Verfasst von: dietauschlade | 27 September 2016

kornelkirschmarmelade.

kornelkirschmarmelade

Ihr sollt glücklich sein – was immer das sein mag!
(Christa Wolf an Brigitte Reimann: Sei gegrüsst und lebe)

glücklich bin ich, wenn beim lesen eines artikels über einen neuen pflanzennamen stolpere, mich an die unbekannten früchte des letzten herbstspaziergangs erinnere und feststelle – ja tatsächlich, das an dem baum waren kornelkirschen. glücklich bin ich, wenn ich mich weiter über diese pflanze informiere und erfahre, dass die früchte essbar sind. glücklich bin ich, wenn wir beim nächsten spaziergang feststellen, dass der kornelstrauch nicht auf einem privatgrundstück steht, und eine milchkanne voller früchte pflücken können. glücklich bin ich, wenn ich aus den kornelkirschen am darauffolgenden tag marmelade kochen* kann. glücklich bin ich, wenn diese sowohl auf einer scheibe brot mit butter als auch in einem mitternachtsgriesbrei, den der liebste uns kredenzt, ganz vorzüglich schmeckt. glücklich bin ich, wenn ich andere menschen auf den geschmack bringen kann – und verlose deswegen ein klitzekleines probiergläschen der marmelade. hinterlassen sie einfach bis zum 1. oktober ein kommentar an dieser stelle (gerne mit weiteren tipps zu essbaren wildfrüchten).

*75og kornelkirschen mit etwas wasser zum kochen bringen und ziehen lassen. die weichen früchte durch ein feines sieb reiben (die zurückbleibenden kerne abspülen, trocknen lassen und zu einem kornellkirschkernkissen verarbeiten). das rote mus mit etwa 25oml traubensaft erhitzen. gelierzucker (2:1 da die früchte recht säuerlich schmecken) dazugeben und das ganze aufkochen lassen. in gläser füllen und den topfrest direkt auf einer scheibe brot genießen.

Verfasst von: dietauschlade | 26 September 2016

nebenbei berlin [2o3]

kleinesweissesrund

Im Alter von sechs Jahren wurde ich zum Symbolisten. Als ich im Luitpoldpark einen kugelrunden Batzen Vogelkacke für eine schöne Murmel hielt – und gleich begriff – es war eine Murmel gewesen – man hätte sie nur nicht berühren dürfen.
(Helmut Krausser: Schweine und Elefanten)

als ich an der spreepromenade einen runden kaugummiball für den kugelkopf eines pollers* hielt – und gleich begriff – es war ein kugelkopf* gewesen – man hätte nur nicht näher herangehen dürfen.

*bzw: eine miniatur der brückenleuchte?!

Verfasst von: dietauschlade | 25 September 2016

nebenbei berlin [2o2]

einpaarschuhe

Schuhe haben etwas Rührendes, |  Hilfloses, Faszinierendes, | Wenn sie so dasteh‘n, ohne uns darin. |
Geh‘n mit uns durch schwere Stunden, | Nur getreten und geschunden | Auf unserem Lebensweg von Anbeginn.
(Reinhard Mey: die Schuhe)

…ans heutige fundstück hänge ich einen innigen gruß an die mamuschka und den schrat,
die heute seit 35 jahren gemeinsam durchs leben wandern ♥…

Verfasst von: dietauschlade | 22 September 2016

septemberFreuden (1)

septemberfreuden_gruen

Von allen Gewohnheiten des modernen Menschen, sagte er, ist das Lesen von Tageszeitungen eine der schlechtesten. Morgens, in dem Augenblick, in dem die Seele am offensten ist, ergißt sich so das ganze Übel, das die Welt am Tag zuvor hervorgebracht hat, in sie hinein. (Susanna Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich trägt)

