Verfasst von: dietauschlade | 9 Januar 2016

O, Tannenbaumquirl!

tannenbaumquirl_1

Moderne Subsistenz bedeutet Autonomie, insbesondere sich durch subversive Taktiken unabhängig(er) von Geld- und Industrieversorgung zu machen. Das Backrezept ist einfach: Industriegüter werden durch eigene Produktion ersetzt oder durch selbsttätige oder kooperative Subsistenzleistungen »gestreckt«, um das Potenzial der Bedürfnisbefriedigung einer verkleinerten Produktionsmenge zu vervielfachen. Dazu sind drei Ressourcen nötig: Erstens handwerkliches Improvisationsgeschick, künstlerische und substanzielle Kompetenzen. Zweitens eigene Zeitressourcen, denn manuelle Verrichtungen, die energieund [sic!] kapitalintensive Industrieproduktion ersetzen, sind arbeitsintensiv. Drittens sind soziale Netze und Tauschbeziehungen wichtig, damit sich verschiedene Neigungen und Talente synergetisch ergänzen können. (Nico Paech: Suffizienz und Subsistenz: Therapievorschläge zur Überwindung der Wachstumsdiktatur.)

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vor etwa einem jahr begannen der liebste und ich mit der herstellung unserer weihnachtsgeschenke für familie und freunde. (irgendwann hatte ich in den weiten des netz erstmals einen tannenbaumquirl gesehen und gedacht, dass sich das als passendes nachfolgegeschenk eignete; an weihnachten erzählte dann der schwiegerpapa, dass sein vater nach jedem weihnachtsfest solch einen quirl angefertigt hatte…) anfang januar liefen wir also mit einer gartenschere sowie einer großen tüte durch die straßen von pankow und schnitten von den entsorgten weihnachtsbäumen die spitzen ab. zuhause wurden diese dann in form gebracht, von ihrem nadelkleid befreit und erstmal eine ganze weile trocknen lassen. den milden herbst nutzten wir, um auf dem balkon bei einem zweiten schnitzvorgang die übrigen rindenreste zu entfernen und jeden quirl mit groberem und feinerem schmiergelpapier zu schleifen. anschließend wurde der holzstaub abgewaschen und (nach dem trocknen) die quirle mit leinöl eingepinselt. zu guter letzt wurde ein kleines leporello am stiel befestigt und fertig waren die weihnachtsgeschenke. (wir können nun allerdings nicht mehr spazieren gehen, ohne die ausrangierten weihnachtsbäume auf ihre quirltauglichkeit zu mustern.)

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Responses

  1. Oh, das hat meine Mama auch gemacht und ich denke jedesmal, wenn ich eine tannenbaumspitze sehe:“da könnte ich einen Quirl draus machen!“ ;)

  2. Als glückliche Besitzer- und Benutzerin unseres Tannenbaumquils danke ich euch nochmals herzlich für das besondere Weihnachtsgeschenk!

    Liebe Fast-Feierabend-Grüße von zu Hause!
    Mamuschka

  3. Das sieht nach einer richtigen Manufaktur aus! Im katholischen Münster wird die große Tannenbaumflut an den Straßenecken erst noch kommen. Mal schauen, ob ich mich dann auch mit einer Schere bewaffne…unser Tannenbaum dieses Jahr hat statt einer Spitze eher einen ganzen Busch….
    Lieben Lisagruß!

  4. Das ist ja prima…, und Berlin natürlich eine Fundgrube an potenziellen Quirllieferanten unter den Weihnachtsbäumen… Lieben Gruß Ghislana

  5. […] sie solche begegnungen kennen, empfiehlt es sich eine gartenschere dabei zu […]


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