Verfasst von: dietauschlade | 19 April 2015

nebenbei berlin [154]

wasdenkstduistglück?

konversation zwischen zwei straßenkünstler|innen.

»Bei der Einschätzung eines Menschen betrachten wir doch nicht nur die Ergebnisse eines einzigen Tests. Erst wenn Daten aus vielen unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen, wird es möglich, aufschlussreiche Aussagen über die Person zu machen.  Hätte ich mit Kafka zwei Jahre lang eine bis zwei Stunden pro Woche eine Therapie machen können, wären meine Chancen, Das Schloss richtig zu interpretieren, sicher größer gewesen als die aller anderen.« »Dessen bin ich mir nicht so sicher, Professor (…) Ich würde Ihnen zustimmen, wenn Sie ein Freund Kafkas gewesen wären, der jede Woche ein paar Stunden mit ihm plauderte. Diese Kritik mag Ihnen banal erscheinen, aber sobald der Begriff ›Therapie‹ im Raum steht, scheinen sich die Köpfe der Therapeuten mit Schablonen zu füllen. Ja, es ist höchst kompliziert, einen Menschen zu verstehen und ihm wirklich zu helfen. Die Köpfe der meisten Menschen stecken voller Widersprüche, ihre Seelen voller Komplexe, und sie wissen nicht, was sie wollen. Aber dennoch erscheint es mir vernünftiger, das zu verstehen zu versuchen, was sie gesagt haben, anstatt über das zu philosophieren, was sie nicht gesagt haben. Aufrichtigkeit sorgt zumindest dafür, dass die Person sich nicht allein fühlt. Meiner Meinung nach ist das unser aller Problem, Professor: Wir sind allein auf dieser Welt, mutterseelenallein.« Eine Weile schwieg der Professor. »Wir versuchen alle unser Bestes«, sagte er schließlich. »Ein Allheilmittel für alle existentiellen menschlichen Probleme zu finden ist unmöglich.« »Ah, ich glaube, ich kenne es. (…) Die Liebe.«
(Alper Canıgüz: Die Verwandlung des Hector Berlioz)

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Responses

  1. Anrührende Fundstücke
    das mit Farbe auf Stein gemalte Wort
    ebenso wie das gedruckte Zitat auf Papier.

    Vielen Dank, liebe Mirjam!

    …und singt nicht Reinhard Mey … ich mach mit Liebe alles falsch so gut ich kann…

    Herzliche Grüße
    die Mamuschka

    • Ja, an Reinhard Mey musste ich auch denken :o)


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