Verfasst von: dietauschlade | 20 April 2015

frühlingsspaziergang

BlütenZeit_grün

(…) zur Heimat wird ein allmählich dem Unheimlichen abgerungenes Stück Welt.
(Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden)

als wir in die große stadt zogen, verbrachte ich die ersten tage hauptsächlich in unserer wohnung. zum einen, um möbel aufzubauen, kisten auszupacken und regale einzuräumen. zum anderen, weil mir die (lang herbeigesehnte) ‹stadt da draußen› plötzlich sehr fremd und unheimlich schien. nach und nach ging und fuhr ich die ersten wege (die schnell zur routine wurden) und rang der großen stadt stück für stück für stück welt ab. schon lange ist sie mir zur heimat geworden. doch immer noch gibt es unbekannte wege und ecken, die ich (zum beispiel auf langen spaziergängen mit dem gar nicht mehr so winzigen nachbarjungen) nun gespannt und erwartungsfroh entdecke. wie diesen hain in voller blütenpracht (mitsamt speisemorchel und – schon wieder – altem citroën sowie hängenden schuhen ) inmitten von pankow.

BlütenZeit_blau

Verfasst von: dietauschlade | 19 April 2015

nebenbei berlin [154]

wasdenkstduistglück?

konversation zwischen zwei straßenkünstler|innen.

»Bei der Einschätzung eines Menschen betrachten wir doch nicht nur die Ergebnisse eines einzigen Tests. Erst wenn Daten aus vielen unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen, wird es möglich, aufschlussreiche Aussagen über die Person zu machen.  Hätte ich mit Kafka zwei Jahre lang eine bis zwei Stunden pro Woche eine Therapie machen können, wären meine Chancen, Das Schloss richtig zu interpretieren, sicher größer gewesen als die aller anderen.« »Dessen bin ich mir nicht so sicher, Professor (…) Ich würde Ihnen zustimmen, wenn Sie ein Freund Kafkas gewesen wären, der jede Woche ein paar Stunden mit ihm plauderte. Diese Kritik mag Ihnen banal erscheinen, aber sobald der Begriff ›Therapie‹ im Raum steht, scheinen sich die Köpfe der Therapeuten mit Schablonen zu füllen. Ja, es ist höchst kompliziert, einen Menschen zu verstehen und ihm wirklich zu helfen. Die Köpfe der meisten Menschen stecken voller Widersprüche, ihre Seelen voller Komplexe, und sie wissen nicht, was sie wollen. Aber dennoch erscheint es mir vernünftiger, das zu verstehen zu versuchen, was sie gesagt haben, anstatt über das zu philosophieren, was sie nicht gesagt haben. Aufrichtigkeit sorgt zumindest dafür, dass die Person sich nicht allein fühlt. Meiner Meinung nach ist das unser aller Problem, Professor: Wir sind allein auf dieser Welt, mutterseelenallein.« Eine Weile schwieg der Professor. »Wir versuchen alle unser Bestes«, sagte er schließlich. »Ein Allheilmittel für alle existentiellen menschlichen Probleme zu finden ist unmöglich.« »Ah, ich glaube, ich kenne es. (…) Die Liebe.«
(Alper Canıgüz: Die Verwandlung des Hector Berlioz)

Verfasst von: dietauschlade | 15 April 2015

nebenbei berlin [153]

mister

Framed by long, almost feminine eyelashes, his eyes had an unabashed kindness and a deep knowledge about them that was gentle yet hypnotic. It was as if he were taking apart everything in the room, inspecting its contents, and then arriving at some little joke in his head which made sense only to him. […] He gave Emma and Elizabeth each a magnifying glass to carry around with them. “Take a closer look,” he kept saying.
(Reif Larsen: The selected works of T.S. Spivet)

dieser bärtige herr erinnert mich an den professor aus obigem buch.
(auch wenn er eine brille trägt und man seine augen gar nicht sieht.)

