Verfasst von: dietauschlade | 13 April 2018

1o

zeh(e)n

Im normalen Leben wird einem oft gar nicht bewußt,
daß der Mensch überhaupt unendlich viel mehr empfängt, als er gibt,
und daß Dankbarkeit das Leben erst reich macht.
Man überschätzt recht leicht das eigene Wirken und Tun in seiner Wichtigkeit
gegenüber dem, was man nur durch andere geworden ist.
(Dietrich Bonhoeffer)

von herzen danke ich ihnen allen für die begleitung, den austausch, das miteinander während der letzten zehn jahre in dieser kleinen ecke des weitgespannten netzes.

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Verfasst von: dietauschlade | 12 April 2018

märzFreuden

Allein verstand ich nicht, warum so viele Menschen miteinander leben,
die sich offenkundig nicht besonders mögen.
(Sibylle Berg: Der Mann schläft)

im märz habe ich (gefühlt) die meiste zeit mit ausmisten verbracht. sei es durch aussortieren oder durch verwertung des großen materialfundus, der sich in den letzten jahren hier angesammelt hat. aus einigen knäuel baumwolle wurden händelappen für den augustjungen [8] und aus einem teil der vielen gebrauchten briefumschlägen [14] habe ich notizhefte [13;15] und kleine büchlein [11;16] auf ‹koptische art› gebunden.

inmitten all der arbeit hat auch die eine oder andere freude ihren platz gefunden: der gemeinsame cafébesuch (mit dem augustjungen und der liebsten schwägerin), bei dem wir wider erwarten einen uralten gutschein einlösen konnten und unter freiem himmel [1] und in spatzengesellschaft [2] kaffee und torte genießen konnten. die innige verbundenheit zwischen dem liebsten und dem augustjungen zu erleben [3]. die ausdauer des augustjungen, [kornell]kirschkerne umzuschütten, umzufüllen und aufzufegen [5]. die eröffnung der eissaison [6]. der karfreitagsgottesdienst, für den ich zwölf stationen [4;7] entworfen habe, die bei vielen anklang fanden. der staubsauger, der sich im treppenhaus hinter der schulsporthalle auf dem ersten platz wiederfand [1o] und sich darüber sichtlich freute [12]. die feststellung am zweiten tag des monats, dass der liebste und ich uns auch noch nach 12½ jahren ehe [9] sehr, sehr mögen. (auch wenn der strauß petersilie keinerlei gabe, sondern einfach als zutat für die nächste mahlzeit diente, die der liebste uns – wie jeden tag – kochte.)

Verfasst von: dietauschlade | 26 März 2018

12von12 im doppelpack

Das Leben ist mehr als Er­­werbs­­ar­beit – ihre Bedeu­­tung gehört abge­wer­tet.
Das Miteinander braucht mehr Zeit – nennen wir sie Zeit für Kinder, Alte, Nächste,
Freunde, Ge­lieb­te und für alles Lebendige um uns.
(Frigga  Haug: Zeit, Wohlstand und Arbeit neu definieren.)

seit ein paar jahren versuchen wir möglichst viel zeit für das miteinander zu haben: für uns, für den augustjungen, für freunde, für bekannte, für bücher, für ausgiebige spaziergänge zu dritt, für das balkongärtchen, für hausarbeit, für mußestunden, für kreative und ehrenamtliche tätigkeiten. dies bedeutet weniger geld (wegen reduzierter erwerbsarbeit), aber dafür auch zwei freie wochentage, die ich zu hause bei dem liebsten und dem augustjungen verbringen kann. einer dieser beiden freien tage fällt auf den montag. und diese montage sehen meistens recht gleich aus (und fühlen sich – obwohl sie am wochenende drankleben – so gar nicht mehr nach wochenende an).

doch tatsächlich gab es zwischen dem 12ten februar und dem 12ten märz (die ja beide auf einen montag fielen) einen großen unterschied. aber sehen (und lesen) sie doch selbst die jeweils 12 bilder vom 12ten tag des monats.

