.
° zwischen den gleisen des rangierbahnhofs sprießt ein meer gelber blumen.
° mitten auf einer wiese ein hochsitz. doch nicht auf stelzen sondern auf rädern.
° eine schwarz-weiß gescheckte kuhherde, die mittagspause macht.
(später noch eine schwarze rinderherde.)
° an einer wäscheleine hängen einsam hemd und hose.
° über einem feld fliegt – nur wenige meter hoch – ein greifvogel.
° eine alte bahnlampe ist umgekippt und hängt nun in der astgabel eines baumes.
(ob sie des nachts in die fenster der vorbeifahrenden züge leuchtet?)
° ein weißer blumenteppich überzieht das unterholz eines buchenwäldchens.
° braunrot und dunkelgrün die fichten. davor die munteren farben der birken.
° das dunkelrote schiffchen mit den weißen holzbalken, das an einem havelpier vor anker liegt. (kurz darauf das bahnhofsgebäude von fürstenberg. in gleichen farben.)
° über der schneise (für stromleitungen durch den wald) kreisen zwei greifvögel.
° drei holzkähne. im schatten der bäume am rande eines waldsees festgemacht. (ganz schwach lässt sich bei einem noch erkennen, dass er mal hellblau gestrichen.)
° eine ente fliegt über eine wiese. drei blicke weiter ein watender graureiher.
° unzählige pfützen auf einer wiese zeugen von einem (vielen?!) regenschauer.
° tiefe reifenspuren im sandweg. bis dieser (und somit auch die spuren) plötzlich endet.
° die dunkelgrüne holzbank vor der kleinen grauen felsenkirche.

Verfasst von: dietauschlade | 16 April 2017

…genügt ihr.

7 sonntage. 7 mal ballast abwerfen.

Denn was will ich heit machen mit den Geld? Brauch‘ ja nix, weil a Mensch, welcher nix brauch‘, hat alles. Weil zeit meines Lebens hab‘ ich mir das so eingericht, daß ich immer bissel weniger brauch‘, als ich zu Verfiegung hab‘, und so kommt das, daß ich immer was zuviel besitze. Umgekehrt wie die Leit hier. Brauchen immer bissel mehr wie sie haben, und davon kommt das, daß sie immer zu wenig besitzen und nich zufrieden sein könn. (Janosch: Sacharin im Salat)

Gemessen an Luxus und Bequemlichkeit lebten die Weisen immer einfach und ärmlicher als die Armen. Den alten Philosophen in China, Indien, Persien und Griechenland kam niemand an äußerer Armut und innerem Reichtum gleich. (H.D. Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern)

Ich komme immer mehr davon ab, Dinge zu besitzen, nicht wegen einer politischen Richtung, wie etwa der Ideologie von Henry George, sondern einfach aus praktischen Gründen. Besitz wird immer mehr zu einer Belastung und Verschwendung wird daher obsolet. (Richard Buckminster Fuller: Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde)

Der Mensch brauchte ein Dach über dem Kopf, der Mensch brauchte Brot, der Mensch brauchte etwas zum Anziehen, doch alles, was darüber hinaus ging, war überflüssig. (Shulamit Lapid: Lokalausgabe)

Wahrhaftig, je mehr ihr von solchem Trödel habt, desto ärmer seid ihr. (…) Es ist fast so, als würde dieser ganze Plunder einem Mann an den Gürtel gehängt und er könnte nicht durch das rauhe Land ziehen, (…) ohne dies alles mitzuschleppen – seine eigene Falle. (…) Ist es verwunderlich, daß der Mensch seine Beweglichkeit verloren hat? (H.D. Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern)

Schon vom bloßen Augenschein hätte man also von Hrdlak sagen können: Alles, was ihm gehört, trägt er bei sich. Er – Hrdlak – steht hier mit leeren Händen am Rande der Ewigkeit. (Janosch: Von dem Glück, Hrdlak gekannt zu haben)

