Verfasst von: dietauschlade | 8 Juni 2013

HOS OSS

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Und als er dann die Tür einen Spalt breit aufgetan hatte, da hatte er gesehen, dass es die Hausmutter war, die sang, während sie am Tisch saß und Hosen flickte. Komm rein, hatte sie gesagt und ihr Singen fortgesetzt, als wäre es etwas ganz Alltägliches. Und sie hatte ihn gefragt, nach seinem Zuhause, nach seinem Beruf, und dabei ihr Lied immer weitergesungen; die Rede und das Lied wechselten einander so zwanglos ab, dass etwas Neues daraus wurde, etwas, das ihn plötzlich ganz wehrlos machte; (…). (Johannes Lindhorst: Jauchzet Frohlocket, 79)

am schwedischen nationalfeiertag hatte ich das große vergnügen der kammeroper hos oss beizuwohnen. durch einen gastgeber vor der haustür in empfang genommen und dann von zimmer zu zimmer geführt, konnten die 1o(!) zuschauerinnen und zuschauer in einer schöneberger altbauwohnung sowie (ein stockwerk höher) in einer praxis für chinesische medizin fünf voneinander unabhängigen szenen beiwohnen. diese zeigten menschen in ihren alltagsräumen, die im musikalischen zwie- oder selbstgespräch ihre fragen, sorgen, ängste, hoffnungen und wünsche äußerten. auch wenn manche passagen vollständig auf schwedisch verfasst waren, schafften es das schauspiel und der gesang (variierend unterstützt durch ein keyboard, elektroakustische musik vom band, einen flügel, durch einen chor, eine gitarre oder streichinstrumente im nebenraum, die man lediglich durch die geöffnete tür hören konnte), das thema des moments eindrucksvoll zu vermitteln. besonders berührt hat mich an diesem frühen abend die szene Mutter und Tochter. Eine von ihnen ist gestorben, aber wer?. im vorfeld wurde uns der titel und ein abschnitt aus dem libretto vorgelesen (Manchmal seh ich dich | In der Menge | Eine, die dir ähnelt. | Ich seh dich auf der Straße | deinen Rücken. | Aus der Ferne deinen dunklen Zopf | den Mantel, den du von mir hast | Nun gehst du um die Ecke und bist fort | Eine, die dir ähnelt.) und dann konnte man die sehnsucht der beiden frauen und gleichzeitig den versuch, unabhängig einen nun veränderten alltag zu meistern, erleben und mitfühlen. in herrliche musik gefasst.

sollten sie heute noch nichts vor haben – versuchen sie noch an karten zu kommen. es lohnt sich!

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Responses

  1. […] war grandios, die stimmung famos und der ukulelegurt einen hingucker wert. wohnzimmerkonzerte sind eben […]

  2. […] viele solcher möglichkeiten, die ich völlig unbefangen (!) nutze: raubzüge, wohnzimmerkonzerte, opernaufführungen in wohnungen oder performative […]


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