Verfasst von: dietauschlade | 3 September 2012

ursprünge

Irgendwo habe ich kürzlich einen Indianerspruch gelesen, der hieß: »Bevor du über einen Menschen urteilst, gehe drei Monde lang in seinen Mokassins.« Er hat mir so gut gefallen, daß ich ihn auf den Notizblock am Telefon geschrieben habe, um ihn nicht zu vergessen. Von außen gesehen, wirken viele Leben falsch, irrational, verrückt. Solange man außerhalb steht, ist es leicht, die Menschen, ihre Beziehungen mißzuverstehen. Nur von innen heraus, wenn man drei Monde lang in ihre Mokassins schlüpft, kann man die Gründe, die Empfindungen, all das, was eine Person eher auf die eine als auf die andere Weise handeln läßt, verstehen. Verständnis erwächst aus Demut, nicht aus dem Stolz zu wissen. Wer weiß, ob du meine Pantoffeln anziehen wirst, nachdem du diese Geschichte gelesen hast? Ich hoffe es, ich hoffe, daß du lange von einem Zimmer ins andere schlurfen wirst, daß du mehrmals den Rundgang durch den Garten machen wirst, vom Nußbaum zum Kirschbaum, vom Kirschbaum zur Rose, von der Rose zu den häßlichen schwarzen Pinien hinten am Rand der Wiese. Ich hoffe es, nicht weil ich um dein Mitleid betteln oder nach dem Tod von dir freigesprochen werden möchte, sondern weil es für dich, für deine Zukunft notwendig ist. Zu verstehen, wo man herkommt, was hinter uns liegt, ist der erste Schritt, um ohne Lügen vorwärts gehen zu können. (Susanna Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich trägt)

wenn ich an meine damalsOma denke, dann sehe ich eine frau in ihrer wohnung inmitten einer industriestadt, zwischen autobahn und fußballstadion, die in der natur und den weiten ostpreußens aufwuchs und diese – so denke ich es mir – wohl mehr vermisst, als alles was sie auf der flucht hinter sich lassen musste, weil es nicht mehr in den schweren koffer passte. ich sehe jedoch auch die frau, die sich ihrem schicksal nicht ergab, sondern – lange bevor irgendjemand von urban gardening sprach – auf allen fensterbänken in großen blumenkästen ihre walderdbeeren anpflanzte, hegte, pflegte und wenn nötig auch mit ihnen umzog. || meine heuteOma hat endlich ihren eigenen kleinen garten, in dem sie an sommerabenden gießen, hier ein blättchen zupfen, an einer rose riechen und dort noch einen blumenkübel umstellen kann. auch die walderdbeeren – in eimern & kästen – finden sich an allen ecken und enden. heute wie damals pflückt sie die reifen früchte und verteilt sie mit vollen händen und großem herzen an kinder, enkel und urenkel, die bei ihr und ihrer tochter zu besuch sind.

seit diesem sommer blühen einige ableger nun auch in berlin.

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Responses

  1. Schön, dass meine Walderdbeeren jetzt auch in Berlin wachsen…

    …Es ist doch noch gar nicht lange her, wo ich der kleinen Mirjam Erdbeeren abgepflückt habe. Wie die Zeit vergeht.

    Wird das Mariellchen am 20. September schon 30!!!

  2. Ja, das wird sie wohl… Herzlichen Dank für Deinen Kommentar, liebes Ömchen!

  3. […] hab Dank für so viele schöne Erinnerungen, Briefe, Fotos, Kommentare, Prägungen, Handlungsmuster, die sich von Generation zu Generation fortgesetzt haben, Deine […]

  4. […] die ich vor ein paar Wochen gepflanzt habe (ganz wie meine Mutter). Nicht zuletzt bewunderten wir Ömchens Erdbeerpflänzchen, die wunderbar wachsen und an denen die ersten zarten Blüten sprießen. Da solch ein spontanes […]

  5. […] wir uns an Weihnachten von Dir verabschieden mussten, konnte ich heute die erste Deiner Walderdbeeren (die problemlos den langen und strengen Winter überlebten) pflücken und direkt an den liebsten […]

  6. […] frühlingsbeginn habe ich das gartenjahr2o14 für eröffnet erklärt. dazu gehört: ömchens erdbeerpflanzen (5) entlauben und mich am ersten grün erfreuen. mit der pflanzenanzucht beginnen: verschiedene […]

  7. […] zwei herrschaften, die mich auf meinem weg zum kiezladen grüßen. oder (beispielsweise wenn ich in ömchens eimer tomaten- und paprikapflanzen durch pankow zur sympathischen und gastfreundlichen […]

  8. […] * die balkonfugen von gräsern und unkraut befreien, * das wuchernde moos in den blumen- und walderdbeerkästen entfernen, * mehrere eimer grünabfälle die treppen runter (und später wieder hoch) zum […]

  9. […] waren die ersten blüten an ömchens erdbeeren [1]. die wassertropfen, die sich wie eine perlenkette um das gurkenblatt legten [3]. der zitronig […]

  10. […] der dienstlich in berlin weilte und den wir mit einem kleinen zitrone-mohn-kuchen begrüßten [6]. ömchens walderdbeeren, die sich rot färbten [7]. die kleine, feine ausstellung [8; 9] in den nordischen botschaften, die […]


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