Verfasst von: dietauschlade | 11 November 2017

oktoberFreuden [2]

Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.
(Johann Gaudenz von Salis-Seewis)


getragen haben wir in diesem oktober auch viel (meistens den augustjungen). und gesungen. und wir sind sogar gesprungen bzw. haben geschwungen. (nur der hut aus stroh mit den bunten bändern fehlte.) aber sehen sie doch selbst. #klick:

#1 auf dem waldweg zwischen dem haus meiner eltern und dem der schwiegereltern kommt man auch an dieser pittoresken villa vorbei. fast möchte man an die fensterscheiben klopfen und ein paar bunte blätter oder kastanien hineinreichen.
#2/16 zwar haben wir einen kinderwagen, doch der augustjunge lässt sich am liebsten in der trage durch den pfälzer wald befördern. oder er darf selbst schieben.
#3 in der woche, in der der dichterbruder bei uns weilt, kommt an einem tag auch noch der schwager mit den beiden ältesten nichten vorbei. nach einem späten frühstück gehen wir gemeinsam durch den schlosspark, holen uns unterwegs ein eis und bewundern enten, die in der panke schwimmen. währenddessen versuchen die drei männer (fast erfolgreich) drei kinder daran zu hindern in die panke zu springen oder in den matsch zufallen.
#4 auf dem weg zum kiezladen komme ich stets an dem haus von christa wolf vorbei. ich hinterlasse einen stillen gruß und bewundere an diesem tag die vielen pilzfamilien, die zwischen dem gelben laub auf den ersten blick gar nicht zu erkennen sind.
#5/7 auf unseren fahrradtouren durch pankow entdecken wir so manche flecken, die wir noch gar nicht kennen – obwohl wir ja doch schon sechs jahre hier wohnen.
#6 wenn die sonne scheint und einen wärmt, ist es eine reine freude, die wäsche auf dem balkon (mit blick auf die letzten pflanzen und gewächse) aufzuhängen.
#7 im schlosspark entdecke ich herbstzeitlose zwischen den bäumen. schön.
#9 als wir am feierwochenende mit den kindern auf dem spielplatz sind, lese ich diese botschaft und photographiere sie für den liebsten. (für dich ♥)
#1o/11/13/15 auch die belle-sœur und der beau-frère gucken für zwei tage in der alten heimat vorbei. gemeinsam machen wir einen waldspaziergang und entdecken allerlei pilze. (sogar ein rostiger ist für herr ackerbau und frau tonari dabei.)
#12 die mamuschka und der schrat bringen von einer ihrer radtouren riesige walnüsse mit. sie sind etwa doppelt so groß wie die ‹normalen› und schmecken vorzüglich.
#14 an einem der schulmorgen bin ich unglaublich müde und habe das gefühl, bei der aufsicht kaum ein auge offenhalten zu können. wie gut, dass es den kollegen in der schulstation gibt, der mir spontan einen starken sowie wärmenden kaffee kocht und auf meinen rundgang durchs schulgebäude mitgibt.
#17 die sonnenblumenköpfe aus dem elterlichen garten erfreuen die meisen und spatzen in unserem balkongärtchen. immer wieder kommen sie zu besuch; picken hier ein körnchen und dort ein paar übrig gebliebene borretsch- oder koriandersamen.
#18 auf einem der pfälzer spaziergänge entdecken wir diesen verwunschenen weg. schade, dass er (wegen eines zauns) nicht passierbar ist.
#19 an einem sonntag treffen wir uns gemeinsam mit den liebsten pankowfreunden. wir essen gemeinsam zu mittag, spazieren durch pankow, gucken dem gar nicht mehr so kleinen nachbarsjungen beim durchspfützenfahren zu und genießen des liebsten rotweinkuchen mit frischem kaffee.
#2o auf dem waldspaziergang mit der belle-sœur und dem beau-frère schnappt sich eine*r von beiden unsere kamera und nimmt diesen schnappschuss auf, den wir zu hause entdecken. (danke ♥). auf, auf in den november!

