Verfasst von: dietauschlade | 12 Juni 2017

12von12

Ich räume ein bißchen auf, setze mich an die Maschine, um dies zu schreiben. Mir ist bewußt, daß dies meine liebste Art zu arbeiten ist, wenn die Arbeit sich in die Tage einmischt und sie auffrißt, eins vom anderen nicht zu trennen ist. (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr. 196o-2ooo)

auch an dem heutigen tag, an dem (so schien es mir) alles ineinander überging und nicht zu trennen war, gibt es heute wieder 12 von 12. nachdem sich die letzten zwei stunden der nacht für mich etwas unruhiger gestalteten, war ich froh, dass der liebste heute mit dem augustjungen frühstückte. so konnte ich (nach einer nur kurzen gießrunde [9], da es nachts geregnet hatte) ganz in ruhe meinen kaffee trinken, einen keks knabbern, mich meinen schwarzen heften widmen und langsam wach werden [2]. anschließend tröpfelte der vormittag so vor sich hin. ich begann mit der arbeit an einem artikel für eine mitarbeiter*innen-zeitschrift [4], in die sich allerdings ziemlich viel ‚tag‘ einmischte (ich baute türme aus bausteinen, füllte eine milchkanne mit wollknäueln [1], reichte wasser und die frühstücksreste, bewunderte die stehkünste des sommerkindes [7], stellte bücher zurück ins regal, pustete einen luftballon auf, und und und). als der augustjunge dann allerdings ein schläfchen machte [5], ging es zügig und konzentriert voran. als der liebste dem augustjungen das mittagessen wärmte und fütterte (wir waren noch nicht hungrig und gönnten uns etwas später und einfach so mitten am tag je zwei kugeln schokoladeneis [6]), häkelte ich eine kleine schnecke und packte diese (mitsamt des passenden buches) in ein kleines paket [3] für freunde, die mit ihrem kleinen kind derzeit leider im krankenhaus weilen. am frühen nachmittag nahm ich den augustjungen in die trage, spazierte durch pankow, besorgte die fehlenden zutaten für das abendessen und brachte das päckchen zur post. als wir nach hause kamen, gab es ein verspätetes restepfannenmittagessen und anschließend machte ich ein erholsames nachmittagsschläfchen auf dem sofa. danach las ich noch ein paar seiten vor [1o] und werkelte dann mit dem augustjungen auf dem balkon. während dieser sich um die erde rechts unten in der kiste mit ömchens erdbeeren kümmerte [12], topfte ich eine paprika um, die inmitten des basilikums auf der fensterbank emporgekommen war, geizte die ersten tomaten aus, goss ein paar pflanzen und versuchte den kleinen menschen immer wieder davon zu überzeugen, lieber die (un)kräuter in den fugen als in den töpfen und kisten zu rupfen. dann war es auch schon zeit für die abendlichen rituale. der liebste reichte dem augustjungen brot und brokkoliröschen zum abendbrot, ich räumte wohnzimmer [8] und küche auf und lauschte dann entzückt ins bad hinein. als der kleine mensch nach dem stillen eingeschlafen war, pflückte ich noch ein paar salatblätter und kräuter [11] für die rote-bete-burger, die der liebste uns noch bereitete. doch nun: gute nacht.

Advertisements

Responses

  1. Das Ineinanderfließen der Arbeits- und Privatzeit ist für mich heute eine Freude. Eine Freude, so selbstbestimmt arbeiten zu dürfen.
    Als die Kinder klein waren, habe ich es aber oft als sehr anstrengend empfunden und nicht so benannt, sondern als unterbrochene Handlungsbögen bezeichnet. Vielleicht wäre mir dieses Nebeneinander von Arbeitsabläufen weniger nervig vorgekommen, wenn ich es anders bezeichnet hätte. Hätte ich mal sollen… ;-)
    Der Unterschied von heute zu damals und zu Deiner Situation ist, wie auch bei Christa Wolf, das Fehlen der Fremdbestimmung. Wenn die „Arbeit den Tag auffrißt“ so ist das heute ohne Bedauern möglich. Auch sieben Tage in der Woche.
    Lieben Lisagruß!

