Verfasst von: dietauschlade | 8 März 2012

landLeben

(…) Alles das, was man »Landleben« nennt: Die Jahreszeiten neu kennenlernen. Die Veränderung einer Landschaft, ihrer Farbschattierungen, an denen ich mich nicht satt sehen kann; einzelne genau beobachtete Pflanzen im Wechsel der Jahreszeiten (meine beiden Eichen, die ich ganz persönlich nehme, oder den Apfelbaum vor dem Fenster, an dem ich mit meiner Maschine sitze). Die Wetter und Unwetter, die einen direkt betreffen, die Winde, die man auf der Haut spürt, die verschiedenen Arten von Luft. Materialien, zu denen man allmählich eine Beziehung bekommt: Rohr, Stein, Holz, Sand, Erde. Die mit nichts zu vergleichende Freude, wenn ein Baum, ein Strauch wächst, die man selber gepflanzt hat. Das Interesse daran, daß Landschaft erhalten bleibt, nicht zerstört wird. Die Nähe zu der Erzeugung der Nahrungsmittel. Ob die schwere Technik nicht mit der Zeit den Boden kaputtmacht, ob nicht vieles durch Nachlässigkeit vergeudet und vernichtet wird.
(Christa Wolf: Ein Tag im Jahr)

mit dem großen kleinen bruder, der während der acht tage in der großen, dreckigen, für manche recht hässlichen und überlaufenen stadt war, habe ich am letzten samstag eine kleine erfrischende landpartie gemacht. mitten im südwesten berlins liegt die domäne dahlem, mit der wohl einzigen uBahn-fachwerk-station. auf dem anwesen selbst (mit imposantem gutshof) lassen sich neben insektenbehausungen und getrocknete sonnenblumen im hühnerstall noch viele andere schöne seiten des landlebens entdecken.

im museum des anwesens kann man in aller ruhe eine alte ‚berliner küche‘ samt inventar, geräte aus ehemaligen fleischereien, ein laboratorium von vor hundert jahren, teile eines gottesdienstraumes oder auch (mein persönliches highlight) einen kaufmannsladen aus den 192oer jahren bestaunen.


auf dem anwesen selbst kann man gemütlich über feldwege spazieren, tiere beobachten oder auf dem samstäglichen markt (oder im hofeigenen biolädchen) ein frisches brötchen, etwas käse, eine knolle kohlrabi sowie eine flasche natursaft erstehen und diese ganzen köstlichkeiten auf einer bank in der wärmenden frühlingssonne genießen. mitten in der großen stadt – in völliger ruhe.

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Responses

  1. sooo schön und verheißungsvoll! ich sehe schon, ich muss wirklich dringend kommen. :-) ganz spontan: seid ihr ostern in b?

    • da sind wir leider schon völlig ausgebucht – sowohl in der woche davor als auch in der woche danach :o(

  2. So und jetzt hab ich beschlossen, dass wir da auch mal hin müssen. Der Sohn ist ein „Landkind“, der wird es lieben!!!
    Danke für den Tipp!

    • …nehmen sie ein paar Münzen mit – da stehen auch so ‚kaugummi-automaten‘ herum, bei denen man sich körnerfutter für das federvieh ziehen kann :o)

  3. Ach ja, und das Buch von Christa Wolf hab ich mir aufgrund ihrer ausgewählten Zitate auch schon zugelegt. Hier kommt man auf Ideen…;o)!

    • das buch finde ich an sich ja schon sehr grandios – besonders spannend wird es bei den beschreibungen der letzten paar jahre, in denen c.w. in pankow wohnt (tatsächlich ‚umme ecke‘) und beispielsweise berichtet, dass sie den geburtstag ihrer tochter im café canapé feiern wollen…

      • Cafe Canapé – kannte ich noch gar nicht. Waren sie schon da?
        Ach, es gibt ja genügend Gelegenheiten, so oft wie ich in dieser Gegend bin, dem statten wir zeitnah einen Besuch ab!

      • ich war da einmal – allerdings zu einer blöden uhrzeit, als nicht wirklich was los war… es ist nett (wobei es nicht an das café rosenrot herankommt ;o))

  4. … ich muss mir auch immer wieder das Bild von dem Kaufmannsladen ansehen…

    … es kommen Kindheitserinnerungen an die letzten Tante-Emma-Läden auf…

    … hätte ich damals gewusst, dass die Tante-Emma-Läden kurz vor dem Aussterben standen, hätte ich, liebe Frau Behle, all meinen Mut und mein Englisch zusammengenommen, ein Schild geschrieben mit der Aufschrift:
    „think global – act local“
    … und mich vor ihre Türe gestellt…

    Danke für ihre Freundlichkeit und ihren Respekt gegenüber jedem kleinen und großen Kunden
    danke für das Verpacken der Lakritze und Bonbons in ihren spitzen Papiertüten
    danke für die Extrawurst und das Langneseeis am Stil
    danke für ihr Nachfragen wie es geht

    Schuster’s Mädchen

  5. […] not afraid of anythingschlenderten wir noch ein wenig im wunderbar grünen dahlem umher. in der domäne beobachteten wir kühe, truthähne, hühner und schweine, ich erfreute mich an dem rostfarbenen […]

  6. […] ein lesend und schlafend verbrachter nachmittag oder der ausflug nach dahlem. dieses mal nicht im frühling, sondern im spätsommer mit einem spaziergang um die erntereifen felder. […]


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