Verfasst von: dietauschlade | 1 Mai 2017

aprilFreuden [2]

…Vorigen April rief ich Euch einmal beide, wenn Sie sich erinnern, telephonisch dringend
um 1o Uhr früh in den Botanischen, um mit mir die Nachtigall zu hören, die ein Konzert gab.
(Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis)

«wie kam es eigentlich, dass du so gerne vögel beobachtest?», fragte mich die mamuschka als sie mir die feder [8] überreichte, die sie nahe des müritzsees gefunden hatte. ich wusste keine antwort, dachte aber noch lange darüber nach und kam zu dem schluss: rosa luxemburg. es waren wohl die wiederkehrenden beschreibungen ihrer liebsten genossen, die mich vor einigen jahren ermunterten, diesen kleinen geschöpfen genauere aufmerksamkeit zu widmen und nun bei jeder gelegenheit mit dem fernglas zu beobachten. (in diesem monat: spatzen, amseln, nebelkrähen, kohl-, blau- sowie eine sumpf- oder weidenmeise. eichelhäher, drossel, stieglitz, ringeltauben und enten. möwen, seeschwalben, wildgänse und buchfinken. allein die nachtigall habe ich nicht gesehen. doch ihrem gesang, der seit ein paar tagen ertönt – dem habe ich gelauscht.)

doch ich habe nicht nur verschiedenste vögel erblickt, sondern auch noch andere beobachtungen gemacht: das langsame ergrünen der bäume im schlosspark [1;12;2o]; die möwenschar und das glitzern der sonne auf der müritz [2]; die mamuschka, die mit dem augustjungen singt, liest und spielt, die ihn füttert oder trägt [3]; die untergehende sonne, ein eisiger wind und ein eindrucksvolles wolkenschauspiel an unserem ersten abend am see [4]; der wellengang, der das seewasser bis an das schiffsfenster prasseln lässt [5]; das rötlich leuchtende städtchen [11]; die birke, die aus einer regenrinne wächst [13]; das eichhörnchen im schlosspark [14]; die vielen vogelnester rund um den see [15]; und den augustjungen, der immer wieder das alte papprohr ergreift und mit großer freude als sprachrohr nutzt. neben all diesen feinen beobachtungen habe ich auch noch so manche freude im laufe des aprils gesammelt: nüsse knacken für das abendessen während ich mit dem liebsten diskutiere und philosophiere [6]; das osterfrühstück mit frisch gefärbten eiern und veganen mettbrötchen [7]; balkonarbeiten [16;18;19] mit dem augustjungen [9]; das neue alte kinderbett, das uns die unbekannte nachbarin leiht (und in dem schon ihr liebster als kleinkind schlief)[1o]; und die frischen sprossen, die manche mahlzeit verfeinerten [17].

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Responses

  1. Während ich dem Plappern des Augustjungen durch sein -inzwischen am Rand aufgeweichtes- Papprohr lausche, erfreut mich ein Bild besonders.
    Der Augustjunge ‚hilft‘ mit weißem Pulli bei der Gartenarbeit. Wie schön, dass er schon so früh die kostbare Pflanzerde durch seine Hände rieseln lassen darf.

    Dieses Bild hätte ich neulich gerne dem genervten Papa gezeigt, der seine Kleine ausschimpfte, weil sie, mal wieder, einen Stein oder eine andere Kostbarkeit in der Erde gefunden und aufgehoben hatte.

    Dabei sind doch gerade solche Fundstücke echte Kostbarkeiten.

    Herzliche Grüße
    Mamuschka

  2. Dem Vater würde ich einfach sagen (um mal Karlsson vom Dach sinngemäß zu zitieren): „So ein paar Flecken stören doch keinen großen Geist…“
    :o)

    • …das ist ein guter Rat und nicht teuer :)

      Dankeschön!
      Mamuschka


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