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Verfasst von: dietauschlade | 10 November 2017

oktoberFreuden [1]

Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.
(Johann Gaudenz von Salis-Seewis)

bunt und voll und wunderbar war unser oktober. wir hatten fast durchgehend besuch oder durften selbst gäste sein. in die grau-nebligen tage mischten sich auch herrliche sonnentage, die alles leuchten ließen. doch einfach der (bilder) reihe nach. #klick:

#1/7/11/16: die bäume im schlosspark leuchten in den herrlichsten farben. die wiesen und wege sind mit bunten blättern bedeckt und auf einem mäuerchen in der wolfshagener straße liegen einige sogar zum mitnehmen bereit.
#2 mein cousin und seine frau sind neu nach berlin gezogen. an einem samstagnachmittag kommen sie zum kaffeetrinken vorbei und bringen tulpen mit.
#3/12 anlässlich ihres zweijährigen blogjubiläums (hurra. ♥lichen glückwunsch!) schickt taija eine selbstgestaltete herbstpostkarte quer durch die republik. danke!
#4 die herbstsonne hat noch ein paar wenige tomaten nachreifen lassen.
#5 mit einem geburtstagsfrühstück feiern wir gemeinsam den jubeltag der mamuschka (die uns in der ersten oktober woche gemeinsam mit dem schrat besuchte).
#6/9/10/13 in den letzten tagen des monats weilen wir im südwesten der republik und unternehmen viele, viele raschelnde spaziergänge durch den pfälzer wald. dabei entdecken wir nicht nur einige letzte keschde im laub, sondern auch mistkäfer und zwei nacktschnecken, die eine (farblich passende) pilznahrung verköstigen.
#8 in der monatsmitte kommt der dichterbruder zu besuch. im gepäck hat er nicht nur ein paar gute flaschen wein, sondern auch einen gruß von der mamuschka und dem schrat: einen ganzen beutel voller leckerer frisch gesammelter kastanien.
#14 in dem häuschen meiner eltern lassen sich immer wieder kleine wunderdinge entdecken, die große und kleine menschen erfreuen.
#15 dem augustjungen sind wohl die regentage die liebsten. dann gibt es auf allen straßen und plätzen pfützen zu entdecken und zu beplanschen.

#17 von einer ihrer radtouren in brandenburg haben die mamuschka und der schrat einen kürbis mitgebracht. aus dem kocht der schrat (wie früher das ömchen immer) eine wärmende klunkersuppe.
#18/21/22 wenn an manchen tagen nachmittags die sonne herauskommt, schwingen wir uns auf die räder und radeln durch pankow und umgebung. hier und da machen wir eine kleine dinkelstangenpause.
#19 passend zu seinem frühstücksbrot bereitet der liebste dem augustjungen mundgerechte häppchen zu. ♥
#2o der augustjunge liebt musik (und essen). das merkt man z.b. daran, wenn er (mit einem stück croissant in der hand) im gottesdienst sitzt und zu den liedern wippt.
#23 manche sonntage sind so ruhig und entspannt, dass noch etwas zeit bleibt ein paar seiten zu lesen bevor wir uns auf die räder schwingen und zur gemeinde fahren.
#24 einer der gründe für die reise in die westpfalz ist der 3o. geburtstag der beiden brüder, den sie mit der familie nachfeiern. es gibt sehr leckeres essen, guten wein und es ist ein tolles feierwochenende (mit doppelt so viel leuten, die zur familie gehören, als noch vor 3o jahren…).
#25 eines meiner liebsten herbstschauspiele ist der flug der kraniche gen süden. und – oh! – wie viele kranichschwärme wir in diesem jahr in der pfalz tag und nacht sehen und/oder hören können. das erwärmt mir herz und seele.

 

Verfasst von: dietauschlade | 27 Oktober 2017

nebenbei berlin [223]

Erfolg. Reichtum. Aber kein Glück. Glück du findest in einem kleinen Haus mit Ziege, Hühner und Rüben. Glück du findest mit Freunden und Singen, mit Feuer und Sonne. Mit ehrliche Beruf mit Kollegen.
(Toni Mahoni: Alles wird gut, und zwar morgen!)

