Verfasst von: dietauschlade | 22 Mai 2016

abendlied

abendlied

…während der volle mond am klaren himmel steht und ins zimmer leuchtet,
gestalte ich den morgigen schaukasten zum halben mond

Verfasst von: dietauschlade | 21 Mai 2016

nebenbei berlin [193]

fernSeher

[…] Realitätsverleugnung – eine Krankheit, die, wie wir wissen, besonders resistent ist gegenüber Heilungsversuchen, denn die Konfrontation mit der Wirklichkeit, die Forderung, sich nüchtern den Tatsachen zu stellen, versetzt die von ihr Befallenen in eine Art Angstschock, vor dem sie fliehen: In den Süden, zum Beispiel. Vor die Fernsehröhre, zum Beispiel. In den Konsumrausch. In die Krankheit. In Lebenslügen. In Drogen. In gewaltbereite Gruppen. Diese unsere Gesellschaft zeigt sich erfinderisch in dem Angebot von Fluchtorten. (Christa Wolf: Der Worte Adernetz.)

Verfasst von: dietauschlade | 20 Mai 2016

maiFreuden (1)

maiFreuden_grünbraunweißmagenta

Ich freue mich schon so auf den Frühling, das einzige, was man nie satt kriegt, solange man lebt, was man im Gegenteil mit jedem Jahr mehr zu würdigen und zu lieben versteht. (Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis, 73)

maiFreuden_braunweißgrau

bereits mehr als die hälfte des mai ist schon vergangen, an dieser stelle war es in letzter zeit eher ruhig – und doch habe ich in diesem frühlingsmonat viele kleine augenblicke wahrgenommen und genossen (die ich ihnen hier photographisch geordnet doch chronologisch durcheinander vorstellen möchte). das erste umtopfen der setzlinge. die immer noch ungewohnt-unerwartete silhouette, über die ich im frühen morgenlicht freudig zu staunen vermag. der pflanzentauschmarkt im prinzessinengarten (der mir eine kleine minzpflanze und ein paar feine frühlingszwiebelsetzlinge bescherte). die frischen blätter des fleißig wachsenden salbeis (welche morgens, über die zähne gerieben, die erfrischendste mundhygiene darstellen). lisas unerwarteter postgruß mit wunderbarer karte und frühlingsbild auf tischdecke (♥). die erste radieschenernte. tanjas filigran verpacktes kleinod, welches als antwort auf ein bilderBüchlein kam (herzlichen dank!). lisas tee in der wärmenden morgensonne. das konzentrierte arbeiten an einem adventskalenderbeitrag. die vielen übrigen papierstreifen (die bei der erstellung ebendieser kalender so oft anfallen), welche ich endlich passend zurechtgeschnitten und in einem großen, leicht zugänglichen glas verstaut habe, so dass sie bei gelegenheit flugs in kleine sterne verwandelt werden können. und auch die stunde der gartenvögel, die in der vormittagssonne und mit dem munterem gezwitscher der vogelschar wie im fluge verging (mindestens 4 haussperlinge, 2 amseln, 1 blaumeise, 4 stare, 2 ringeltauben, 3 nebelkrähen und 1 eichelhäher habe ich entdeckt).

Verfasst von: dietauschlade | 12 Mai 2016

12von12

052016_blau

Bist du wach, sagt er
Gut so, sagt er
Und guten Morgen, sagt er
Dir auch guten Morgen, sagt sie
(Jon Fosse: Schlaflos)