septemberfreuden_beige

auch mein lieblingsmonat hat bereits so manche freude mit sich gebracht: die gemeinsame zeit mit meinen eltern [5]. die äpfel, die der schrat in einer schrebergartenkolonie geschenkt bekam [1] und aus denen der liebste frisches mus für apfeltaschen kochte [7]. das sichten eines eichhörnchens bei dem treffen mit einer freundin im park [2]. die bananenmilch (zum french toast), die der liebste für das frühstück mit der belle-sœur zubereitete [6]. die pulswärmer, die sich wunderbar schnell stricken ließen und die nun an kühleren herbsttagen winzige hände wärmen [8]. die wahl im stiftsweg [3] und der spaziergang danach [4]. und schließlich noch eine besondere freude, die sich im laufe des septembers ausgebildet hat: eine neue morgenroutine. nachdem der augustjunge wach wird, stille und wickle ich ihn. anschließend schläft er noch eine runde im tragetuch und ich setze mich an unseren esstisch im wohnzimmer. während draußen der tag beginnt, genieße ich meine erste tasse kaffee und nutze die klarheit der morgenstunde, um (langsam aber stetig) zitat für zitat die schwarzen hefte zu füllen.

Verfasst von: dietauschlade | 21 September 2016

nebenbei berlin [2o1]

kapuzinerkresse

orangerot
leuchtet im
licht der herbstsonne
die einzige blüte der
kapuzinerkresse

Verfasst von: dietauschlade | 12 September 2016

12von12

092016_blau

Mein Sohn liegt in meinem Arm. Er hat so kleine, kleine Hände. Die eine hat sich um meinen Zeigefinger geschlossen und ich wage nicht mich zu rühren. Er könnte dann vielleicht loslassen und das wäre unerträglich. So ein Himmelswunder, diese kleine Hand mit fünf kleinen Fingern und fünf kleinen Nägeln. Ich wusste ja, dass Kinder Hände haben, aber ich habe wohl nicht recht begriffen, dass mein Kind auch solche haben würde. Denn ich liege hier und blicke auf das kleine Rosenblatt, das die Hand meines Sohnes ist, und kann nicht aufhören zu staunen. (Astrid Lindgren: Kati in Paris)

092016_weissbeige

nach einer ruhigen und entspannten nacht verabschiede ich heute früh den liebsten (der zu einer sitzung muss) und begrüße den augustjungen. während die sonne das zimmer lichtdurchflutet, stille ich ihn und genieße danach die minuten, in denen er – den kopf auf meiner schulter – wach und aufmerksam seine umgebung betrachtet [5]. als er gewickelt und angezogen ist [2], nehme ich ihn ins tragetuch (wo er in kürzester zeit einschläft) [7] und genieße sehr die erste tasse kaffee des tages  [1]. außerdem nutze ich die schlafpause, um blogs | mails | nachrichten zu lesen und ein wenig am adventskalender zu basteln [11]. anschließend bereite ich für die belle-sœur (die uns derzeit mit ihrer anwesenheit erfreut) und mich aus alten hörnchen [6] rostige ritter zu. nach erneutem stillen [4] kümmert sich die liebste schwägerin fürsorglich um ihren neffen und ich nutze die zeit, um aufzuräumen, wäsche zu falten [9], einen knopf anzunähen [3] und ein paar stücke erfrischende wassermelone zu essen. als der augustjunge aufwacht, beobachte ich, wie er sich ausgiebig räkelt und streckt [1o]. am nachmittag möchten wir hagebutten pflücken und eine runde durch den park drehen. hagebutten finden wir keine, doch wir sammeln eine ganze kanne voller kornelkirschen [12] aus denen wir morgen marmelade kochen wollen. auf dem rückweg machen wir eine stillpause unter dem baum, an dem bei meinen vorletzten 12von12 der stadtspaziergang: christa wolf begann, und dann kaufe ich ein knäuel wolle (aus denen ein paar miniatur-pulswärmer für die kommenden kälteren nächte werden sollen [8]). die schwägerin besorgt noch ein paar leckere kuchenstücke, die wir nach unserer heimkehr beim gemeinsamen kaffeetrinken genießen. als der liebste am frühen abend nach hause kommt, kocht er für uns und wir beschließen gemeinsam den letzten abend zu viert.