Verfasst von: dietauschlade | 25 Oktober 2017

nebenbei berlin [222]

Die Großstadt würde zu einer Geisteshaltung, so Simmels amerikanischer Schüler Robert Park. Um diese Geisteshaltung zu beschreiben, nutzt Simmel Bilder, die sowohl die Erfahrungen des Zugreisens als auch des Kinobesuchs wachrufen: das schnelle Zusammendrängen sich verändernder Bilder, die abrupte Diskontinuität in ein und demselben Augenblick sowie die Plötzlichkeit der pausenlos heranstürmenden Eindrücke. (James Donald: Wo bin ich? Was ist los? Was mache ich hier? in: Delete! Die Entschriftung des öffentlichen Raums.)

…dieses zitat fiel mir ein, als ich morgens auf dem weg zur arbeit in der sBahn saß und dieses schaukelpferd ziemlich  plötzlich und unerwartet in mein blickfeld kam…

Verfasst von: dietauschlade | 18 Oktober 2017

nebenbei berlin [221]

Auf der Suche | nach etwas Schönem wie Schnee | ging ich leer aus | bis es des Wegs zu schneien begann (Elisabeth Borchers)

letzthin war ich gar nicht auf der suche nach schnee. noch nicht mal auf der suche. ich war gerade dabei unseren kompost wegzubringen. da entdeckte ich die schneeflocke. dann noch eine. und noch eine. mitten auf dem bürgersteig. zwischen herbstblättern.

Verfasst von: dietauschlade | 12 Oktober 2017

12von12

En octobre, il fait déjà froid.
Les hirondelles quittent les toits.
Les champignons se montrent du doigt.
Les feuilles mortes crissent sous les pas.
Me disent tout bas: l’automne est là!

der zwölfte tag des monats, den ich mit zwölf bildern festhalte, ist ein herbsttag wie er im gedichte steht. um kurz vor sechs stehe ich auf. so in der früh ist es noch ziemlich kalt in der wohnung und ich bin froh, dass ich das wärmende (stillfreundliche) leinennachthemd [8] trage (mit passender erster initialie), welches ich vor knapp zwei jahren bei gittas adventskalender ersteigert habe. ihre wunderbaren wollpuschen [5], mit denen sie mich vor ein paar jahren überraschte und erfreute, wärmen mich an den füßen während ich meinen ersten kaffee trinke, nachrichten und den ein oder anderen artikel lese. zwischendurch stille ich zum abschluss der nacht noch einmal den augustjungen und mache mich dann fertig und auf zum sbahnhof. mit dem fahrrad bin ich zum glück schnell dort und warte nur kurze zwei minuten [1] bis meine sbahn einfährt. nach einem umstieg in die tram komme ich um kurz nach halb acht an der schule an und dann beginnt auch schon ein ganz normaler arbeitstag. mit den kindern der zweiten klasse lerne ich obiges herbstgedicht. wir sprechen gemeinsam die verse, wir singen eine melodie dazu. die kinder können rätsel lösen und arbeitsblätter ausfüllen. oder das gedicht gemeinsam mit mir sprechen und – vers für vers – ablaufen [4]. in der sechsten klasse erstellen wir gerade lapbooks zu einem frei gewählten frankreich-thema. allen macht das arbeiten große freude (auch wenn weder meines [2] noch die lapbooks der kinder an die fabouleusen werke von sybille heranreichen!). daneben gibt es aber auch ganz alltägliche lese- und vokabelübungen, wiederholungsspiele, merktexte und viele, viele ritualisierte lieder und reime. in meiner donnerstäglichen langen mittagspause bereite ich ein paar unterrichtsstunden für die nächste woche vor, trinke (so wie immer) meinen chaitee, genieße meine käsestullen [7] und finde sogar etwas zeit, um an dem wärmenden oberteil für den augustjungen weiterzustricken [3]. irgendwann in der mitte des nachmittags ist der schultag für mich zu ende und ich mache mich auf den heimweg. zwischendurch kaufe ich noch ein paar kleinigkeiten ein und komme gegen vier bei dem liebsten und dem augustjungen zu hause an. letzterer möchte gerne gestillt werden und danach esse ich noch die reste des mittagessens, die der liebste mir gewärmt hat. auf dem esstisch liegt ein paket von franziska, über das ich mich sehr gefreut habe und dessen inhalt ich ganz wunderbar gebrauchen kann (danke ♥). nach dem gemeinsamen kaffeetrinken zu dritt bringen die beiden herren des hauses den müll runter [12], ölen das fahrradschloss und rutschen noch ein paar runden auf der rutsche hinter dem haus, während ich das bad putze. danach bekommt der augustjunge sein abendbrot und der liebste bringt ihn ins bett. ich schwinge mich nochmal auf mein fahrrad und fahre zum café eden [6]. ich bringe unseren kompost weg und treffe mich kurz mit ayumi; wir sollen andere windelüberhosen als die bisherigen mit den dycle-einlagen testen. als ich nach hause komme, duftet es schon nach eierkuchen [11]. der liebste empfängt mich mit einer süßen kostprobe und danach bereiten wir noch gemeinsam die herzhafte füllung vor. als für jede(n) drei herzhafte crêpes gerollt sind, gucken wir seit langem mal wieder ein paar serienfolgen und genießen die leckere abendmahlzeit.

