Verfasst von: dietauschlade | 17 Juni 2016

gleichzeitig.

rodleben_blauGrün

»Es ist kaum zu verstehen«, sagte er, »dass Berlin und Jajce die ganze Zeit auf dem selben Planeten existieren. Gleichzeitig, nicht abwechselnd.« Das Problem kenne ich. Spätestens seit wir hier sitzen, kommt mir die Existenz von etwas wie Leipzig fragwürdig vor. (Juli Zeh: Die Stille ist ein Geräusch)

wenn sie an einem freitag (zb vor einer woche) mit einer netten mitreisenden (zb der mamuschka) am gesundbrunnen einen zug in richtung leipzig nehmen und in wittenberg sowie roßlau umsteigen, dann erreichen sie irgendwann eine winzige bahnstation im anhaltischen nirgendwo. wenn sie an blühenden feldern vorbei gen dorf spazieren und sich immer mal wieder ob der richtigen richtung erkunden, dann entdecken sie irgendwann das kleine haus mit dem blühenden garten davor, in dem eine (groß-) tante wohnt, welche sie mit offenen armen empfängt. wenn sie dann mit einem glas kirschmost durch den hof mit den hühnergehege unterm walnussbaum schlendern, die spatzen und schwalben beobachten, an den vielen rosensträuchern sowie den beiden zitronen- und orangenbäumchen schnuppern, deren blüten einen wunderbaren duft verbreiten, das klingeln des bäckers hören, der einmal in der woche die dorfbewohner*innen mit dem notwendigsten versorgt, die einzig verbliebene blüte am magnolienbaum bewundern und zu dritt im wintergarten ein spargelmittagessen, eine obsttorte und erinnerungen teilen – dann können sie sich nicht vorstellen, dass gleichzeitig das lebhafte, pulsierende berlin existiert. (und wenn sie abends in die große, wuselige stadt zurückkehren, dann zeugen nur noch die schachtel mit den frischen eiern sowie die gepflückten wiesenblumen-, malven-, kamillensträuße von dem kleinen ort in sachsen-anhalt. lediglich zwei zugstunden und doch so unglaublich weit entfernt).

rodleben_rostBraun

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Responses

  1. Dieses Gefühl kenne ich und es lässt mich gleichzeitig klein und weit werden! Und ruhig und gelassen ;)

  2. […] müssen! Jetzt hier vor dem Laptop sitzend mit dem Handy nebenan fühle ich mich in etwa so, wie es hier  so wirklich treffend beschrieben wird und kann es fast gar nicht glauben, dass das gerade immer […]

  3. gleichzeitig

    Ich sinne schon tagelang dem wohlgewählten Zitat nach…

    … Vielleicht ist es gut nicht gleichzeitig hier und da sein zu können
    und ein Geschenk, ganz gleich wo man ist, ganz da zu sein, mit seinem Herzen.

    gleichzeitig

    Da fragten mich doch vor Jahren, an ein und demselben Tag, unsere Zwillinge, wohnhaft auf 2 verschiedenen Kontinenten, nach einem Rezept für Crepe.
    Crepe mit accent circonflexe :)

    gleichzeitig

    Auf jeden Fall war es spitze, mit dir, diesen Tag, im anhaltischen nirgendwo zu erleben!

    Danke!

    Liebste Mamuschkagrüße

  4. ja, tatsächlich ist diese ortsgebundenheit sehr hilfreich und gewissermaßen erdend (wobei sie sich in zeiten des smartphones immer mehr auflöst…).

    ich fand es auch wunderbar mit dir, liebste sommerwiesenblumenpflückerin!


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