Verfasst von: dietauschlade | 25 Mai 2015

nebenbei berlin [162]

Hand
einen brief schreiben.
einen reifen flicken.
die tomaten gießen.
das kind füttern.
eine katze streicheln.
die kartoffeln schälen.
zwei nägel einschlagen.
ein bild malen.
ein taschentuch reichen.
die großmutter stützen.
ein brot backen.

das herz in der hand tragen.

Verfasst von: dietauschlade | 24 Mai 2015

kräuterworkshop

Kräuterworkshop_ersterTeil1

Dabei war es doch gerade dieses Wechselverhältnis zwischen der Begabung Einzelner, die die Gruppe aufschreckten, und den in der Gruppe lebendigen Leitbildern, die den Einzelnen anregten, was die Stadt, nicht allein in ihrer klassischen Exemplaren, charakterisierte. (Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden)

vor zwei wochen fand ein kräuterworkshop mit burkhard bohne im prinzessinnengarten statt. wir waren 2o-25 (bereits aktive oder zukünftige) stadtgärtner|innen und lernten allerlei über verschiedene kräuterarten (ein-, zwei- und mehrjährig), böden (“ein boden ist ein lebendiger organismus, der sich weiterentwickeln und sogar verbessern kann”) und die vier wichtigsten wachstumsfaktoren für pflanzen (boden, licht, wasser, nährstoffe). wir berichteten von eigenen fensterbank-| balkon- | garten- | feld- experimenten. und natürlich durfen wir ganz praktisch säen, pickieren, beschriften und gießen, so dass jede|r mit mehreren behältern voll keimlingen nach hause gehen konnte. heute habe ich nun die letzten setzlinge pickiert und auf den balkon gebracht. jetzt bleibt mir erstmal nichts weiter als mich auf den zweiten workshop am 13. juni zu freuen. (apropos: wer diesen workshop auch gerne besuchen würde und leider keinen platz mehr bekam – meine begleiterin hat an diesem termin leider keine zeit – hätte jemand lust, mitzukommen?!)

Kräuterworkshop_ersterTeil2

Verfasst von: dietauschlade | 21 Mai 2015

nebenbei berlin [161]

holunderDuft
Und er wartet ab. Wartet, wie man es besser nicht tun kann: ohne Ungeduld, ohne verzehrenden Neid, ohne genau zu wissen, worauf er wartet, in die tägliche Arbeit vertieft. Doch im Grunde seines Herzens wurzelt eine Hoffnung. (Érik Orsenna: Portrait eines glücklichen Menschen. Der Gärtner von Versailles.)

frühling für frühling wartet, hofft und freut sich der bärtige auf den duft des holunders.
jetzt. endlich.

Verfasst von: dietauschlade | 19 Mai 2015

orte. und gedichte.

wurzelGeflecht

Als ich fünfzig Jahre später das Sonett von George Herbert las, wurde das Gedicht zu einem Ort, zu einer Stätte. Niemand war dort. Im Inneren war es wie ein steinerner Bienenkorb gebildet. Ähnliche Gräber und Zufluchtsstätten gibt es in der Sahara. Ich habe in meinem Leben viele Gedichte gelesen, doch nie zuvor habe ich eines besucht. Die Worte waren die Steine einer Wohnstatt, die mich umgab. (John Berger: Mann und Frau unter einem Pflaumenbaum stehend)

ein anderer ort, den man in einem poem finden oder der selbst so manches gedicht bergen mag: das duftende wurzelgeflecht eines abgestorbenen lorbeerstrauchs. mit feinen wurzeln, die – wie erinnerungen und gedanken – umeinander ranken.