am 12. februar klingelt tatsächlich der wecker: ich muss heute ausnahmsweise für einen studientag in die schule. ich stille noch den augustjungen [1] und stehe dann auf. in der küche mache ich mir einen kaffee, schmiere mir meine stullen [9], wässere die sprossen [11], bespaße den augustjungen und mache mich fertig. eine stunde später als sonst sitze ich in der bahn. mein rucksack dient mir wie immer als leseunterlage [1o]. in der schule angekommen, suche ich meine unterlagen zusammen [12] und verbringe dann einen sehr produktiven tag mit meinen kolleg*innen. als ich um kurz nach halb fünf aus dem schulgebäude komme, freue ich mich, dass ich tatsächlich noch ein paar sonnenspuren am himmel entdecken kann [2]. als ich auf die sBahn warte, merke ich, dass sich meine schuhsohle gelöst hat [3]. ich überlege, ob (und hoffe, dass) der schuhmacher die schuhe nochmal reparieren kann; viele jahre lang begleiten sie mich schon. als ich zuhause ankomme, ist der augustjunge gerade dabei mit dem liebsten die schuhe zu putzen. und sogleich werden auch meine treuen treter geschrubbt [5]. dann stille ich den augustjungen, spiele [8] und lese ein paar runden mit ihm und dazwischen füttern wir die vögel [6]. dabei unterhält sich der augustjunge immer angeregt mit den nebelkrähen auf der brachfläche gegenüber. an diesem abend findet der augustjunge nur spät zur ruhe, so dass unsere kraft nur noch für eine tasse kaffee, eine portion milchreis (den der liebste uns gekocht hat) und ein paar folgen einer alten serie reicht. ein paar häkelreihen am neuen küchenvorleger [4] schaffe ich währenddessen auch noch. und dann fallen wir todmüde ins bett.

der 12. märz startet wie die allermeisten montage ohne weckerklingeln. in der dusche freue ich mich über die plastikflaschenfreie shampooseife [22] und am frühstückstisch über die dreierlei gerösteten hefezopfscheiben mit hollergelee [15]. dann lese ich wie (seit einiger zeit) jeden morgen den neusten eintrag [14] in dem bewegenden blog von josefs familie. nun nimmt der tag so seinen lauf (und in meiner erinnerung verweben sich die einzelnen tätigkeiten, so dass ich mich bei meiner beschreibung an der bilderfolge orientiere). einige tage zuvor ist unsere ältere nachbarin unerwartet verstorben. ihr mann ist ziemlich durch den wind und wir versuchen ihn so gut es geht zu unterstützen. der liebste kümmert sich (auch einige wochen danach noch) um mancherlei papierkram und wir versuchen die vielen lebensmittel zu verarbeiten, die der nachbar aussortiert und vorbeibringt. die kräutertöpfe wandern auf die fensterbank [21] und aus den ½ kg ingwer [13] koche ich mehrere flaschen ingwerlimonadensirup (6oog ingwer | 4 zitronen | 2l wasser incl. saft von 4 orangen | 1kg zucker). wir machen einen spaziergang durch pankow [17], bringen den dycle-eimer weg und kaufen ein paar lebensmittel ein. wie jeden tag füttert der augustjunge (mindestens einmal) die vögel [18], sortiert und durchwühlt er viele, viele knöpfe [2o] und als er seinen mittagsschlaf macht, ruhen der liebste und ich uns auch auf dem sofa aus [19]. außerdem kocht der liebste uns ein leckeres abendessen (für das ich die korianderblätter von den stielen zupfe [23]) währenddessen ich die küche aufräume [24]. am abend bringe ich dann noch meinen lebenslauf auf den neusten stand [16].

