Verfasst von: dietauschlade | 29 Mai 2014

Collage: Zufriedenes Lied

Zufriedenenes Lied_klein

»Ich fühle mich so glücklich um die Füße«, sagte er, wenn er zusah, wie der Lehmmatsch zwischen den Zehen hervorquoll. »Überhaupt bin ich glücklich am ganzen Körper.« Oskar lachte: »Ja, ’s ist wohl’n schönes Gefühl, wenn man ’n ganzen Hof mit Pferden und Kühen und dem ganzen Krempel losgeworden ist.« Rasmus platschte zufrieden durch die nächste Pfütze. »Weißt du, was ich gedacht hab, Oskar?« »Nee, wird ja aber wohl was Kluges und Gescheites sein, kann ich mir denken.« »Ich hab gedacht, wenn man so auf der Walze ist, dann gehört einem eigentlich alles, was man sieht.«»Ja, in dem Fall haste keinen schlechten Tausch gemacht«, sagte Oskar. »Nicht, falls dir das alles hier gehört«, sagte er und zeigte über die Landschaft, die wie frisch gewaschen im Morgenlicht dalag. (…) Sie wanderten weiter. Und Rasmus wanderte und war Besitzer aller grünen Weiden und aller grünen Wiesen und aller blanken Gewässer, die er sah. Da war es ganz einerlei, ob man ein Haus hatte. (…) »Jetzt gehen wir durch den Stensätrawald«, sagte Oskar. »Alle diese Bäume hätten richtig im Ernst deine werden können.« »Aber ich wollte lieber bei dir bleiben«, sagte Rasmus und sah Oskar liebevoll an. Oskar sah auf ihn nieder, wie er dahinging, barfuß und von Mücken zerstochen und mager und langhaarig und vergnügt, in geflickten Lodenhosen und einem blau gestreiften Hemd, das längst schon hätte gewaschen werden müssen, ein Landstreicher vom Scheitel bis zur Sohle. Da sagte Oskar: »Ich will dir mal was sagen: Ich will auch bei dir bleiben.«
(Astrid Lindgren: Rasmus und der Landstreicher)

Liebster Schrat,
genau wie Rasmus auf der Walz, fühlten sich vier Kinder eine ganze Kindheit hindurch (und darüber hinaus) glücklich um die Füße. Wir hatten (und haben) Eltern, die sich verstehen und von Herzen mögen.  Wir haben gelernt, mit offenen Augen durch die Welt zu wandern (oder im Segelflugzeug darüber zu schweben) und dabei die einfachen Dinge wahrzunehmen und zu genießen: eine grüne Almwiese, ein Hang voller Blaubeeren, Kaffee- oder Teetrinken unter dem blühenden Kirschbaum, der Flug der Schwalben, die Formationen der Zugvögel oder die große Amboßwolke über dem Meer. Von Anfang an hattest Du ein Lied auf den Lippen und wir in den Ohren. Und dann (an Klavier, Flöte, Schlagzeug, Saxophon, Bass, Gitarre) gewissermaßen in den Händen. Überhaupt haben wir alle die Erfahrung gemacht, dass Handarbeit ziemlich (und am ganzen Körper) glücklich machen kann – sei es ein eigenes Regal zu bauen, einen Seemannsknoten zu binden, einen Reifen zu flicken, eine Holzfigur zu feilen, Spritzgebäck zu formen, frisches Eis zu rühren oder ein Blech mit süßer, klebriger Masse in Sahnebonbons zu schneiden. Ihr habt uns gezeigt, dass Zufriedenheit so viel mehr wert ist als Hab und Gut. Und dass es das Wichtigste ist, dass wir uns verstehen. Wenn Du an einem Abend im Juli also die Zeilen

We don’t need it | We can do without it | We’re gonna make it | No doubt about it | We’re gonna stick together | Make it better | We don’t need it | All we need is you.

hörst, kannst Du sicher sein, dass vier große Zehen (gedanklich) mitwippen, die dazugehörigen Kinder dem Sänger von ganzem Herzen zustimmen und Dir (sowie einer Person Deiner Wahl) einen tollen Abend* wünschen.

Herzlichen Glückwunsch zum Schrattag! ♥

m+u+m+t

*Konzertkarten sowie Collage folgen noch per Post oder werden beim nächsten Besuch übergeben.

…’*

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Responses

  1. was für ein schöner Lebens- Liebesbrief! Das nenne ich gelungene Vaterschaft. Ein Hoch auf solche Väter!! Und Schrate!! Und Huis! ( so nennen meine Töchter ihren Papa)

  2. Ihr lieben Schratkinder!
    Erst jetzt, so zwischendurch beim Kirscheneinkochen und Marmelade machen, komme ich dazu, eure Zeilen zu lesen und mich darüber zu freuen!
    Habt vielen Dank, für die Zeilen, die mir sagen, Ihr habt mich gern. Und ich freue mich, dass Ihr auch zufriedene Menschen (vielleicht auf irgendeine Weise auch Schrate?) geworden seid.
    Ich freu mich sehr auf das Geschenk und werde die tollste Frau der Welt mitnehmen.
    Herzlichen Dank Euch allen Vieren!
    So, jetzt muss ich aber wieder zur Marmelade

  3. … was ich eben noch vergaß:

    Ich hab Euch lieb!!!

    • ich glaube, ich kann im namen aller sprechen, wenn ich schreibe: wir dich auch :o)

  4. Das ist eine sehr, sehr schöne Collage!

  5. Du hast perfekt zusammengefasst, was Papa und mitgegeben hat. Danke für deine Worte! Und die supercoole Collage.

  6. eine wunderbare liebeserklärung, die mich sehr berührt hat.


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