Verfasst von: dietauschlade | 17 Mai 2015

un.genutzt

bePflanzung

Wir schrieben ein Manifest zu den vielen ungenutzten Ressourcen in unseren Städten: leer stehende Häuser, vergessene Orte oder weggeworfenes Essen. Wir riefen auf, dieses ungenutztes Potenzial als freies Spielfeld zu begreifen. Es existiert ein ganzes System von freien Ressourcen wie ein paralleler, versteckter Stadtteil – der Hidden Borough. Das ist kein Ort mit festen Grenzen, sondern eher ein Netz, dass über der ganzen Stadt liegt. (Henriette Lütcke: Hidden Borough. Ich nutze das, was du nicht siehst in: Stadtaspekte n°o2)

fast täglich laufe ich an diesem steintrog vorbei, der lediglich mit zigarettenstummeln, coffee-to-go-bechern, glasscherben und vereinzeltem unkraut gefüllt ist. viel zu schade für einen geplanten jedoch ungenutzen blumenkübel! deswegen packte ich heute (mal wieder) fünf tomatenpflänzchen, mein schippchen, ein paar bambusstäbchen sowie einige bindfäden in ömchens eimer, um dieses beet wieder seiner eigentlichen funktion zuzuführen. ich brachte mehrere becher mit abfall zum mülleimer, buddelte fünf löcher, setzte die pflanzen hinein und goß diese dann mit dem mitgebrachten wasser. jetzt hoffe ich sehr, dass sie sich in ihrem neuen beet schnell heimisch fühlen (heute abend, beim zweiten gießen, wirkten sie ganz fidel) und größer werden. sollten sie, werte leserinnen und leser, an dem kübel (nahe des supermarkts mit der gelben kaffeekanne, ecke hadlich- | damerowstraße) vorbeikommen und noch etwas wasser dabei haben, würden sich die fünf pflänzchen sicherlich über eine erfrischung freuen (und sich vielleicht im spätsommer mit ein paar tomaten revanchieren)!

Verfasst von: dietauschlade | 16 Mai 2015

nebenbei berlin [16o]

neLISEZjamais

au contraire!

I look upon a book as a promise. In different senses. But one important aspect of this promise is freedom. ‘Die Gedanken sind frei:’ [sic!] thoughts are free. The Taliban control the Koran. All other books are a potential danger, because – what a pity – they let thoughts roam free. One of the biggest promises that books make is the freedom and security of society. If you want to take that away from me, just take away my archive. Similarly, in Catholicism, laymen weren’t even allowed to learn to read. (Lars Müller & Alexander Schärer: apartamento #11)

Verfasst von: dietauschlade | 12 Mai 2015

12von12

12von12_mai2015_einDrittel

Wohin entschwindet das Erlebte? Und inwiefern prägt es uns doch?
(Christa Wolf: Ein Tag im Jahr.)

heute auch hier zwölf photos vom zwölften tag des monats. nach dem aufstehen, der üblichen tasse kaffee und der erkenntnis, dass ich (ganz ohne tunnelsperrung und bahnstreik) morgens wieder ein paar minuten länger zu hause verweilen kann, führt mich mein weg auf den balkon. hier verpflanze ich ein paar rautensetzlinge [1], genieße die sonne [2] und begrüße die mauersegler, die endlich wieder den pankower himmel bevölkern [3]. auf dem weg zur sBahn entdecke ich die erste holunderblüte [4].

12von12_mai2015_zweiDrittel

auf der arbeit gieße ich mir wie immer meinen tee auf [5] und entdecke, dass für mich heute die sechste stunde ausfällt [6]. das freut mich ungemein, bedeutet dies doch, dass ich zwei zeitstunden früher raus komme. nach meiner letzten unterrichtsstunde bestaune ich das fleißige wachstum in schulgarten, den ein sehr engagierter kollege mit seiner klasse angelegt hat [7]. bevor ich nach hause fahre, geht’s noch nach mitte, wo ich ein paar bücher besorge. jetzt können wir auch im französischunterricht erkunden, welche pflanzen so in schulhof und -garten wachsen [8].