Verfasst von: dietauschlade | 14 April 2015

eigenartig. eigenheim.

verwunscheneOrte_blauGelb

Der Raster, nach dem sich heute noch die Ausdehnung der Siedlungen und ihre Neugründung vollzieht, wird ausschließlich von der Rendite bestimmt. Das Siedlungsbauen unterscheidet sich eben in keiner Weise von den übrigen Fabrikationsprinzipien. Von extrem wenigen Ausnahmen abgesehen, in denen man wirklich von Gestaltung reden kann, entspricht die Formgebung genau dem »styling« anderer Gebrauchsgüter. (Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden)

[Der Hauseigentümer] muß sich «sein» Haus aus genormten, auf dem Markt greifbaren Baumaterialien nach Plänen, die das Bauamt genehmigt hat, und in einer äußeren Erscheinung bauen lassen, die der Banksachverständige und die Bausparkasse diktieren – Instanzen, die bereits jetzt einen Wiederverkauf für die Zeit erwägen, nachdem der «Eigentümer», wie sie voraussahen, die Raten schuldig geblieben ist und das Haus hat räumen müssen. Unter solchen Voraussetzungen ist die Hauseigentümerschaft wirklich zu einem leeren Wortsymbol herabgesunken. Ihre öde Legalität hat wenig «günstigen Gehalt» und für Gemüt und Nerven keinerlei Reiz zu bieten, sondern vermittelt nur die immer wiederkehrende Aufregung anläßlich der Erfüllung finanzieller Verpflichtungen, die damit verbunden sind. (Richard Neutra: Gestaltete Umwelt)

verwunscheneOrte_rot

in berlin findet man so einige (und immer mehr) ‹gestylte neubauten›. sie entstehen an stadträndern, entlang der spree, auf brachflächen und ersetzen alteingesessene kleingartenparzellen. so manches mal ließen sie mich schneller gehen, weggucken oder nachdenklich | wütend | frustriert nach hause kommen. umso schöner ist es, wenn man nach einem gang durch solch  eine neubausiedlung, auf ein ganz eigen(artig)es häuschen mit kräutergarten (dessen beete mit alten weinflaschen parzelliert sind) und frühlingsbesonntem hinterhof trifft. eine stadtoase mit halbgestrichenem zaun, blumentöpfen auf einem  alten lastauto, bunten tür- und fensterrahmen, blumenladenschild als vordach, roter teekanne am haken, alten werbeschildern hinter den fenstern und mancher ecke und kante. wunderbar.

Verfasst von: dietauschlade | 13 April 2015

nebenbei berlin [152]

organisches3eckdreieck.

Verfasst von: dietauschlade | 12 April 2015

nebenbei berlin [151]

ohtannen(im)baum

herr ackerbau findet und photographiert regelmäßig auf den straßen berlins tannenbäume, die die weihnachtszeit um tage | wochen | monate überlebt haben. vor ein paar tagen fand ich in nähe des ostkreuzes gleich vier dieser ausrangierten exemplare. mein erster gedanke: oh, tannen (im) baum.

Verfasst von: dietauschlade | 11 April 2015

nebenbei berlin [15o]

spatzenundblütenundschuheimbaum

berliner frühling. mit spatzen, blüten und schuhen in den bäumen.

Verfasst von: dietauschlade | 10 April 2015

aussaat 2o15.

ausSaat2o15_samen

Es gibt nichts Besseres als Sprossen. Sie stehen für etwas Verheißungsvolles. (…) Sie atmen, sie widerstehen Wind und Regen, sie speichern das Sonnenlicht, und sie bringen strahlend weiße Blüten hervor. Ohne sie gäbe es keine Bäume. Sprossen sind lebenswichtig. (Sun-Mi Hwang: Das Huhn, das vom Fliegen träumte.)

