Verfasst von: dietauschlade | 25 Januar 2014

dornröschen

dornröschen

dürfte oder könnte ich dornröschen neu inszenieren. ich würde das märchen hier stattfinden lassen!

doch vielleicht wäre dornröschen gar keine prinzessin, zu einem hundertjährigen schlaf gezwungen. sondern eine gruppe menschen in selbstgewählter lethargie, die sich mit ihrem besitz eingeschlossen und ihr territorial mit zaun samt natodraht abgeriegelt hat. in eine dauerhafte festung gesetzt, um eindringlinge abzuwehren (denn wer garantiert, dass es prinzen und prinzessinen sind? wer sichert zu, dass sie nicht alles wegnehmen und an sich reißen und nicht teilen wollen? wer kann schon sagen, ob diese personen ihre eigenen schätze [an erfahrungen, an wissen, an gedanken, an kindern, an kunst, an religion, an weisheit] mitbringen?). und während sich die menschen in ihrer festung um sich selbst drehen, erreichen immer neue  lumpenprinzen und lumpenprinzessinen den zaun. manche kehren enttäuscht um, doch viele versuchen ihr glück. und  bleiben im draht hängen. die erfolgreichen kommen erschöpft, verletzt und einsam in der festung an. keine rosen blühen für sie auf. keine lebensgeister (in der überalternden festungsgemeinschaft) lassen sich wecken. der torwächter (blind für die kostbarkeiten, die sich unter den lumpen verbergen) weist ihnen eine kalte ecke im modrigen keller zu: mehr platz haben wir nicht und kehrt zurück in seine großzügig geschnittenen gemächer. und das märchen endet wie jedes märchen: und wenn sie nicht gestorben sind… ach, das sind sie ja.

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Responses

  1. wunderbar.
    der Ort, die Bilder, der Text.
    du s o l l t e s t es wirklich neu inszenieren! :)

    • vielleicht irgendwann mal :o)
      wenn ich zeit & gelegenheit habe
      (und ein bißchen erfahrung wäre wohl auch nicht schlecht…)

  2. magnifique. ma soeur je t’aime

  3. Wunderbar. Danke!

    • da kamen die gedanken tatsächlich einfach so beim schreiben…

  4. märchen erzählen

    weisheiten & wahrheiten
    wunderbares & erschreckendes
    gegenwärtiges & zukünftiges

    märchen decken auf
    märchen bringen ans licht

    lumpenprinzessinnen und lumpenprinzen geben nicht auf

    danke!

    • wunderbar poetisch zusammengefasst, mamuschka.

  5. Vielleicht werden die da kommen dereinst die einzige Rettung sein für die Satten. Die Einzigen, die noch da sein werden für sie. Die Einzigen, die noch in der Lage sind, das Leben wachzuküssen. Weil sie seinen Wert noch und seine Not-Wendigkeiten erkennen…

    • Ja! Gerade zu Deinem letzten Gedanken fällt mir folgendes Zitat von Monika Maron (Ach Glück) ein:

      Wahrscheinlich hatte Elli recht; für einen, der um sein Leben kämpfen muss, besteht der Sinn des Lebens im Überleben, für den ist jeder gewonnene Tag ein Triumph. (…) Den meisten von uns aber drohen nur noch Krankheiten und Alterstod, was dazu führt, dass sich unser, wie Elli behauptet, auf Gefahrenabwehr programmiertes, aber in unserem europäischen Alltag in dieser Hinsicht unterfordertes und gelangweiltes Gehirn unausgesetzt mit dem Aufspüren drohender Krankheiten, Krankheitserreger, -überträger und -vorboten und mit dem Entwerfen lückenloser Schlachtordnungen zu deren Vernichtung beschäftigt.

  6. […] brauchten Mauern, um sich vor den Andersartigen zu schützen. Einmal errichteten sie Mauern, damit die anderen nicht hereinkommen konnten; andere Male zogen sie Mauern hoch, damit niemand von drinnen hinaus konnte, und man redete den […]

  7. […] 2oo6), verknüpfe ihre worte gedanklich mit vielen anderen gesammelten schätzen, mit früher geschriebenem und überlege, was ich konkret machen kann, um Kräfte gegen Resignation und Lähmung zu wecken und […]

  8. […] soll, dass Mauern den Blick versperren und misstrauisch machen, sodass man auf der anderen Seite die Bedrohung, das Böse vermutet. Darum sind die Wände bei uns beweglich und durchsichtig, zumindest […]

  9. […] ich fast täglich, wie die rummelsburger bucht [9;12] und den ehemaligen maschinenbauhandel neben dornröschens (nun abgerissenem) schloss [8]. und das heizkraftwerk [9] ist sogar bei nebenbei berlin verewigt. […]


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