Verfasst von: dietauschlade | 11 März 2018

februarFreuden

Zdulko schaute ihm zu und sagte: »Ja, ja. Wie die Zeit so vergeht mit der Zeit.«
(Janosch: Polski Blues)

während die zeit im januar scheinbar sehr langsam verging, flog der februar nur so dahin. vielleicht lag es daran, dass keine woche der anderen (und noch nicht mal einer normalen alltagswoche) glich?! vielleicht lag es auch an den vielen kleinen freuden, die dieser kurze monat bereithielt.

da war zu beginn des monats das wochenende bei der schwägerin und ihrem liebsten in mainz. hier gab es unglaublich leckeres essen, leckeren kaffee, gute gespräche, einen spaziergang am rhein und durch die stadt [15], ein wiedersehen mit alter [12] und das entdecken unbekannter straßenkunstwerke [16;18]. im anschluss waren wir noch ein paar wenige tage in der alten heimat. wir verbrachten fröhliche stunden in der gemütlichen wohnung meiner eltern [1;3;4;6;9;17;19;23], genossen gemeinsam die burger [22], die der dichterbruder und der liebste gekocht hatten, und die spaziergänge durch den winterlichen pfälzer wald [13]. am ende unserer reise machten wir noch einen kurzen abstecher in meine alte studienstadt: der professor, bei dem ich meine magisterarbeit geschrieben hatte und der mich nachhaltig geprägt und beeindruckt hat, wurde verabschiedet [1o]. außerdem nutzen wir die gelegenheit, um meine schwester und unsere jüngsten nichte [11] für eine nacht zu besuchen, bis in die puppen zu erzählen (und dabei popcorn [8] zu essen).

schon wenige tage nach unserer rückkehr kam der dichterbruder für ein langes wochenende zu besuch und danach leider erneut eine krankheitswelle. glücklicherweise mischten sich auch kleine freuden dazu. beispielsweise der frischgebackene hefezopf [2], von dem wir fast eine woche gezehrt haben. oder die schneedecke [5], die mich eines morgens beim aussteigen aus der straßenbahn am anderen ende der stadt überraschte. das wunderbare kunstwerk von der papiertänzerin[7], welches ich eines tages völlig unerwartet im briefkasten entdeckte (♥). der augustjunge, der voller freude mit besen, staubsauger [14] durch die wohnung wirbelt, und am liebsten jeden tag einen kuchen [2o] backen würde (um den mixer zu bedienen und die rührbesen abzulecken). das erste grün (knoblauch) [21], welches wir an einem herrlich sonnigen nachmittag [25] im balkongärtchen entdeckten. und endlich die ersten schneeglöckchen in pankow [24].

Verfasst von: dietauschlade | 11 Februar 2018

januarFreuden

»Alles zu seiner Zeit«, sagte Marguerite. »[…] Man darf im Leben nicht alles auf einmal machen.«
(Erik Orsenna: Gabriel II oder Was kostet die Welt)

im januar (der mir in diesem jahr sehr, sehr lang vorkam) haben wir nur wenige sachen gleichzeitig gemacht. es fehlte einfach die kraft. bis auf die erste woche war fast immer eine*r oder zwei von uns dreien krank und so ließen wir den monat und das neue jahr ganz langsam angehen. dennoch haben sich auch in diesem anstrengenden monat einige freuden angesammelt (einfach der bilderreihe nach):