Verfasst von: dietauschlade | 11 Oktober 2017

septemberFreuden [2]

»Handschuhe?«, sagt meine Nachbarin Adelheid, die die seltene Gabe besitzt, in Spruchweisheiten zu reden, »Wozu hab ich ’n Garten, wenn ich nicht in der Erde wühlen kann? Mit Handschuhen merk ich ja nischt. Merken muss man schon was!« Oder sie sagt: »Lieber dreckige Hände als ’ne dreckige Seele!« (Doris Bewernitz: Wo die Seele aufblüht. Warum ein Garten glücklich macht.)

nicht nur rot, sondern auch grün, braun, dreckig und gartenfreudig war der september. zum beispiel im schulgarten, bei dem verschiedene klassen und auch wir betreuenden lehrer*innen in der einführungswoche fleißig werkelten [1;11;14] – und uns als leckere belohnung weiße pfirsiche [4] frisch vom baum pflücken konnten. oder auf dem balkongärtchen, wo ich die ersten kleinen, wunderlich geformten mohrrüben [2;5] aus der erde zog (die der augustjunge direkt vor ort verspeiste [3]). oder am esstisch, an dem ich einen teil der gesammelten samen direkt für den adventskalender [6] verpackt habe. oder in der küche, wo der liebste und ich die per post zugesandte bohnenernte des schwiegerpapas verarbeitet haben [7]. oder am geburtstagstisch [8], den ein blumenstrauß des liebsten zierte und der so manches gartenbuch unter dem geschenkpapier bzw. feigenblatt aus dem elterlichen garten [9] bereithielt. oder in herrn ackerbaus garten [1o], in dem ich die tomatenvielfalt bewunderte während der augustjunge begeistert himbeeren naschte, mit gießkannen spielte und einem kleinen ball hinterherjagte. oder im garten des café eden, in dem wir mehrmals wöchentlich unseren kompost abliefern und wo eine einzelne quitte [12] leuchtend und duftend an dem kleinen baum hing. oder in den kleingärten pankows [13], in denen wir regelmäßig spazieren gingen und die freien september(nachmit)tage genossen.

Verfasst von: dietauschlade | 10 Oktober 2017

septemberFreuden [1]

»Alles zu seiner Zeit«, sagte Marguerite. »In Frankreich das Gemüse. Dort drüben der Reis. Man darf im Leben nicht alles auf einmal machen.« (Erik Orsenna: Gabriel II oder Was kostet die Welt)