12von12_mai2015_dreiDrittel

auf dem weg nach hause entdecke ich inmitten eines gebüschs salbeibusch und erdbeerpflänzchen [9]. der salbei duftet vorzüglich, macht appetit und ich freue mich sehr, dass der liebste mich zu hause mit einem frischgekochten eintopf begrüßt. nach dem essen genießen wir den ‹geschenkten› mittagsschlaf und ich lese einige seiten im neusten antiquariatsfundstück [1o], in dem auch das spätere abendessen (heute erstmals in gebratener form) erwähnt wird. am frühen abend erhält die gurkenpflanze (die erst nächste woche auf den balkon kommt) noch einen bambusstab als rankhilfe – nicht dass sie plötzlich am bücherregal hochklettert [11]. für eine konferenz in den nächsten tagen packe ich koffer sowie notwendige materialien [12] und bereite noch ein bisschen was für morgen vor.

Verfasst von: dietauschlade | 12 Mai 2015

nebenbei berlin [159]

BlätterBoa

modebewusste bäume in berlin tragen auch schon mal eine boa.

Verfasst von: dietauschlade | 11 Mai 2015

nebenbei berlin [158]

Blumenkranz

Sämi fragte ihn – es dauerte lange, bis Wank verstand – , warum ein Blumenstrauß etwas Schönes sei.
Wank setzte zu einer Erklärung an, aber gleichzeitig begann Sämi, der offenbar ohne Antwort leben konnte, zu singen.
(Markus Werner: Die kalte Schulter)

Verfasst von: dietauschlade | 10 Mai 2015

berliner frühling

BerlinerFrühling2Heimat ist gewiß kein objektiver Tatbestand. Vielmehr läßt mich eine Fülle von Empfindungen mit einem Ort, einer Landschaft heimatlich verbunden sein, weil ich in ihr […] mitmenschliche Erfahrungen gemacht habe, die mein Leben bestimmt – und waren es gute Erfahrungen oder wenigstens überwiegend befriedigende -, es glückhaft bestimmt haben. (Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden.)

jeder frühling (sommer, herbst und winter) verbindet mich mehr mit berlin. das jährliche wiedersehen mit den apfelblüten auf dem weg zur arbeit (und die vorfreude auf den herbst, wenn ich mir nach getaner arbeit eine frucht pflücken und auf dem heimweg genießen kann). die zwei herrschaften, die mich auf meinem weg zum kiezladen grüßen. oder (beispielsweise wenn ich in ömchens eimer tomaten- und paprikapflanzen durch pankow zur sympathischen und gastfreundlichen bloggerkollegenfamilie oder zu freunden transportiere) die immer wieder guten begegnungen mit wildfremden menschen: die alte frau, die in der tram einen neugierigen blick in den eimer wirft und mich verschmitzt anlächelt. oder der mann im falafelladen, der sich nach den pflänzchen erkundigt und begeistert von seinen eigenen anbauversuchen (tomaten und marihuana) berichtet. begegnungen, die mich fröhlich und beschwingt durch den berliner frühling wandeln lassen.

 

Verfasst von: dietauschlade | 6 Mai 2015

nebenbei berlin [157]

zweiDamen1   zweiDamen2

es stellt sich heraus:
unter den umhängen verbergen sich weder hirtenjunge noch könig.
zwei damen sind’s, die gestern die sonne genossen.

Nein, nein, nicht Mann sein wollen, oder wie ein Mann sein wollen, oder mit ihm verwechselt werden können: was sollte uns das helfen! Unser Gewissen spricht jetzt: ‹Werde, wie du bist.› Alle in uns liegenden Kräfte zu entwickeln, den Mut zu uns selber, zu unserer eigenen weibsmenschlichen Natur zu haben; lernen, uns selber Gesetze zu geben, die Rangordnung der Werte durch uns für uns zu bestimmen; das ist die Befreiung vom Banne der asketischen Moral vergangener und vergehender Kulturen und Traditionen, das ist auch die Befreiung von der männlichen Weltanschauung, die wir widerstandslos angenommen haben, ohne zu fragen, ob sie die für uns richtige sei, ohne unsere eigene Wertung der Dinge dagegen zu setzen… (Helene Stöcker zit. v. Ute Gerhard: Unerhört. Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung.)

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