[1;7] die stunde der wintervögel, bei der ich mitgemacht und (mit viel freude und vielen kleidungsschichten) vögel gezählt habe.
[2;4] der augustjunge, der mit viel ausdauer walnüsse, filzkugeln und allerlei andere fundstücke von einer schüssel in die andere löffelt | schüttet | wirft | setzt und rührt.
[3;12] die schar der distelfinken (an die 3o stück!), die fast täglich in der ulme, im ahorn oder der großen kastanie saßen.
[4] die lapbooks, die die sechstklässler in den letzten monaten mit großer begeisterung erstellten und nun endlich ausgestellt und gegenseitig bewundert haben.
[5] der knoblauch, der bereits austrieb und den ich kurzerhand in eine pflanzkiste steckte. möge er dort sprießen und wachsen.
[8] die ausstellung  jeanne mammen, die ich mit der unbekannten nachbarin besuchte.
[9] die unerwarteten grüße, die ich aus dem briefkasten fischte. ♥lichen dank!
[1o] der besuch der bücherprinzessin mit ihrer kleinen tochter ganz zu beginn des neuen jahres. und das freundliche miteinander der beiden fast gleichaltrigen kinder.
[11] die galette des rois, die ich für die drittklässler*innen gebacken hatte und über die diese sich unglaublich gefreut und ihr jeweiliges stück sehr genossen haben.

und dann noch all die freundlichen kommentare, die sich hier im laufe des januars auf der tauschlade eingefunden haben. ich habe es leider nicht geschafft, auf alle einzeln zu antworten, doch habe ich mich sehr über jeden einzelnen gefreut. von ♥en danke!

Verfasst von: dietauschlade | 12 Januar 2018

12von12

Die Geschichten offenbarten allesamt, daß die Welt aus Menschen besteht, die wie Vögel in einem strengen Winter auf die eine oder andere Weise gefüttert werden müssen. Manche waren Krähen. Manche waren Finken.
(John Berger: Mann und Frau, unter einem Pflaumenbaum stehend)

die 12 bilder vom 12ten des monats gibt es dieses mal nur in reduzierter form. seit vier tagen liege ich krank im bett oder auf dem sofa und ähnle immer mehr einer zerrupften nebelkrähe (der augustjunge würde jetzt sofort krkrkr machen). da ich heute morgen allerdings so gut wie fieberfrei war, beschloss ich, dennoch den tag so gut es geht zu dokumentieren. bei der bildbeschreibung der einfachheit halber allerdings nicht chronologisch, sondern der reihe nach. heute habe ich…

[1] ein müsli zur stärkung gegessen.
[2] ein teelicht angezündet (und den augustjungen das streichholz auspusten lassen).
[3] pellkartoffeln mit quark und leinöl gegessen.
[4] viele tassen heißen ingwersud (den der liebste topfweise angesetzt hat) mit einem schuss orangensaft getrunken.
[5] mich über das wunderschön illustrierte gedicht in dieser woche gefreut.
[6] mich gefreut, dass der augustjunge mittlerweile fast gefahrlos auf unsere großen stühle hoch- und auch wieder runterklettern kann.
[7] meine beobachtungen (2 kohlmeisen, 6 haussperlinge, 3 blaumeisen, 1 amsel, 2 elstern, 1 mäusebussard, 57 nebelkrähen – leider ließ sich der schwarm stieglitze, die momentan täglich in birke, ahorn oder ulme sitzen, während dieser zeit nicht blicken) , die ich während der stunde der wintervögel machte, in die datenbank eingespeist.
[8] mit dem augustjungen den vögeln auf unserem balkon futter hingestreut.
[9] dem augustjungen und dem liebsten gewunken, die gemeinsam spazieren und einkaufen waren; während ich
[1o] mich wieder ins bett verkrochen habe.
[11] dem augustjungen (der nun klopft, wenn er aus einem raum hinausmöchte) die wohnzimmertür geöffnet.
[12] mal wieder so viel dankbarkeit empfunden: dass der liebste sich heute und die ganzen letzten tage wie selbstverständlich um den augustjungen kümmert, einkauft, kocht, die küche macht, aufräumt, wäsche wäscht und zusammenlegt und erst abends, wenn er den jüngsten mitbewohner ins bett gebracht hat, eine kleine pause auf dem sofa einlegt – so dass ich kranke krähe in ruhe gesund werden kann. ♥

Verfasst von: dietauschlade | 6 Januar 2018

2o18 in Schachteln


Wohin entschwindet das Erlebte? Und inwiefern prägt es uns doch?
(Christa Wolf: Ein Tag im Jahr.)

