Verfasst von: dietauschlade | 14 April 2015

eigenartig. eigenheim.

verwunscheneOrte_blauGelb

Der Raster, nach dem sich heute noch die Ausdehnung der Siedlungen und ihre Neugründung vollzieht, wird ausschließlich von der Rendite bestimmt. Das Siedlungsbauen unterscheidet sich eben in keiner Weise von den übrigen Fabrikationsprinzipien. Von extrem wenigen Ausnahmen abgesehen, in denen man wirklich von Gestaltung reden kann, entspricht die Formgebung genau dem »styling« anderer Gebrauchsgüter. (Alexander Mitscherlich: Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden)

[Der Hauseigentümer] muß sich «sein» Haus aus genormten, auf dem Markt greifbaren Baumaterialien nach Plänen, die das Bauamt genehmigt hat, und in einer äußeren Erscheinung bauen lassen, die der Banksachverständige und die Bausparkasse diktieren – Instanzen, die bereits jetzt einen Wiederverkauf für die Zeit erwägen, nachdem der «Eigentümer», wie sie voraussahen, die Raten schuldig geblieben ist und das Haus hat räumen müssen. Unter solchen Voraussetzungen ist die Hauseigentümerschaft wirklich zu einem leeren Wortsymbol herabgesunken. Ihre öde Legalität hat wenig «günstigen Gehalt» und für Gemüt und Nerven keinerlei Reiz zu bieten, sondern vermittelt nur die immer wiederkehrende Aufregung anläßlich der Erfüllung finanzieller Verpflichtungen, die damit verbunden sind. (Richard Neutra: Gestaltete Umwelt)

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in berlin findet man so einige (und immer mehr) ‹gestylte neubauten›. sie entstehen an stadträndern, entlang der spree, auf brachflächen und ersetzen alteingesessene kleingartenparzellen. so manches mal ließen sie mich schneller gehen, weggucken oder nachdenklich | wütend | frustriert nach hause kommen. umso schöner ist es, wenn man nach einem gang durch solch  eine neubausiedlung, auf ein ganz eigen(artig)es häuschen mit kräutergarten (dessen beete mit alten weinflaschen parzelliert sind) und frühlingsbesonntem hinterhof trifft. eine stadtoase mit halbgestrichenem zaun, blumentöpfen auf einem  alten lastauto, bunten tür- und fensterrahmen, blumenladenschild als vordach, roter teekanne am haken, alten werbeschildern hinter den fenstern und mancher ecke und kante. wunderbar.

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Responses

  1. Was du für schöne Worte findest für dieses Stückchen Land mit Haus und wildcharmantem Charakter… Die in deinen beschriebenen Einheitseigenheimen Leben würden wohl sehr anders formulieren… Ich finde es auch: wunderbar… Lieben Gruß Ghislana

  2. Ja, es lebe die Ecke und die Kante, und das Moos und das Unvollkommene. Menschengemäße eben. Ich mag genauso wenig die glattgeputzten Innenstädte mit Investoren-Architektur, wie die nicht mehr eigen artigen Eigenheimanhäufungen am Stadtrand. Das Schiefe und selbstüberlegte, das gebrauchte und nicht zusammenpassende, die Brüche. Das macht unsere Lebensumgebung lebendig. Moderne Architektur könnte so viel. Da gibt es Beispiele genug. Schade, dass der Mainstream immer so durchsetztungsfähig ist.
    Der Citroen ist ja wohl der Hit!!
    Sei lieb gegrüßt von Lisa

    • Liebe Lisa, das hast Du treffend beschrieben! Danke für Deine Gedanken! Herzlichst, Mirjam

  3. solche oasen sind nicht mit gold aufzuwiegen!
    herzlichst, mano
    …deine post hat mich sehr erfreut, danke!

  4. […] wie diesen hain in voller blütenpracht (mitsamt speisemorchel und – schon wieder – altem citroën sowie hängenden schuhen ) inmitten von […]


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