Verfasst von: dietauschlade | 17 August 2015

abend(b)rot

abend_b_rot

Und da hatte er recht, daß alles schön war, wenn Sonntag war. Die Bienen flogen rum, die Zechen standen still, die Luft war nicht so verpestet wie in der Woche. […] Es roch nach Hühnerdreck, Ziegen und Blüten; Autos fuhren keine, und die Sonne schien. Man durfte sich das gar nicht alles auf einmal ansehn, sonst mußte man vor Freude weinen. (Janosch: Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm)

wenn man fast zwei wochen im süden deutschlands unterwegs war, ist es genau das richtige, am späten samstag abend (bzw. nacht) nach hause zu kommen. nach der nachtruhe liegt dann nämlich noch ein ganzer, langer, wunderbarer freier sonntag vor einem. man kann ganz in ruhe die gereiften tomaten (welche die beste pankowfreundin ausdauern goß – danke!) bewundern und kosten, man kann den alten karteikasten (den die schwiegermama glücklicherweise nicht brauchte und an mich weiterreichte) mit registerkarten und den vielen saamentütchen (nach aussaatmonat geordnet) füllen, man kann den balkon auf vordermann bringen (tomatenbüsche stabilisieren, gelbe blätter und wildwuchernde gräser entfernen, malven-| rauken-|  borretschsamen sammeln, ringelblumen und den lauch umsetzen) und (in anbetracht des fast leeren kühlschranks) die zutaten für das abendbrot ernten: eine fuhre ackerbaukartoffeln (herr ackerbau schenkte mir im frühling noch ein paar setzkartoffeln), die erste beete des jahres sowie eine handvoll mangold. wenn gartenwerkzeuge weggeräumt, die hände gewaschen und die farben | formen | gerüche | geschmäcke des balkongärtchens ausführlich genossen sind, kann es in die küche gehen. die kartoffeln werden gewaschen und mit schale gekocht. die rote beete wird in feinste scheiben gerieben und mit einer creme aus walnüssen (die der schwiegerpapa uns bereits geschält mitgab), frischkäse (kühlschrankfundstück), meerrettich, etwas rapsöl, wasser, salz und pfeffer betupft. die mangoldblätter landen in einer schüssel mit kochendem, gesalzenem wasser. während sie ziehen, werden die kleingeschnittenen mangold- und beetestiele in einer pfanne mit salz und pfeffer angebraten. außerdem wird eine füllung aus frisch gepflückten kräuternfrischkäse, salz und pfeffer zusammengerührt. anschließend werden die mangoldblätter aus dem wasser geholt, trockengetupft, mit der kräutercreme bestrichen, mit ein paar tomatenswürfeln sowie den gebratenen stielen gefüllt und das ganze gerollt. ein farbenfrohes abendessen, ein passender sonntagsabschluss und die beste weise langsam wieder anzukommen!

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Responses

  1. Da läuft mir das Wasser im Munde zusammen … Ich bin gestern Abend von einem Yogawochenende auf einem alten Bauernhof zurückgekommen – ohne Strom, fließendes Wasser etc. – und heute gleich in den normalen Montag gestartet, Aber ich habe mir ein bisschen Achtsamkeit mitgebracht und gute Gedanken. Das tut gut!

    • Oh, das klingt aber auch toll.
      Hab eine schöne Woche!

  2. Eine wunderbare Art, das Leben und das Zuhause zu feiern… Lieben Gruß Ghislana

  3. Ja, das klingt toll… und gibt mir aus noch ein paar wertvolle Tips zur Verwendung des Mangolds, mit dem ich noch nicht ganz Freund geworden bin.
    Einen schönen Gruß auch von der Litschi-Tomate und von Gitta

    • Ja, ich finde Mangold manchmal auch schwer zu verarbeiten. In manchen Gerichten schmeckt er mir zu erdig – doch durch das Einlegen in das kochende Wasser, ist er richtig mild geworden. Liebste Grüße (auch an die Litschi-Tomaten ;o))

  4. Da hast du ja Glück gehabt mit den Balkonkartoffeln, die sehen gut aus. Und der rote Erstling schmeckt ja auch immer schön. Ich kann auch schon schön deine Tomaten ernten, auch wenn mir bei ein paar überhaupt nicht klar ist, welche Sorte es sein könnte…. Und irgendwann musst du mir verraten, wann man die Litschi-Tomate ernten kann… Liebe Grüße, Andreas

    • Ja, die ‚roten Erstlinge‘ (den Namen hatte ich vergessen) waren total lecker! Die Litschi-Tomaten kannst Du ernten, wenn sie so aussehen… Herzliche Grüße!

  5. so manches mal ist das einfache das beste!
    einen lieben gruß in die große stadt!

    • ja, das stimmt!
      einen ebensolchen gruß zurück!

  6. „Und da hatte er recht, daß alles schön war, wenn Sonntag war“

    Ich stimme ein in das Janoschzitat, „daß alles schön ist, wenn Sonntag ist“
    denn hier ist gerade ‚eine Woche Sonntag‘
    (obwohl Autos fahren, hupen, bremsen und durch die 30-Zone- brettern)

    Jeden Tag wandern frische Feigen & Brombeeren direkt aus dem Garten in den Mund oder werden verarbeitet: getrocknet, gekocht, oder püriert für Joghurt oder Eis.

    Dazu frische Kartoffeln, Tomaten, Kräuter.

    …ich stelle mir gerade vor, welche Wertschätzung es für die Generationen
    vor uns gewesen wäre, hättest Du, liebe Mirjam, den Frauen beim Ernten, Kochen, Einlegen und Einkochen über die Schulter geschaut und alles fotografiert und dokumentiert….

    Herzliche Grüße von Zuhause.

    Mamuschka

    • Oh, das hätte mir wahrhaftig eine große Freude gemacht – meine Vorfahrinnen zu begleiten, zu beobachten, ihr Tun und Schaffen zu dokumentieren (und mitzuhelfen)!

  7. […] (und mit dem wissen, dass die beste pankowfreundin sich gewissenhaft um das balkongärtchen kümmert ♥). es ging also wieder gen […]

  8. […] fortlaufend erntete ich in diesem jahr die bunten blätterstiele. als zugabe zur quiche, als frischkäserkräuterröllchen, als zugabe zu gemüseeintöpfen oder (neulich als rezepttipp von einem kollegen erhalten) als […]

  9. […] ich dieses jahr ernten. sie schmecken wunderbar als auflauf, auf der quiche, in der suppe, als carpaccio oder aber als burger (die der liebste – nach diesem rezept – so gut zuzubereiten vermag […]


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