052016_holzfarben

der 12. tag des monats, den ich (genau wie beim ersten mal vor einem jahr) mit 12 photos dokumentieren möchte, fängt sehr entspannt an. da ich diese woche krank geschrieben bin (seit einiger zeit plagt mich ein virus, der leider nur schubweise auftritt) kann ich mich ganz ohne weckerklingeln von der sonne wecken lassen (…Und guten Morgen, sagt sie…). zunächst gehe ich auf den balkon, um die pflanzen in kübeln und kisten zu gießen [9]. ich genieße den fliederduft [12], der aus dem nachbargarten zu uns strömt, und entdecke erfreut die erste blüte an ömchens walderdbeeren. ebenso werden die pflanzen in der wohnung (tomaten, paprika, gurken, aubergine, koriander und basilikum), die erst nach eisheiligen auf den balkon kommen, gegossen [1o] und anschließend komme ich selbst zum frühstücken: müsli (in saft eingeweichte haferflocken und leinsamen mitsamt apfel, banane, trockenpflaumen, joghurt und rübenkraut), warmen trockenpflaumensaft sowie frisch gezupften salbeitee [2]. nachdem ich eine runde im internet gedreht habe, setze ich mich an ein paar arbeiten, die ich auch von zu hause aus und ohne große anstrengungen erledigen kann [6]. gegen mittag genieße ich mit dem liebsten ein zweites frühstück (vanilletee mitsamt pfingstkranz) [5] und die möglichkeit, auf dem sofa (lesend und schlafend) eine pause einzulegen [1]. als ich aufwache fällt mir ein, dass ab morgen wieder die stunde der gartenvögel eingeläutet wird und nach mehreren versuchen schaffe ich es (bzw. der liebste) die zählhilfe auszudrucken und gleich noch das passende nachschlagewerk (aus des schwiegergroßvaters nachlass) bereitzulegen [11]. ich freue mich, dass bei meinen beobachtungen auf jeden fall die mauersegler dabei sein werden, die seit beginn der woche wieder über unserem balkon ihre runden drehen [3]! am frühen abend bereitet der liebste eine nudel-ei-pfanne zu [7], die wir gemeinsam bei einer serienfolge verspeisen. frisch gestärkt setze ich mich auch heute an meine schwarzen hefte und ergänze diese mit einigen zitaten [8] (der bücherstapel, der noch eingetragen werden will, hat sich durch die im liegen verbrachten krankheitstage wieder vergrößert). wenn ich jetzt gleich diesen beitrag beendet habe, werde ich zum abschluss des tages mal wieder dem adventskalender widmen [4]. Und guten Abend, sagt sie.

052016_grün

Verfasst von: dietauschlade | 6 Mai 2016

himmel.fahrt

himmelFahrt_2

Eine einspurige, mit alten Bäumen gesäumte Allee lag vor mir, der Morgen hatte nicht zu viel versprochen, der Tag war warm und der Himmel strahlte blau und wolkenfrei. Meine Laune hob sich deutlich. Falls ich je gestresst war in diesem Leben, dies alte, einfache Pflastersteinestraße beruhigte mich unendlich. (Toni Mahoni: Alles wird gut, und zwar morgen!)

himmelFahrt_3

den gestrigen feiertag nutzten wir, um mit den liebsten pankowfreunden die erste fahrradtour in diesem jahr zu unternehmen. unter blauem, wolkenfreiem himmel fuhren wir gen nordosten. vorbei an blühenden kirsch- und apfelbäumen (die mich an vergangene sommer– bzw. herbsttouren zurückdenken und mich auf kommende ausflüge freuen ließen), an dem see mit dem hohen schilf sowie verschiedensten vögeln und vorbei an einem schildlosen rahmen, der – je nach blickwinkel – die unterschiedlichsten bilder zeigte. am bereits erprobten rastplatz gab es dann kunterbuntes picknick mit den leckersten zitronen-mohn-muffins der pankowfreundin, frisch gebrühtem kaffee, erdbeeren, apfelvierteln sowie curry-reis-buletten mit frühlingszwiebel-quark-dip (in der nacht vorher noch vom liebsten zubereitet). daneben war es ein großes vergnügen, dem gar nicht mehr so winzigen nachbarjungen beim genussvollen essen zuzusehen. und unter der frühlingssonne den blick in das klare blau zu genießen. sowie ein kleines motorflugzeug, stare und eine ente am himmel zu entdecken.

himmelFahrt_1

auf dem (wie immer so viel kürzer wirkenden) rückweg hielten wir noch bei dem (von frühling bis herbst installierten) pflanzenstand vor einem häuschen, suchten ein pfefferminz- bzw. ein erdbeerpflänzchen aus und warfen ein paar münzen in das dafür vorgehesene glas. und (als stimmiger abschluss dieses wahrhaftigen feiertages) erhielten wir dann noch eine einladung zum gemeinsamen essen (gebratener spargel an bärlauchnudeln – mhh) und erzählen. ♥lichen dank!