Wo sie auch wohnt, wohnt sie alleyn
Hat nur sich selbst, nicht Schrank noch Schreyn,
Ihr ganzer Schatz sich selbst zu seyn
Genügt ihr.
(William Cowper: Die Schnecke)

Verfasst von: dietauschlade | 12 April 2017

12von12

Das Ziel aller Einrichtungszeitschriftenträume ist kein heiteres, wildes Leben, sonder Entspannung, Schlaf und Abschottung. […] Hier geht es trotz riesenhafter Küchentische, die wie Monumente einer unerfüllten Sehnsucht den Raum versperren, nicht mehr darum, Gäste einzuladen und gemeinsam zu feiern, sondern um ungestörten, quastenumbaumelten Schlaf. Gibt es eine einzige Einrichtungszeitschrift, in der man fünfzehn Menschen an einem verwüsteten Tisch, auf Sofas und in Küchen feiern sieht? Eben. Die Einrichtungsgegenstände und Dekorationsideen erzählen von der Überforderung des Bewohners: Das Haus ist eine Wellnesslandschaft für den burnoutgeplagten, weil überarbeiteten Immobilienbesitzer, eine Comfort Zone, in der alles auf Erholung, Abschottung und Trost ausgerichtet ist – und vergessen lässt, dass das Haus, der Stress und die Kosten, die es produziert, selbst ja einer der Erschöpfungsgründe ist. (Niklas Maak: Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen.)

der zwölfte tag des vierten monats war wuselig und chaotisch und wild und voll und überraschend und laut und lustig und alles in allem wunderbar. denn heute habe ich

º (ebenso wie der liebste und der augustjunge) den wecker überhört und bin viel später als geplant aufgestanden. während der liebste ein bananenbrot für den augustjungen schmierte, habe ich diesen gewickelt und angezogen [1].
º mich sehr darüber gefreut, dass der belle-sœur und ihrem liebsten (die für einige tage bei uns weilten) dies nicht passiert war und die beiden bereits den frühstückstisch gedeckt hatten [9].
º noch während des verspäteten frühstücks den gar nicht mehr so kleinen nachbarsjungen begrüßt, auf den wir für ein paar stunden aufpassten, und ihm ein tellerchen mit apfelschnitzen und mandeln bereitgestellt [5].
º mehrmals den augustjungen ins tuch genommen und (mal mehr mal weniger erfolgreich) in den schlaf gewippt [3].
º die kartoffel-thymian-suppe, die der liebste spontan kochte, mit sechs weiteren großen und kleinen menschen um unseren esstisch herum genossen [1o] und danach leider die belle-sœur und ihren liebsten verabschiedet.
º nach dem mittagessen noch einen tee mit dem liebsten und der pankowfreundin getrunken [8] während der augustjunge schlief und der gar nicht mehr so kleine nachbarsjunge spielte.
º als aller besuch am späteren nachmittag weg war, die wohnung aufgeräumt, gespült [11], saubere wäsche zusammengelegt und dreckige wäsche gewaschen [7].
º den liebsten und den augustjungen beim spielen beobachtet [4] (und beim plappern zugehört).
º osterpost [6] von franziska geöffnet (♥lichen dank).
º für künftige vogelbeobachtungen ein überraschungsgeschenk vom liebsten überreicht bekommen [12] und direkt in gebrauch genommen (in den verregneten büschen und bäumen war zwar kein federvieh zu entdecken, doch just als ich durch das fernglas auf den balkon blickte, landete dort eine taube, die ich gründlich inspizieren konnte).
º das schwarze heft des augustjungen [2] und nun auch diesen blog mit den neusten beobachtungen und entwicklungen gefüllt. und nun – gute nacht!

