Verfasst von: dietauschlade | 11 November 2013

Sankt Martin

laterne

(…) ein erschütternder Kontrast, ein trostloses Bild dessen, was die Menschheit in Tausenden von Jahren erreichen und nicht erreichen konnte: den Gipfel ewiger Kunstwerke, aber nicht einmal Brot genug für jeden ihrer Brüder. (Erich Maria Remarque: Drei Kameraden)

(…) Diese Auffassung konnte leicht aufkommen, als das Wort »Profit« aufhörte, »Gewinn für die Seele« zu bedeuten (wie in der Bibel und auch noch bei Spinoza), und statt dessen materiellen, finanziellen Gewinn bezeichnete. Dies geschah in jener Epoche, als das Bürgertum nicht nur seine politischen Fesseln abwarf, sondern auch alle Bande der Liebe und Solidarität, und zu glauben begann, wer nur für sich selbst sei, sei mehr er selbst, nicht weniger. (Erich Fromm: Haben oder Sein)

Die beiden Tanten Rebecca und Catherine trinken ihren Tee seit Jahren ohne Zucker, um auf diese Weise gegen die Ausbeutung der Menschen in den Kolonien zu protestieren. Isabella wird schon früh klar gemacht, daß sie ein privilegiertes Leben führt, das sie um so mehr zu einem bescheidenen Auftreten und einer christlichen Lebensweise verpflichtet. (Magdalena Köster über Isabella Bird)

»Ich finde es gut, dass du ihr das Salz gegeben hast«, sagte Dragan, und er meint es ernst. »Ich hab’s nicht gebraucht. Sie hätte mir die Kirschen ja auch nicht geben müssen.« Emina zuckt die Achseln. »Sollten wir uns nicht immer so verhalten? Waren wir früher nicht so?« »Ich weiß es nicht«, sagt Dragan. (Steven Galloway: Der Cellist von Sarajevo)

Das Teilen ist eine Sache des Vertrauens. Ich habe immer viel verschenkt und immer viel zurückbekommen. Wenn du niemandem vertraust, dann hamsterst du und hältst an deinem Besitz fest. (Mary Bauermeister in: FROH! #7 Luxus)

»Man muß viele kleine Glücksfeuer anzünden, das macht diese verfluchte Welt ein wenig heller. Wir können dann besser leben«, sagte Staszek. (Janosch: Polski Blues)


denke: reichtum* verpflichtet.

*an geld, gütern, zeit, kreativität, raum, platz, humor, frieden, freude, handwerklichem geschick, geduld, nahrungsmitteln, gedanken, ideen, musik, erfahrungen, mobilität, kontakten, mut, vertrauen.

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Responses

  1. glücksfeuer – wunderbar!
    ich zünde sie heute an.
    liebe grüße!

  2. Etwas anregen, etwas bewegen – das kannst Du auf wunderbare Weise, Mirjam! Danke für die Gedanken, die Du mit uns teilst.
    Einen schönen Tag wünscht Dir
    Erika

  3. Und eine so schöne, zauberhafte Laterne!
    Unsere waren denkbar schlichter, aber leuchteten auch ganz wunderschön im Schloßpark!

    Liebe Grüße
    j.

  4. St Martin heute- grade sah ich den Abgeordneten der Phillipinen auf der Weltklimakonferenz im Fernsehen, wie er ankündigte, solange keine Nahrung zu sich zu nehmen, bis in Warschau auf der Konferenz endlich entscheidende Beschlüsse gefasst würden. Mein spontaner Gedanke: hunderttausende, Millionen machen mit. Zwingen unsere Regierungen , endlich zu handeln.
    Wie macht man sowas ?wie entfacht man einen Sturm der Solidarität?
    Wie können wir unsere Kirchen zwingen, das Steuergeld nicht für Paläste, sondern z.B. für Helikopter nach Manila auszugeben??
    Ich schäme mich so: Deutschland gibt 500 000 € Soforthilfe.
    Liebe Mirjam, was können wir nur tun??
    Der Bettler am Feuer sind so viele.

  5. Herzlichen Dank, meine Damen für Eure Grüße, Worte und wichtigen Gedanken, die mich derzeit immer noch durch die Tage begleiten und bewegen… Gerade Deine letzte Frage, liebe Lisa, treibt mich um…

  6. […] Adernetz. Essays und Reden, 2oo6), verknüpfe ihre worte gedanklich mit vielen anderen gesammelten schätzen, mit früher geschriebenem und überlege, was ich konkret machen kann, um Kräfte gegen […]


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