Verfasst von: dietauschlade | 30 April 2017

aprilFreuden [1]

Das traditionelle japanische Haus kennt, anders als europäische Häuser, die einfache Trennung von Innen und Außen durch eine gemauerte Wand, in der sich eine Tür befindet, und die Aufteilung von Wohnen, Essen und Schlafen in eigene Zimmer nicht. Es gibt oft keine festgelegten Schlaf- und Wohnzimmer. Betten sind nicht zu sehen; sie werden über den Tag im Oshiire, einer Art Schrank, aufbewahrt. Zwischen Straße und privaten Räumen gibt es nicht nur ein oder zwei Türen, sondern ein Labyrinth an Schwellen: Ein Stück halböffentlichen Raum, etwa ein gepflasterter Vorbereich, dann eine Pforte, durch die man zum Genkan gelangt, eine Art Eingangsraum, in dem die Schuhe abgestellt werden, dann, erst eine Stufe hinauf auf das Wohnniveau, kommt das eigentliche Haus. Der Engawa und die Gänge können mit Schiebeelementen geschlossen und so dem Haus oder der Terrasse zugeschlagen werden. (Niklas Maak: Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen.)

obiges zitat passt für mich aus viererlei gründen in den april. zum einen startete ich den monat mit der interessanten lektüre von ghislanas japan-reise-bericht. außerdem schrieb ich die angestrichenen sätze aus diesem buch in meine schwarzen hefte ab, so dass sie mir derzeit besonders präsent sind. dann kam ganz unerwartet ein päckchen [6] von einer ehemaligen schülerin, die nun in japan wohnt. und nicht zuletzt hatten wir fast drei wochen durchgehend besuch. dies bedeutet bei einer zwei-zimmer-wohnung, dass die werten besucher und besucherinnen im wohnzimmer nächtigen und die gästematratze jeden abend hervorgeholt und jeden morgen wieder hinter die bücherregale (unser oshiire, gewissermaßen) gestellt wird.

nun aber der (foto)reihe nach mit all den aprilFreuden. bei unseren vielen spaziergängen zu dritt (und viert und fünft) haben wir uns an der täglich zunehmenden pankower baum- und blütenpracht [1;5;1o] erfreut. und auch im balkongärtchen war die felsenbirne in voller blüte [8].  die sonnigeren tage habe ich genutzt, um meine setzlinge umzutopfen [2]. (und der augustjunge hat jedes wetter genutzt, um die cds ‹umzusetzen› [9]). wir haben viele ausgiebige frühstücke mit der belle-sœur und ihrem liebsten genossen [11] und der augustjunge die ausdauer von tante und onkel [13]. die bücherprinzessin und ihre entzückenden tochter bescherten uns einen fidelen freitag im april sowie einen strauß herrlich blühender narzissen [15]. an karfreitag reisten dann die mamuschka und der schrat an. neben bücherangucken mit dem augustjungen [7], färbte der schrat am samstag abend nach alter tradition noch ein paar ostereier [14;16], die wir beim gemeinsamen osterfrühstück [12] verspeisten. und in der woche darauf genossen wir gemeinsam einige tage am müritzsee mit all seiner flora und fauna [2;3].

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Responses

  1. Hoppla, schon Mai?
    Bücherregal-ausräumen ist eine ganz feine Beschäftigung ;-)…ich habe nur die besten Erinnerungen daran…Liebe Grüße, Taija

    • oh ja, das ist es. (und so viel leiser als das ausräumen der kochtöpfe :o))

      • Jaaa, das stimmt :-)))….ich hatte es schon verdrängt. Wir haben aus dieser Phase ganz wunderbare Bilder: Baby in Geschenkbändern verwirrt, Schrankansicht von oben mit herausragenden Beinen, Wohnzimmerboden mit säuberlich getrennten Toilettenpapieren einer ganzen ( Rolle)…und und und…viel Freude beim Einräumen ;-), oder kann er das auch schon?

      • Ja, die Bilder mit den herausragenden Beinen haben wir auch :o)
        Und die Freude beim Einräumen haben wir (noch) ;o)
        Liebste Grüße!

  2. Liebe Mirjam,
    da gleicht euer Heim ja wohl eher einem traditionellen japanischem Haus.
    Auch wenn es keine Schwellen gibt, so verwandeln sich die Räume ständig.
    Die Lesesessel: Eben noch saß ich darin und las, jetzt sind sie zusammengeschoben und der Augustjunge schläft darauf mit entspanntem Gesichtsausdruck.
    Das Sofa: Hier sehen wir die DVD „Tomorrow“, die Tochter bekommt eine Massage, am späten Vormittag schlief der Augustjunge im Tuch beim Papa, während der ebenfalls ein Nickerchen hielt. Wenn man keine Lust hat mit an den Tisch zu kommen, weil das Buch so spannend ist, werden hier Tee und Kuchen serviert. Hier klingt der Tag aus mit köstlichem Eis und guten Gesprächen
    Der Boden: Hier wird nicht nur gegangen, o nein. Hier krabbelt der Augustjunge, hier „liest “ der Schrat Bücher vor, hier wird gestillt, erzählt, gelacht und am Abend die Matratze aus dem, wie schriebst du so schön, oshiire, geholt.
    Die Essecke: mit dem großen Tisch, der schon so manche köstliche Speise gerochen, vielen kleinen und großen Menschen beim Erzählen lauschte und beim Zitateabschreiben als erster die Worte in sein Kiefernherz geschrieben bekam…
    Die große Badewanne: Nach einer Radtour gibt es hier Badekapseln der besonderen Art. Außerdem nach Wahl: Bücher, Apfelschnitzel, Musik….

    Über die Küche, den Arbeitsplatz, den Flur, die Wickelecke, den Schreibtisch, auf dem sich schon die beklebten Schachteln des neuen Adventskalenders befinden, das Regal mit Dingen: „Zu Verschenken“, das große Bett in dem besondere Besucher Mittagsschlaf halten dürfen, der Wickeltisch: hier wird gewickelt und angezogen, gesungen und abgelenkt damit der Augustjunge sich nicht nur herumdreht … könnte ich noch manches schreiben.
    Die Kommentarspalte, schätze ich, ist so wie ein ‚AB‘. Wenn man zuviel spricht, nimmt er irgendwann nicht mehr auf…
    Also behalte ich all die schönen Bilder aus den Fenstern, und aus der Balkontür auf den „Garten hoch über der Stadt “ für mich, gehe in unser Arbeitszimmer und schaue auf die kleinen Pflänzchen, die du mir mitgabst.

    Mein Herz ist erfüllt von den vielen Aprilfreuden die ich mit euch teilte.

    Herzliche Grüße
    Mamuschka

    • Liebste Mamuschka,
      welchen Wort- & Erinnerungsschatz Du da hinterlassen hast mit all den detaillierten und liebevollen Beobachtungen. Hab herzlichen Dank (auch für die schöne Zeit mit Euch)!
      Deine Mirjam

    • Eine so schöne Lebensortbeschreibung….da konnte ich mir einen kleinen Kommentar nicht verkneifen…:-).
      Viele Grüße, Taija


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