Verfasst von: dietauschlade | 16 Dezember 2014

nebenbei berlin [13o]

MärchenHausEs ist natürlich lukrativer – wie die Dinge liegen -, ein Rasenstück an eine Versicherungsgesellschaft zu verkaufen, statt einen Spielplatz für Kinder daraus zu machen. Es ist ungleich bequemer, die noch produktiven alten Menschen irgendwo an gottverlassenen Orten in Altersheime auszusiedeln, als sich zu bemühen, Lösungen zu finden, in denen sie produktiv, und wenn nicht mehr dies, so doch respektiert unter uns bleiben können. Manches Altersschicksal verliefe anders, wenn die Struktur unserer Siedlungsräume nicht von bornierter Profitgier verzerrt wäre.
(Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden)

mir gefällt der gedanke, dass dieses haus für die kinder des bauherrn | der baudame geplant wurde. ich stelle mir vor, wie die familie nach dem abendbrot gemeinsam um das gebäude lief und sich mithilfe der figuren märchen erzählte. oder es war die alte nachbarin mit viel zeit und einem unerschöpflichen vorrat an geschichten, die für die kinder des häuserblocks an langen, grauen nachmittagen die fidelen geschöpfe zum leben erweckte. und wenn ich dann weiter denke, frage ich mich, ob sich familien heutzutage ein leben in den bald sanierten und mit horrenden mietpreisen versehenen häusern überhaupt noch leisten können. oder ob mit der neuen fassade die alten geschichten verloren gehen?!

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Responses

  1. und ich denke gerade darüber nach, wie alt dieser Text von Mitscherlich schon ist, und wie brennend aktuell… lieben gruß ghislana


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