im september hat sich unser alltag durch die erwerbsarbeit wieder (neu) strukturiert. manch regelung und aufgabenverteilung musste besprochen und geordnet werden. doch so langsam hat sich alles gut eingespielt und nun komme ich auch dazu, ihnen all die septemberfreuden zu zeigen, die hier und da den alltag bunt gefärbt haben. da war der schäfchenbewölkte himmel, den ich eines frühen morgens entdeckte als ich mit dem augustjungen in der trage brötchen holen ging [1]. ein gruß von mano landete im briefkasten und hat mich sehr entzückt (welch leuchtendes ginkoblau – danke!) [2]. von einem besuch bei herrn ackerbau kam ich reich beschenkt [3] zurück – ein bild von javier mayoral sowie ein strang alpaca-wolle (die ich an einem der ersten herbstabende gemütlich aufwickelte [1o]) landeten im kinderwagen. herzlichen dank! zur taufe eines augustjungen-compagnons fädelte ich einige faltboote auf eine schnurr und erfreute mich an den blaubunten papieren [4]. eine besonders große freude war der aufenthalt der belle-sœur (♥) bei uns, die fast zwei wochen lang den augustjungen fütterte, wickelte und bespaßte während ich arbeitete und der liebste sich von einer kleineren op erholte [5]. die radieschen und senfsaatschoten, die ich im sommer auf unserem balkon getrocknet hatte, konnte ich nun aus ihrer fast papiernen schale befreien und sammeln [6]. auch die adventskalenderproduktion ging langsam, langsam voran [7]. vielleicht schaffe ich es ja tatsächlich auch in diesem jahr ein paar (wenige) exemplare zu verschenken. (und ansonsten auf jeden fall im nächsten.) zu unserem hochzeitstag erreichte uns – treu wie jedes jahr – ein kleiner gruß [8] von der fährfrau mit ♥. spannend war auch unsere teilnahme am windelprojekt, das sich über den gesamten september erstreckte und mit einer tüte voller terra preta [9] als geschenk für die teilnehmenden familien endete. bei einem spaziergang durch pankow entdeckte die beste aller schwägerinnen einen neuen kornellkirschbaum, so dass wir eines nachmittags gemütlich und ohne uns strecken zu müssen eine milchkanne voller kleiner roter früchte ernten konnten [11], die ich am nächsten zu leuchtend roter marmelade verarbeiten konnte [12]. die ein oder andere ernterunde konnte ich auch im balkongärtchen drehen, wo sich immer noch eine tomate hier, ein mangold- oder salatblatt dort und so einige kräuterzweige fanden [13]. eine ähnlich leuchtende farbe wie die kornellkirschmarmelade hatte auch die leckere rote-bete-suppe, die der liebste gekocht hatte [14]. genau das richtige essen für den ersten herbstmonat.

Verfasst von: dietauschlade | 24 September 2017

nebenbei berlin [22o]

Denkende Menschen sind schlecht regierbar.
(Goldy Parin zit. von Ursula Rütten: Im unwegsamen Gelände. Paul Parin – Erzähltes Leben)

Verfasst von: dietauschlade | 19 September 2017

12von12

„Ich schlepp‘ mich ins Bett, die Füße schwer wie Blei.“

…sang reinhard mey vor vielen jahren und genauso ging es mir vor einer woche. denn eigentlich wollte ich abends den bericht mit den zwölf bildern vom zwölften des monats schreiben, aber dann bin ich sehr früh und sehr müde ins bett gefallen. jetzt nach dem sortieren aller gemachter bilder, verwundert mich das auch nur wenig, denn…

