Verfasst von: dietauschlade | 25 Oktober 2013

spreeFahrt

spreefahrt_ziegelRot

Ein Bild der neuen großen Stadt kann keinesfalls mehr von einem Besucher oder einem Mitbürger genossen werden, der an irgendeiner Stelle still steht, sondern es entwickelt sich vor allem aus weitgespannter, ungehinderter Bewegung (…). (Richard Neutra)

spreefahrt_rostFarben

ich habe die große stadt (bzw. teile! derselben) bereits zu fuß, mit dem fahrrad, per tram und bus sowie als u|sBahn-passagierin erkundet. jede diese fortbewegungsarten hat ihren eigenen reiz. mit der sBahn lerne ich die natürlich verwilderten stellen der großstadt kennen. orte, an denen sich büsche, bäume und gräser ausgebreitet haben. zwischen den schienen, unter brücken, an böschungen, auf den ungenutzen flächen, die bis zur ersten häuserzeile reichen und auf leerstellen zwischen etwas weiter entfernten stadtteilen. die uBahn präsentiert mir manch karg erleuchteten tunnel, gewährt hin und wieder einen blick von oben auf das straßengetümmel und führt vor allem die vielfalt der bewohner|innen der hauptstadt vor augen. nehme ich bus oder tram, bin ich inmitten des regen straßenverkehrs – mit dem vorteil, diesen in keinster weise beachten zu müssen. ich widme mich hauswänden, ladengeschäften, mauern und straßenschildern, die von illustrationen, plakatierungen oder inschriften manch eines straßenkünstlers | einer straßenkünstlerin geziert (oder gezeichnet…) werden. mit dem fahrrad kann ich auf schnellste weise kieze, wohngebiete oder wege erkunden. ich muss mich nicht an festgelegten routen orientieren, kann einfach der nase nach (in so manch unbekannte straße oder verheißungsvolle gasse fernab des offiziellen verkehrs fahren) und halten wann bzw. wo ich möchte. mit dem vélo wird die stadt plötzlich kleiner, vernetzter, überschaubarer. doch am liebsten bin ich zu fuß unterwegs. in meinem tempo. mit genügend zeit zu entdecken, stehenzubleiben, den photoapparat zu zücken oder gedanklich ein bild zu machen. beim laufen erschließen sich die oft versteckten schönen details berlins. schattenspiele auf kahlen wänden. die miniatur inmitten von schmierereien. liebeserklärungen an (mit)menschen. eine blume oder ein kleinod in der straßenrille. muster und farbtupfer im alltagsgrau.

spreefahrt_grauBauten

am vergangenen samstag hatte ich überraschend die möglichkeit, einen ganz neuen blick auf die stadt zu werfen: vom wasser aus. mit einem amsterdamer grachtenboot schipperten wir bei schönstem herbstwetter über die spree. durch charlottenburg, moabit bis hin zum regierungsviertel in mitte. es war interessant, eine seite der stadt kennenzulernen,  die fast statischen repräsentationscharakter besitzt. einmal gebaut oder angelegt, scheinen brücken, kaimauern, gebäudefassaden und uferwiesen unverändert stehenzubleiben (natürliche witterungsprozesse und lichtwandlungen ausgenommen: oh, herrliche rostfarbe (8|9|1o|11|12), wunderbare schattenbilder (17|28|29|31)). die bilder und eindrücke, die ich mitnehme, sind geometrischer natur: graue quadrate auf rotem grund (2), rote flächen (5), rechtecke in langen reihen (7|18|24|26|27), kreise auf quadratischen spiegeln (13), dreiecke (16), fensterreihen, als graue ornamente (14|16), bogenreihen (19), parallelen (9|21) und rechte winkel (29).

spreefahrt_graueMauern

doch wenn man genau hinschaut (was bei dem zügigen tempo mitunter gar nicht so einfach ist; siehe photoqualität) entdeckt man hier und da veränderungen, kunstwerke oder unbeabsichtige spuren, die menschen und tiere doch hinterlassen haben: der grill auf der kaimauer (1), die frustrierte dame auf der brücke neben fröhlicher katze (3), das konzentrierte (?) gesicht am pfeiler (3|11), der schriftzug die gedanken sind frei am rande des hausdachs (6), der autoreifen an den bauabsperrungen (8), das gewusel der baurohre (10|12), die möwenschatten auf grauer wand (17|31), das gebirge auf der brückenwand (2o) oder die nachrichten an die reisenden auf dem wasser (21|22).

spreefahrt_gelb

jetzt fehlt mir nur noch ein flug über die stadt. mit einer kleinen propellermaschine.

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Responses

  1. Jou, das wünsche ich Dir, der nächste Geburtstag kommt bestimmt!

  2. Ja, hoffentlich :o)
    (Ganz oft sehe ich morgens auf dem Weg zur Arbeit eine rote Maschine, die ihre weiten Kreise zieht. Zuerst von der sBahn aus und dann noch beim Warten auf die Tram. Das freut mich jedes Mal.)

  3. […] knapp zwei jahren schrieb ich darüber, auf welchen wegen ich berlin bereits erkundet habe. der schrat las dies und dachte sich, dass es […]


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