himmelFahrt_4

Verfasst von: dietauschlade | 1 Mai 2016

nebenbei berlin [192]

ackerVeilchen

The artist Lucian Freud, a London resident since 1946 said his ‹idea of travel is downward travel, really. Getting to know where you are, better, and exploring feelings that you know more deeply. I always think knowing something by heart gives you a depth of possibility which has more potential than seeing new sites, however marvelous and exciting they are.› (Nancy Waters: apartamento #o6)

dies ist mein fünfter frühling, den ich in der großen stadt erlebe. und erst in diesem frühjahr sind mir die kleinen ackerveilchen auf meinem fast täglichen weg zur sBahn aufgefallen. munter wachsen sie in dem verwahrlosten parkplatzbeet im schatten eines unförmigen strauches vor sich hin. und plötzlich wirkt auch das mäuerchen im hintergrund mit der abblätternden farbe gar nicht mehr so fad und trostlos, sondern fast so, als ob es sich dem farbverlauf der blau-grau-weißen blümchen anpasst.

Verfasst von: dietauschlade | 30 April 2016

nebenbei berlin [191]

PusteBlume

Man muß Haltung bewahren. Auch wenns egal ist. Grade dann. Bleibt sonst nichts übrig. Haltung.
(Helmut Krausser: Schweine und Elefanten.)

Dann stehe ich lange vor der Holzskulptur des »Wanderers im Wind«, die Barlach 1934 geschaffen hat, als ihm klar war, was für Zeiten angebrochen waren. Er rafft sich zusammen. Er hält seine helmartige Kopfbedeckung fest, er schlägt seinen Mantel dichter um sich, er vergewissert sich seiner Kräfte. Der Gegenwind ist stark, aber er wird bestehen. (…) So ist es, sagt jede dieser Figuren. Kein Zugeständnis. Klage schon. Aber kein Selbstmitleid. So ist es eben, so schlimm. Und das zu wissen, darin liegt der Trost. (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr. 196o-2ooo.)

Die Angst und Unsicherheit, die durch die Gefahr entsteht, zu verlieren, was man hat, gibt es in der Existenzweise des Seins nicht. Wann ich bin, der ich bin und nicht, was ich habe, kann mich niemand berauben oder meine Sicherheit und mein Identitätsgefühl bedrohen. Mein Zentrum ist in mir selbst – die Fähigkeit, zu sein und meine mir eigenen Kräfte auszudrücken, ist Teil meiner Charakterstruktur und hängt von mir ab. (Erich Fromm: Haben oder Sein)

Verfasst von: dietauschlade | 29 April 2016

freitagsfreude.

kleineMauerwerkskunde

Ich suche nach einem Schleifstein für mein Messer. (Einfache Freuden: des Morgens Blumen pflücken, sie in ein Zimmer bringen und in eine Vase stellen. Mit einem scharfen Messer schneiden. Sich nach dem Erwachen kaltes Wasser ins Gesicht spritzen. Einen Brief von einem geliebten Menschen erhalten.)
(John Berger: Mann und Frau unter einem Pflaumenbaum stehend.)

oder auch: ganz unerwartet einen brief von einem unbekannten menschen erhalten. den sorgfältig vernähten umschlag vorsichtig öffnen. einen kartengruß mitsamt kleinem kunstwerk darin entdecken. mit großem staunen durch das fotobüchlein blättern. und die kompositionen bewundern. danke ♥.

Verfasst von: dietauschlade | 27 April 2016

brandenburger frühling | sommer | herbst | winter.

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Eine Epoche erweist sich an jedem beliebigem Querschnitt, den man durch sie legen mag, also nicht einzeitig, sondern als vielzeitig. Die Raketen, die gebaut werden, sind Vorläufer eines historischen Morgen; die Autos und Rasierapparate, der Supermarkt sind von heute; die Eigentumsdiktatur auf dem Wohnungsmarkt ist tiefstes Vorgestern, in seinen kapitalistischen Wohnträumen ungestörtes 19. Jahrhundert. (Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden.)

