Verfasst von: dietauschlade | 23 Januar 2013

nebenbei berlin [5o] oder?

In diesem Moment begriff er, daß niemand den Verstand benutzen wollte. Menschen wollten Ruhe. Sie wollten essen und schlafen, und sie wollten, daß man nett zu ihnen war. Denken wollten sie nicht. (Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt)

oder[klick!]

»But, Wally, don’t you see that comfort can be dangerous? I mean, you like to be comfortable and I like to be comfortable too, but comfort can lull you into a dangerous tranquility.« (Andre Gregory in ‹My Dinner with Andre›; zitiert von Jenna Sutela in: apartamento #o5)

(…) keine Demokratie der Menschenrechte, sondern eine Demokratie, die den Besitz und den Konsum schütze. Den Überkonsum inzwischen – der werde benötigt, um das Räderwerk der Ökonomie am Laufen zu halten. Dafür müsse man massenhaft falsche Bedürfnisse unterstüzen oder wecken: Freie Fahrt für freie Bürger!, praktisch ein Werbespruch für Mercedes als Wahlspruch für die Freiheit überhaupt. (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr)

For a life to have any character or identity, one has to act upon one’s beliefs. This is an inalienable aspect of life. It is not a choice, but a necessity. (Ai Weiwei in: apartamento #1o)

Mein Vöglein, die ganze Kulturgeschichte der Menschheit, die nach bescheidenen Schätzungen einige zwanzig Jahrtausende dauert, basiert auf der „Entscheidung von Menschen über andere Menschen“, was in den materiellen Lebensbedingungen tiefe Wurzeln hat. (Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis)

Wenn wir, die DDR-Leute, der Versuchung widerstünden, uns nur an der Gesellschafts- und Wirtschaftsform der Bundesrepublik zu orientieren und dieselben Fehler zu wiederholen, die sie gemacht hätten: Profit und Effizienz als einzige Kriterien der Wirtschaft aufzurichten. (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr)

»Fragt erst bei dem gewichtigen Wort ›Vaterlandsliebe‹, was an eurem Land geliebt wird. Trösten die heiligen Güter der Nation die Besitzlosen? Tröstet die ›Heilige Heimaterde‹ die Landlosen?« (Anna Seghers, zitiert von Christa Wolf: Rede, daß ich dich sehe)

Ich möchte glauben, daß bisher noch keine Regierung ein Land in der menschenfreundlichen Absicht in Besitz genommen hat, das Volk zu beglücken – die einzige Frage war und ist stets: ›Welchen Nutzen kann man aus diesem Land, aus seinen Bewohnern ziehen?‹ (Ida Pfeiffer, in: Die Reisen der Frauen)

Aber es war ein Irrtum. Nicht ich, meine Schüler hatten Recht. Ich bin der Idiot, und alles, was von dem Gedanken eines Gemeinwesens und eines Beamten übriggeblieben ist, von der Idee des Staates, das ist der Übermut der Ämter. (Christoph Hein: In seiner frühen Kindheit ein Garten)

Welchen Irrtümern erliegen wir in unserer nicht weniger umkämpften Zeit heute? Welche Wahrheiten blenden wir aus? Gegen welche als bedrohlich erkannten Entwicklungen müssten wir unsere Stimme laut erheben? (Reinhart Müller: Wie Gott zum Deutschen wurde)

Aber es gibt Dinge, die man tun muss, sonst ist man kein Mensch, sondern nur ein Häuflein Dreck… (Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz)

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Responses

  1. Tja, was tun…? Ich hab hier unterschrieben:
    http://www.right2water.eu/de

  2. JA ! ja! Aber welche Hebel haben wir? Und wo können wir sie ansetzen? Ich denke immer, jeder bei dem ihn Umgebenden. Aber haben wir die Zeit? Und ist der um sich greifende Rückzug ins Heimelige und Private und Heimische und Landlustige und tümelnd- Regionale nicht auch biedermeierlig- unheimlich? Tappen wir da grad in eine Wohlfühl-Falle? Und wenn es so ist, was ich fürchte, wie erheben wir unsere Stimmen laut und wirksam?
    schöne Grüße und Dank für Deine tolle Zitatesammlung!
    Lisa

    • Danke für die denkAnregenden Fragen!
      Ich habe mal folgendes Zitat bei Christa Wolf (Nachdenken über Christa T.) gelesen, dass mich ermutigt, mich immer wieder aus dieser Wohlfühl-Falle loszureißen – auch wenn es unangenehme oder schlimme Folgen haben kann:

      „Damals fürchtete ich den Preis, den ich bei mir selbst vielleicht „Unglück“ nannte, ohne in Betracht zu ziehen, daß Unglück ein angemessener Preis sein kann für die Verweigerung der Zustimmung.“

  3. … die erste, wichtigste und vielleicht auch lauteste Stimme ist die des Vorbilds! Die eigenen Überzeugungen umsetzen und durchhalten! Dann:
    demonstrieren, unterschreiben, für andere Eintreten …

    • Ich stimme Dir aus vollem Herzen zu, lieber Orangenmann*!

      *Ich liebe Männer, die Orangen schälen. Orangenschälen hat etwas Sorgfältiges, es ist Ausdruck für Geduld und Fürsorge. Man zeigt damit Liebe im Kleinen, man gibt, ohne etwas dafür zu bekommen, denn das Einzige, was man bekommt, ist Spritzmittel an den Händen. Ein wahrer, prestigeloser Liebesbeweis, der in vielerlei Hinsicht der Männerrolle widerspricht. Aus dem gleichen Grund liebe ich Männer, die eine Lunchbox dabeihaben und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder zu Fuß gehe, anstatt das Auto zu nehmen. (Maria Sveland: Bitterfotze)


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