Verfasst von: dietauschlade | 10 April 2017

nebenbei berlin [214]


über | dem Café | (fast unsichtbar) sitzt | im kahlen geäst eine | spatzenschar

Verfasst von: dietauschlade | 31 März 2017

märzFreuden

Und hier war sie nun und hatte sich kopfüber in den Frühling gestürzt. So herrlich war er um sie herum, ja, auch sie selber war ganz erfüllt von seiner Herrlichkeit, und sie schrie wie ein Vogel, laut und gellend, bis sie es Birk erklären mußte. »Ich muß einen Frühlingsschrei schreien, sonst zerspringe ich. Hör doch! Du hörst doch wohl den Frühling!« Eine Weile standen sie schweigend da und lauschten dem Zwitschern und Rauschen, dem Brausen und Singen und Plätschern in ihrem Wald. Alle Bäume und alle Wasser und alle grünen Büsche waren voller Leben, von überall her erscholl das starke, wilde Lied des Frühlings. »Hier stehe ich und spüre, wie der Winter aus mir herausrinnt«, sagte Ronja. »Bald bin ich so leicht, daß ich fliegen kann.«
(Astrid Lindgren:Ronja Räubertochter)

in diesem monat haben wir endlich den frühling begrüßt. der augustjunge (der gerade mit großer begeisterung seine stimme ausprobiert) mit entzückenden frühlingsschreien. der liebste mit picknicken, die er für unsere spaziergänge durch pankow und den schlosspark packte [7]. und ich mit den ersten arbeiten für den bzw auf dem balkon (äste sammeln für die pflanzkisten [9], balkonfugen, pflanztöpfe und -kisten reinigen und befüllen [2], samen säen und setzlinge pickieren [4]). außerdem haben wir die ersten zarten blättchen an der balkonbirke [5], die blüten an bäumen und büschen [8] und bei freunden im nachbarbezirk einen neuen, winzigen erdenbürger [6] begrüßt. ich habe endlich wieder l’amie bei tee und vietnamesischen spezialitäten [1] und einen freund aus meiner fsj-zeit (der mich mit einem selbstgemachten windlicht für den balkon erfreute [14] – aus einem alten schlossbalken sowie einer ehemaligen essigflasche gemacht) in berlin begrüßen und umarmen dürfen. und nicht zuletzt freute ich mich heute morgen sehr auf die begrüßung mit der unbekannten nachbarin vor der galerie am amalienpark und unser gemeinsames treffen ‹mit› einer alten bekannten [3;1o;11;12;13;15]

Verfasst von: dietauschlade | 29 März 2017

nebenbei berlin [213]

Später tranken sie einen sehr starken Tee und aßen Obst und Datteln dazu, weil der Tee im Magen ein Bett brauchte. Den Tee ließen sie in sich eingehen, bis sie die Sonne flimmern sahen. Wie die Vögel sangen! »Es gibt Freunde, mit denen kann man keinen Tee trinken. Du bist einer von den ganz wenigen, mit denen ich Tee trinke, Balle.«
(Janosch: Von dem Glück, Hrdlak gekannt zu haben.)

Verfasst von: dietauschlade | 28 März 2017

nebenbei berlin [212]

Vlad sah mich verständnislos an. »Nur so? Nichts nur so! Leben ist Kunst! Machst du nur so: Nichts!« Er stellte die Bierflasche neben seinen Stuhl und richtete sich im Sitzen auf. »Nichts nur so!«, rief er verärgert. »Machst du Liebe – nur so? Trinkst du Schnaps – nur so? Lebst du – nur so? Bist du verloren! Bist du – nur so!« Er machte eine wegwerfende Geste und lehnte sich wieder zurück.
(Toni Mahoni: Alles wird gut, und zwar morgen!)

Verfasst von: dietauschlade | 26 März 2017

einen moment bitte… [1]


«Ein Moment sind drei Augenblicke.»
…stellte das kind von frau augengeblicktes weise fest. 


drei augenblicke im schlosspark.
der liebste beobachtet mit dem augustjungen
die enten, die in der panke schwimmen.

Verfasst von: dietauschlade | 25 März 2017

nebenbei berlin [211]

ins
gespräch vertieft
mit ihrem kumpanen
(der von der straßenecke
gegenüber)

Verfasst von: dietauschlade | 25 März 2017

nebenbei berlin [21o]

als
ich letzthin
durch berlins mitte
spazierte, entdeckte ich eine
katze

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