092016_rot

Verfasst von: dietauschlade | 5 September 2016

herbstspuren.

herbstspuren2016

Herbsttag | Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. | Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, | und auf den Fluren lass die Winde los. | Befiehl den letzen Früchten voll zu sein; | gieb ihnen noch zwei südlichere Tage, | dränge sie zur Vollendung hin und jage | die letzte Süße in den schweren Wein. | Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.  | Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, | wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben | und wird in den Alleen hin und her | unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. (Rainer Maria Rilke)

vor fünf tagen war (meteorologischer) herbstbeginn, doch seine spuren zeigten sich bereits seit einigen wochen. der abschied der mauersegler. die morgenfrische trotz wärmender sonne. und die kühlen nächte nach heißen tagen. der nebel der sich bei sonnenaufgang auf der gegenüberliegenden brachfläche sammelt. die gelben blätter auf den bürgersteigen. und nicht zuletzt die vielen rotgefärbten pflanzen und früchte, die wir bei spaziergängen durch pankow entdecken. willkommen, lieber herbst!

Verfasst von: dietauschlade | 31 August 2016

augustFreuden (2)

augustFreuden_blauGrün

Aber hier wie sonst liegt es doch in der Hauptsache an dem Menschen selbst,
ob er das Schöne herausfindet oder nicht.
(Rosa Luxemburg im Gefängnis)

augustFreuden_rot

der letzte tag eines wunder vollen monats ist angebrochen. so manche freude hat sich in der letzten zeit noch angesammelt. die gemeinsamen spaziergänge durch pankow [1] und (an einem der heißeren augusttage) das picknick zu dritt mit kaffee und keksen, fladenbrot, schafskäseaufstrich und frisch gepflückten tomaten [7] unter den großen bäumen im lieblingspark [2;3]. der blumen-kräuter-kranz [6] den die mamuschka mit pflanzen aus ihrem garten band und als glückwunschpaket zu uns sandte. und überhaupt die vielen glückwünsche, grüße und geschenke zur geburt des sommerkindes (an dieser stelle auch für all ihre kommentare ♥lichen dank!) [14]. die aufläufe und suppen, die die liebsten pankowfreunde für uns mitkochten und vorbeibrachten [11]. die ernte unserer lieblingstomate (old german), deren äußeres mich an eine rote mondlandschaft und deren inneres an eine sonne erinnert [9] und die weiterernte des mangolds [1o], der uns in diesem sommer manch leckere mahlzeit beschert hat, zum beispiel (an einem der kühleren augusttage) eine mangold-kürbis-curry-pastasauce. die (wie immer) eindrucksvolle und berührende ausstellung der friedensbibliothek in der kirche alt-pankow [12;13;15]. und dann noch der (alljährliche und dieses mal doch ganz andere) mamuschka-schrat-besuch – unter anderem mit gemeinsamen pizzaessen im hof der besonderen ferienwohnung [4;5;8].

augustFreuden_beige

Verfasst von: dietauschlade | 27 August 2016

nebenbei berlin [2oo] oder…

abrissarbeitenberliner häuser und ihre innenleben.

Der Mensch sollte sein Haus ebenso den Bedürfnissen anpassen wie der Vogel sein Nest… Was ich heute an architektonischer Schönheit sehe, ist wohl allmählich von innen heraus gewachsen, aus den Anforderungen und der Eigenart des Bewohners, der ja der alleinige Erbauer ist, aus einer unbewußten Wahrhaftigkeit und Vornehmheit ohne Rücksicht auf die äußere Wirkung. Wenn sich künftig weiterer Schmuck dieser Art entwickeln sollte, dann muß ihm eine ebenso unbewußte Schönheit des Lebens vorausgehen. Der Maler weiß sehr wohl, daß die interessantesten Wohnungen in diesem Lande die unscheinbarsten Blockhäuser und Hütten der Armen sind. Sie sind die Muschelschale um das Leben ihrer Bewohner, und nicht nur eine Besonderheit an der Außenseite macht sie malerisch. (H.D. Thoreau: Walden oder Leben in den Wäldern)