bei der mamuschka entschwindet das erlebte oftmals in einem kleinen schwarzen notizbüchlein, in das sie gehörtes, gesehenes, gelesenes, gesungenes, gedachtes, besprochenes, gegessenes, gefundenes – kurz: erlebtes – notiert. in diesem jahr kann sie all das zusätzlich in zwölf kleinen schachteln sammeln. 12 schachteln für die frau,

  • die bei spaziergängen so gerne wiesengräserblumensträuße pflückt;
  • deren mutter in halle an der saale geboren wurde;
  • die so gerne alte waagen mag;
  • die jährlich für einen arbeitseinsatz bei bergbauersleuten in die schweiz fährt;
  • die viele lieder und gebete auswendig lernt;
  • die mit ihrem liebsten und mir an einem schönen herbsttag eine fahrradtour zum kloster chorin machte;
  • deren vater ein schuhmacher war (und deren mutter viele fuhren wäsche gewaschen, aufgehangen und geflickt hatte);
  • die mit ihrem liebsten und uns vor knapp zwei jahren einen winterurlaub in der schweiz genossen hatte, bei dem wir täglich mit einem herrlichen blick ins tal gefrühstückt haben;
  • die mit ihrem liebsten und uns kindern ein jahr in frankreich wohnte;
  • die esel so gerne mag;
  • die nicht nur dem augustjungen, sondern auch ihren drei anderen enkelkindern eine wunderbare großmutter ist;
  • die in einer stadt im bergischen geboren wurde.

in jeder schachtel (die ich netterweise von frau nahtlust zugeschickt bekam, die noch einige schächtelchen von ihrem faszinierenden projekt übrig hatte) liegt ein winziges heft (dessen weißes innenleben nur eingelegt ist, so dass man bei bedarf – diese faltung erlaubt es – noch die rückseite nutzen kann). außerdem finden sich in der zigarrenschachtel noch ein paar papiertütchen mit den verschiedensten materialien – wörter | briefmarken | farbkreise | bilder | miniaturklammern – welche die notizen und fundstücke ergänzen können.

da ich genug schachteln und papierreste hatte, habe ich noch zwölf weitere schachteln gestaltet. falls eine*r von ihnen gerne eine davon hätte, hinterlassen sie doch einfach einen kommentar mit ihrer wunschschachtel (falls diese bereits genannt wurde, müssen sie leider mit einer anderen vorlieb nehmen). die kann dann mit impressionen eines monats oder des gesamten jahres 2o18 gefüllt werden (oder mit etwas komplett anderem. natürlich!). ich schicke ihnen diese samt materialtütchen dann bald zu.

Verfasst von: dietauschlade | 1 Januar 2018

nebenbei berlin [226]

Every crystal was a masterpiece of design
and no one design was ever repeated.
When a snowflake melted, that design was forever lost.
(Wilson Bentley in ‹ARCTIC›)

gesegnetes neues jahr!
mögen die tage still, leise, friedlich und einzigartig
ihren alltag in 2o18 bestücken und beglücken.

Verfasst von: dietauschlade | 31 Dezember 2017

dezemberFreuden [2]

[…] die wenigen Habseligkeiten (was für ein Wort!), die er in einem mehr als neunzigjährigen Leben ansammeln konnte… (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr. 196o-2ooo)