…der tag beginnt bereits um 5 uhr mit einem (um diese zeit) ungewöhnlich wachen augustjungen, der nach dem stillen einfach nicht mehr einschlafen und lieber ein wenig im schlafzimmer rumkruschen möchte [9]. also stehe ich auch irgendwann auf, wickle das putzmuntere kind und mache mich im badezimmer fertig (und freue mich über meinen neuen alten ring [1], den ich vor vielen jahren in paris kaufte und den mir die liebste schwägerin neulich reparieren ließ). in der küche koche ich mir einen kaffee und schmiere mir ein paar stullen [7] für meinen allerersten ‹richtigen› schultag (in der vergangenen woche fand bei uns an der schule eine vorbereitungswoche – ohne fachunterricht – statt), während der liebste und der augustjunge im wohnzimmer schon bücher lesen und bauklötze bauen. um kurz vor sieben verabschiede ich mich von den beiden und radle in richtung sbahnhof. dort winke ich dem mond [12] zu, der hoch über dem bahnhofsdach am morgenhimmel steht, und genieße dann knapp vierzig minuten fahr- und somit auch lesezeit. in der schule schnapp ich mir meine bereits letzte woche vorbereiteten materialien und unterrichte sechs schulstunden langen in neuen und alten klassen. dazwischen habe ich noch hausaufsicht und promeniere dabei durch unseren schönen altbau [11]. nach der letzten stunde fahre ich nach hause und freue mich sehr, den liebsten und den augustjungen wiederzusehen. während ersterer sich direkt daran macht, das essen zu kochen, bin ich mit letzterem in der wohnung und dem balkon unterwegs – es müssen schubladen begutachtet [6] und tannenzapfen sortiert [4] werden. dazwischen pflücke ich ein paar frische kräuter für den gemüse-nudel-eintopf und lege noch einen schwung wäsche zusammen [2]. nach dem nachmittagessen schläft der augustjunge eine runde und der liebste und ich nutzen die zeit für eine kaffeepause [3] (samt leckerer nussecken, die uns die frau schwiegermama letztens per post zukommen ließ) und ein paar minuten mittagsschlaf [8]. danach gehe ich mit dem augustjungen noch ein wenig durch pankow spazieren, entdecke immer mehr herbstzeichen [1o] und bringe ein paar dinge, die ich in letzter zeit aussortiert habe, an dem verschenkeregal hier im kiez vorbei. wieder zu hause beginnt so langsam das abend- und ins-bett-bring-programm. trotz (oder wegen?!) des frühen aufstehens schläft der augustjunge überhaupt nicht gut ein, so dass ich (die füße schwer wie blei) irgendwann im bett verschwinde, während der augustjunge noch eine halbe stunde mit dem liebsten im wohnzimmer spielt. dann stille ich ihn nochmal und gemeinsam schlafen wir ein. herrliche neun stunden bis zum nächsten morgen.

Verfasst von: dietauschlade | 11 September 2017

augustFreuden [2]

Die Zeit zog sich zusammen, sie rollte sich ein und faltete sich.
(Julia Franck: Die Mittagsfrau)

tatsächlich kam mir der august sehr lange vor. immer wieder tauchte hier noch ein moment und dort noch ein stückchen zeit auf. und in vielen kleinen zeitfalten siedelte sich manch schöne und freudige erinnerung an:

da war das auflesen und verköstigen der zimtsüßen mirabellen [1] vor dem haus der freiburg freunde. die freude des augustjungen über den anblick der schweinefamilie [2] auf dem bauernhof, sein entzücken beim nachgucken der seifenblasen [3] an seinem geburtstag, seine begeisterung, auf dem klavier zu klimpern [13] und seine ausdauer, kartoffelschalen aus der und in die schale zu befördern [8]. die frisch gepflückten brombeeren [4] bei der mamuschka und dem schrat, kaffeetrinken unterm kirschbaum [6] und frisch gebackene waffeln [18] sowie viele gemütliche eckchen [5;11;12] im und um das haus herum. am esstisch haben der dichterbruder und ich manch augenblick damit verbracht, ausgeschnittene wörter auszulegen, zu sortieren, zu suchen und endlich auch zusammenzufügen [1o]. schön war der besuch mit meinen beiden brüdern und dem augustjungen bei unseren ersatzgroßeltern [19], die auch mit anfang/mitte neunzig noch fröhlich und fidel zusammenleben. sehr genossen habe ich die lesemomente auf der rückfahrt nach berlin [2o] und während eines besuchs (ganz allein) unseres lieblingsrestaurants [16] vor einer verabredung in mitte. da war die sommerpost von lisa [7] und taija [9] bei unserer rückkehr und einige tage später die nachricht, dass meine dritte nichte geboren wurde (juchhu, noch ein augustkind in der familie). überrascht haben mich zwei übersehene buschbohnenschoten [14], die nun den grundstock für die aussaat im nächsten frühjahr bilden. und dann waren da noch die drei zucchinis [16], die jemand zum verschenken auf einer winterstreukiste am straßenrand deponiert hatte (und von denen eine im kinderwagen landete und vom liebsten zu einem köstlichen mittagessen verarbeitet wurde). außerdem habe ich viele wunderbare momente mit dem augustjungen auf dem balkon verbracht und so einige von ömchens walderdbeeren [15] gepflückt (nur diese paar früchte sind auf dem tellerchen gelandet – die allermeisten wurden an ort und stelle verspeist).

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