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vergangenes wochenende war ich für zwei tage in brandenburg. auch wenn diese knapp 48 stunden vor allem mit sitzungen und verpflichtungen gefüllt waren, hatte ich doch in den morgenstunden immer wieder einige minuten zeit, um in und am nahegelegenen wäldchen spazieren zu gehen und dabei vieljahreszeitige boten zu entdecken: das braune laub an den ästen neben den frischen, zT noch knittrigen blättchen der bäumen; die kräftigen grashalme im grünen moos, gespickt mit leeren eichelhütchen und umgeben von den im herbst abgeworfenen, im verlauf des winters grau gefärbten blättern; die lindenblüten, die sich gerade erst zeigen neben den bereits langsam verwelkenden bergbirnenblüten (verheißungen auf den nahenden sommer sowie die satte ernte der roten früchte).

Verfasst von: dietauschlade | 25 April 2016

Welttag der Büchlein.

WelttagderBüchlein

»Nur nicht knausern«, sagte Michel aus Lönnerberga.
(Astrid Lindgren: Michel aus Lönneberga)

nur nicht knausern, denke ich mir und freue mich, dass sich genau sieben damen mit einem wunsch gemeldet haben. das passt ja genau mit der anzahl an verbliebenen büchlein. wenn mir jetzt noch taija, koriandermadame, regina, franziska und tanja ihre aktuellen adressen zuschicken würden, versende ich die büchlein im laufe der nächsten tage. um die überraschung nicht zu verderben gibt es die nachlese der einzelnen bücher (dann im originalbeitrag verlinkt) gegen ende der woche.

Verfasst von: dietauschlade | 23 April 2016

Welttag des Buches.

Welttagdesbuechleins

– […] oder aber, mein größtes Vergnügen, ich reiße aus den Klassikern, die schlechten Seiten raus.
– Wie bitte?
– Ja, ich streiche sie zusammen. Die Prinzessin von Cléves zum Beispiel: ein exzellenter Roman, aber viel zu lang. Vermutlich haben Sie ihn nicht gelesen, dann kann ich Ihnen meine Kurzfassung nur empfehlen: ein Meisterwerk, die Quintessenz des Buches. (Amélie Nothomb: Die Reinheit des Mörders)

Ich hätte ihm auch erzählen können, daß ich einen Mann kennengelernt hatte, dessen Ehrgeiz es war, das Werk Henry Millers zu schreiben, nochmals neu zu schreiben. Er hatte ihn gewählt, weil er keine Zeile von ihm kannte und weil die Titel so gut klangen. Nun schrieb er in chronologischer Reihenfolge neue Texte zu den vertrauten Titeln, eigene, passende. (Urs Widmer: Der blaue Siphon)

Welttagdesbuechleins_graueHöfe

stets aufs neue faszinieren mich die vielfältigen möglichkeiten, bücher (weiter) zu verarbeiten. aus diesem grund habe ich mich sehr gefreut, dass die initiatorinnen von blogger schenken lesefreude in diesem jahr dazu aufforderten, am welttag des buches nicht einfach einen stapel ausgegebener bücher zu verlosen, sondern sich alternative formen zu suchen, diesen tag zu zelebrieren. also habe ich in den vergangenen wochen auf meine ganz eigene weise texte und bücher transformiert. ich habe weder schlechte seiten aus klassikern herausgerissen noch ein werk neu geschrieben, sondern aus den seiten alter bildbände (mit dieser falttechnik) kleine büchlein hergestellt. jedes davon wurde mit einem sorgfältig ausgewählten zitat sowie einem passenden titel versehen: 5 kleine, graue Höfe, Mond, schweigend, unterwegs, Tauschsommer, Augenblick, Viertelstunde und Zeitvertreib. die 5 kleinen, grauen Höfe sind bereits als überraschung auf dem weg in den südwesten, doch fünf weitere dieser bilderBücher möchte ich hier (nun doch) verlosen. hinterlassen sie bis sonntag abend einfach einen kommentar mit ihrem wunsch- (und zweitwunsch-) titel. bis dahin wünsche ich ein vergnügliches wochenende, mit viel zeit und freude beim lesen, abschreiben, nachschreiben oder nachfalten! (wer für eigene faltbücher noch ein zitat sucht, kann sich gerne an mich wenden – die schwarzen hefte sind voll davon :o))

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