als meine ersatzgroßeltern in diesem jahr recht plötzlich in ein altenheim ziehen mussten, war berlin leider zu weit weg, um bei der wohnungsauflösung noch die ein oder andere habseligkeit mitzunehmen (oder mich von der wohnung zu verabschieden* – was ich sehr sehr bedauere). dementsprechend war meine freude groß als meine eltern uns das waffeleisen anboten, welches sie im sommer unter den besitztümern der beiden überneunzigjährigen gefunden hatten. es lag an heiligabend unterm bäumchen und erfreute uns (dank des fleißigen liebsten) am zweiten weihnachtstag mit leckersten waffeln [16]. auch die belle-sœur und ihr liebster sorgten mit selbstgemachtem haselnuss-dattel-feigen-konfekt [18] für viel begeisterung (insbesondere beim augustjungen, der gar nicht genug davon naschen konnte). und es gab auch so manche nicht-kulinarische freude: beispielsweise der besuch meiner schwiegermama, die am ersten adventswochenende bei uns weilte – und sich an einem abend gemeinsam mit dem liebsten an fröbelsternen [12] versuchte (während ich bei meinen miniatursternen [1] blieb). oder immer mal wieder ein paar flocken schnee [2], die fröhlich vom himmel tanzten (aber leider nur kürzeste zeit liegenblieben). ich freute mich über den wunderschönes briefumschlag der mamuschka [3], der nicht nur ein paar briefmarken, sondern auch eine handvoll lorbeerblätter enthielt, die der liebste bei vielen dezemberlichen rotkohlkochereien verwendete. überhaupt konnte ich den ganzen monat hindurch immer wieder (große!) kleinode aus dem briefkasten fischen (allein manche umschläge [13] …): von mano [6], daniela [8], melanie [14], taija [15] und sybille [17]. habt von herzen dank, ihr fabelhaften damen! eine wohltat war die kleine gemeinsame radtour nach einer durchwachsenen nacht und einem anstrengenden tag. wir fuhren zu einem etwas weiter entfernten spielplatz [4], konnten ein paar enten am nahen see beobachten und sogar ein paar letzte sonnenstrahlen [5] genießen. nachdem alle adventskalender verpackt, verteilt und verschickt waren, freute ich mich unglaublich über die viele freie zeit, um endlich wieder meine schwarzen hefte zu füllen [7]. dann fand sich an heiligabend in den paketen der eltern und schwiegereltern manch zeitungsseite als füllmaterial. und auf einer dieser seiten war sogar ein unerledigtes kreuzworträtsel [1o], welches ich am ersten weihnachtsfeiertag zu meinem ersten kaffee ausfüllte (wie so oft bei den schwiegereltern am frühstückstisch). und dann war da noch der augustjunge, der mein ♥ erfreute: wie er den ganzen tag völlig wörterlos vor sich hinplappert und -singt, bücher durchblättert, schlüssel in der wohnung versteckt, die waschmaschine ein- und die spülmaschine ausräumt, mit begeisterung kerzen und streichhölzer auspustet, auf dem sofa lümmelt, korken von einer schüssel in die andere schüttet, wasserexperimente in- und außerhalb der badewanne durchführt, uns von hinten umarmt, sobald wir auf dem boden sitzen, auf stühle, tische und bänke klettert, dem liebsten ‚rührend‘ beim kochen hilft und mit großer ausdauer meine schals in die unterwäscheschublade räumt [11].

* Ein Haus ist ein gebautes Psychogramm. […] Im seit langen Jahren bewohnten Haus sedimentiert sich das gelebte Leben wie in Jahresringen: Die übereinander gestapelten, zerkratzten, vergilbten Dinge erzählen die Geschichte der Bewohner. (Niklas Maak: Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen.)

Mit sechzig, siebzig Jahren verstehst du plötzlich, daß der Garten und das Haus nicht mehr Orte sind, wo du aus Bequemlichkeit oder aus Zufall oder wegen ihrer Schönheit lebst, sondern daß sie zu dir gehören wie die Muschelschalen zu dem Weichtier, das in ihnen wohnt. Du hast mit diesen Absonderungen die Muschel gebildet, in ihre Windungen ist deine Geschichte eingegraben, das schützende Haus hüllt dich ein, ist über dir, um dich herum, vielleicht wird nicht einmal der Tod es von deiner Gegenwart befreien, von den Freuden und Leiden, die du in ihm empfunden hast. (Susanna Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich trägt.)