ausSaat2o15_setzlinge

vor einem monat säte ich die ersten samen des gartenjahrs 2o15: aubergine, rote beete, gurken, paprika sowie tomaten in zahlreichen varianten. bereits nach einigen tagen zeigten sich kleine grüne punkte, die woche für woche in die höhe wuchsen. als sie fingerhoch waren, verpflanzte ich die sprossen [hinweis des gärtnerfreundes: ‹astgabel› nutzen!] in zeitungsbecher. (einige landeten in ausgemisteten pappschachteln und harren nun ihrer neuen besitzer|innen). in der wärme des wohnzimmers wachsen sie fröhlich weiter vor sich hin und warten gemeinsam mit kartoffeln, buschbohnen, ringelblumensamen (…) auf den anstehenden umzug in das balkongärtchen. dieses habe ich in den vergangenen tagen frühlingsfest gemacht [die letzten beiden photos stammen von der liebsten schwägerin, die derzeit bei uns ver&weilt] und mich gefreut, die ersten radieschensamen in der erde vergraben zu können. mögen sie aufgehen und wind | regen | kälte | hitze | stürmen trotzen!

ausSaat2o15_balkon_frühjahrsputz

Verfasst von: dietauschlade | 9 April 2015

nebenbei berlin [149]

frühlingsgrüßefürJ

spontan ein paar virtuelle frühlingsgrüße an den gar nicht mehr so winzigen nachbarjungen.

Verfasst von: dietauschlade | 8 April 2015

nebenbei berlin [148]

ernteListe

Wörter gegen Blumen, Gärten gegen Bücher, wir waren solche Tauschgeschäfte gewohnt. Fische gegen Muscheln, Benzin gegen Kinderhüten, (falsche) Angaben über einen Hummerfisch-grund gegen ein (unvollständiges) Milchreisrezept. Das Tauschen hat erstaunliche Eigenschaften: Man lernt dabei wieder fühlen, den körperlichen Kontakt mit den diversen verfügbaren Artikeln im universellen Katalog der Schöpfung. Statt dieser Faulheit (sich auf einen Preis zu verlassen) nachzugeben, statt sich auf dieses Packeis (das Geld, den allgemeingültigen Gegenwert) einzulassen, muß man über den Wert der Dinge nachdenken und Paare einzeln wieder zusammenstellen: Wie viele Stunden Handwerkern ist ein Kilo Seebarsch wert, wie viele Schichten Anstrich der Einzäunung die Empfehlung des Kleinen bei der Marine? Der Dialog mit einem selbst und mit der Welt gewinnt dabei. (Erik Orsenna. Inselsommer)

ob es sich bei dieser liste an einer alten pankower hauswand ebenfalls um mögliche tauschgeschäfte handelt? mir zumindest würde dies eine große freude machen. im oder gegen ende des sommers gibt es wohl wieder so einige schätze aus dem balkongärtchen, die ich hier eintauschen könnte…

Verfasst von: dietauschlade | 7 April 2015

Collagen: Stadt, Land, Dorf.

stadt land dorf_weinlese_klein stadt land dorf_heuberge_klein stadt land dorf_kuhherde_klein

Es besteht ein großer Unterschied zwischen Dorf und Stadt. Städte entstehen in der Regel nicht aus immer größer
werdenden Dörfern, sondern haben im Kern eine ganz andere Funktion, nämlich die solcher Orte, an denen man sich trifft.
(Klaus Schmidt: Die Keimzelle der Stadt in: Stadtaspekte n°o1)

stadt land dorf_trachten_klein stadt land dorf_straßencafé_klein stadt land dorf_parade_klein stadt land dorf_touristen_klein

wie wirkt es, wenn man städtische elemente in eine dörfliche szenerie und ländliche elemente in eine urbane umgebung verpflanzt? fremd? neuartig? (un)gewohnt? bei dieser collagenreihe mit photos aus alten bildbänden passt das ergebnis (nicht) auf den ersten blick, manchmal (nicht) auf den zweiten…

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