…apropo muschelschale:

Mit sechzig, siebzig Jahren verstehst du plötzlich, daß der Garten und das Haus nicht mehr Orte sind, wo du aus Bequemlichkeit oder aus Zufall oder wegen ihrer Schönheit lebst, sondern daß sie zu dir gehören wie die Muschelschalen zu dem Weichtier, das in ihm wohnt. Du hast mit deinen Absonderungen die Muschel gebildet, in ihre Windungen ist deine Geschichte eingegraben, das schützende Haus hüllt dich ein, ist über dir, um dich herum, vielleicht wird nicht einmal der Tod es von deiner Gegenwart befreien, von den Freuden und Leiden, die du in ihm empfunden hast. (Susanna Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich trägt)

Verfasst von: dietauschlade | 23 August 2016

augustFreuden (1)

augustFreuden_blau

»Du mußt lernen zu warten«, sagt Cat am Abend […]. »Auch auf die kleinen Ereignisse.«
(Judith Hermann: Sommerhaus, später.)

augustFreuden_orange

das erste viertel des augustes war vor allem vom warten auf das sommerkind geprägt, welches durch so manche große und kleine freude versüßt wurde: der spontane besuch der lang nicht mehr gesehenen freundin mit ihrer kleinen tochter [1], das wunderbare tauschpaket von lisa [2] und die überraschungspost der mamuschka [5] als antwort auf diesen blogpost. das gemeinsame frühstück mit zwei kolleginnen bei uns [7], die minipaprikas [8] und die vielen tomaten [1o], die sich nach und nach (und immer schneller) färbten. der (vorerst letzte) zweisame besuch beim lieblingsvietnamesen [13] mit dem sitzplatz direkt neben der hoch rankenden kapuzinerkresse [11]. und die buschbohnen, die sich innerhalb weniger tage nach der aussaat an der erdoberfläche zeigten [12]. auch die zwei augustviertel nach der ankunft des sommerkindes bargen so manche freude: die wölkchen am spätsommerhimmel [3], die ich entdecke, als ich beim stillen ein blick aus dem fenster werfe. die täglich eintrudelnden briefe und päckchen mit allerlei schönem und nützlichem für das neue leben zu dritt [4; 14]. die hummeln, die sich an den letzten ringelblumen erfreuen [6]. die sonnenblume, die uns ein|e unbekannte|r vor die wohnungstür stellte [9]. und die buschbohnen, die zu einem richtigen wald heranwachsen [15].

augustFreuden_grün

Verfasst von: dietauschlade | 14 August 2016

sonntagsfreude.

sonntagskind

sonnabend, 6. august 2o16. auf den straßen pankows sind an diesem frühen abend viele leute unterwegs. eine mutter kommt mit ihrer tochter vom spielplatz. ein ehepaar erledigt die letzten wochenendeinkäufe. ein anderes macht einen spaziergang bevor der abend heraufzieht. der liebste und ich sind ebenfalls – mit rucksack und tasche – bepackt unterwegs. alle drei minuten halten wir an. machen eine kurze pause. schnaufen durch. gegen halb sieben betreten wir das krankenhaus.

sonntag, 7. august 2o16. die straßen pankows sind an diesem frühen sonntag morgen so gut wie leer. ein busfahrer läuft zur arbeit. ein älteres ehepaar führt seinen hund spazieren. die sonne zieht langsam am gewölkten himmel auf. vögel zwitschern in die sonntägliche ruhe hinein. der liebste und ich verlassen gemeinsam mit unserem kleinen sohn das krankenhaus. gemütlich und ganz in ruhe spazieren wir nach hause. gegen halb sieben kommen wir an. herzlich willkommen, sonntagskind!

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