Die Wohnungen abwesender Menschen, ging mir durch den Kopf, können zu einer Art Negativabdrücken ihres Lebens werden. Ungefähr wie jene harten, innen mit Samt ausgeschlagenen Futterale, in denen man Flöten oder Klarinetten verwahrt, oder gar Waldhörner. (Lars Gustafsson: Frau Sorgedahls schöne weiße Arme)

Verfasst von: dietauschlade | 30 Dezember 2017

dezemberFreuden [1]

»Jetzt fehlt nur noch der Tannenbaumschmuck«, sagte Pettersson. »Ich frag mich, ob die Kiste nicht unter meinem Bett steht.« »Frag du dich ruhig«, sagte Findus. »Aber die Kiste steht tatsächlich auf dem Dachboden.« »Auf dem Dachboden?! Ach du Schreck, ich kann doch mit diesem Fuß nicht auf den Dachboden gehen!«, protestierte Pettersson. »Und du kannst die Tür nicht aufmachen!« »Das ist der Kiste egal, die steht jedenfalls da oben«, sagte Findus. »Ja, ja, dann müssen wir uns wohl was anderes einfallen lassen.« (Sven Nordqvist: Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch)

als ich unser kleines tannenbäumchen mit der sBahn [2] durch halb berlin kutschierte und der liebste das bäumchen dann auf dem fahrrad noch quer durch pankow schob, wussten wir bereits, dass wir überhaupt keine kiste mit christbaumschmuck besitzen. weder auf dem dachboden noch im keller. die anhänger [15] wollte ich selbst ganz frisch hergestellen. doch dass die echten bienenwachskerzen sich nicht auf den zu hochgebogenen ästen platzieren lassen würden – damit hatte ich nicht gerechnet. der liebste hat das direkt gesehen. doch da war es schon zu spät. wir mussten uns also mit zwei lichterketten [5] behelfen und an den freistehenden stamm ein kleines holzhäuschen (welches uns die bodenseefreunde vor ein paar jahren zu weihnachten fabrizierten), drei pilze und ein häschen [13] platzieren. nichtsdestotrotz war das bäumchen eine dezemberFreude. zu diesen zählten außerdem die spatzen [1], die uns fleißig besuchen kommen. die stängelchen lauch [3], die ich für unser weihnachtsessen ernten konnte. die blüte [4], die an der wildgewachsenen auberginenpflanze aufging. so mancher spaziergang, der mich an dem haus von c.w. vorbeiführte. (und auch nach mehreren wochen liegt noch mamuschkas kranz vor dem gedenkstein [6]. frisch und grün.) die rose [7], die ich entdeckte, als ich unseren kompost wegbrachte. die vier walderdbeeren [8], die ich genau an ömchens hochzeitstag ernten konnte. und die karotte [9], die ich aus der erde zog und an der der augustjunge den ganzen tag knabbern konnte [11]. die ringelblume [1o], die im balkongärtchen noch nicht erblüht ist, doch morgen beim jahresabschlussfrühstück hoffentlich unseren tisch zieren kann. der stern [12], den ich mir schon lange gewünscht habe und der seit diesem jahr endlich auch bei uns im fenster hängt und in die nacht hinausleuchtet. die vielen päckchen und pakete [14], die wir in diesem jahr gepackt und glücklicherweise alle noch rechtzeitig zur post gebracht haben. der wunderschöne adventskranz der mamuschka [15], dessen kerzen uns zu fast jedem frühstück leuchteten. das kleine radieschen [17], das ich gestern noch geerntet habe und das der augustjunge noch an ort und stelle verspeiste. und lisas fröhliche ramilleta – herzlichen dank! ♥

Verfasst von: dietauschlade | 29 Dezember 2017

nebenbei berlin [225]

Eines bleibt, um nicht durchzudrehen: Rausklettern, dem Himmel entgegen.
(Juli Zeh: Die Stille ist ein Geräusch)

…oder sich an einen luftballon hängen…

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