    • Oh, ja. An manchen Tagen fällt es mir auch sehr schwer, das so zu sehen. Dann würde ich gerne ‚gerade noch‘ das Zitat fertig abschreiben/ ein Foto machen/ eine Tomate umpflanzen/ einen Blogartikel fertig formulieren/ … bevor zwei begeisterte Hände mitmachen wollen oder ein kleiner Mensch Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht. Die wichtigen Sachen, die ich für Kopf&Herz&Seele brauche, lege ich mir in die Schlafzeiten des Augustjungen, so dass ich mich da völlig drauf konzentrieren kann (dann bleibt die Küche auch mal unaufgeräumt oder der Wäschestapel wächst noch um ein paar Kleidungsstücke in die Höhe). Und wenn er aufwacht, werden diese meine Kleinode für Kopf&Herz&Seele bis zum nächsten Mittagsschlaf oder bis in die Abendstunden beiseite gelegt und der Augustjunge hat wieder Vorrang (während der Hausarbeit lasse ich mich nämlich auch mal ganz gerne unterbrechen ;o)). Und glücklicherweise ist der Liebste ja auch die meiste Zeit da, so dass wir uns das meiste gut aufteilen können.
      Liebste Grüße!
      Mirjam

  2. …und die Badezimmermusik entzückt auch noch in der cloud.

  3. Liebe Mirjam,
    ich schaue und lese und höre dem Augustjungen beim Plappern, Jauchzen und Lachen zu…

    Du öffnest ein Fenster in deine Arbeits-und Privatzeit; mit ganz viel Carearbeit!
    Dich zeichnet aus, dass du dein Tagwerk sehr entspannt, froh & gelassen gestaltest!

    Da lerne ich von dir, das zu tun, was dran ist und es mit Freude zu tun! Und lernte es gleich heute wieder:
    Meine türkische Händlerin beschenkte mich mit Bergen von Spargel, Champingons & sehr reifen Erdbeeren.
    Eigentlich wollte ich nur schnell Eier kaufen und den letzten Rhababerkuchen der Saison backen, dann Wäsche waschen und lesen….

    Das Rad war also vollgepackt mit Obst & Gemüse, so voll, dass ich nicht fahren konnte!
    Beim Gehen sieht man nicht nur ‚Ehrenpreis am Wegrand‘, sondern trifft auch Nachbarn…
    Ich verteilte vier Familien in der Nachbarschaft Spargel zum Sattessen, Pilze für Pilzpfannen, Erdbeeren für das Nachbarkind, später noch Kuchen für die kranke Nachbarin….
    Für uns gab es Erdbeermilch, Erdbeeren zum Genießen & 6 Gläser Erdbeerkonfitüre, Spargel zum Mittag und heute Abend eine Pilzpfanne für den Schrat. Ich fror Pilze ein und zum Kaffee genossen wir den noch warmen Rhababerkuchen im Garten.

    Nach dem Miniurlaub auf deiner Seite verabschiede ich mich, ich möchte die Küche putzen und freue mich dann auf den Feierabend!

    Herzliche Grüße & einen Kuss für den Augustjungen! Hatschiiiiii
    Mamuschka

    • Ach, liebste Mamuschka, welch schöner und voller Tag. Gerne hätte ich mich mit an den Mittags- und Abendessenstisch gesetzt oder hätte (bei einem Kaffee und einer Scheibe Brot mit frisch gekochter Erdbeermarmelade beschmiert) im Garten mit Dir erzählt. So stelle ich mir alles vor und erinnere mich so gerne an die Zeiten, in denen das so oder ähnlich bereits war und freue mich auf Zeiten, in denen das wieder so oder ähnlich sein wird!
      Gruß und Kuß!
      Mirjam

  4. Durch Mamuschkas Kommentar gibt es hier gleich zwei wundervoll fließenden Tagen nachzuspüren. Hach, das mag ich so, wenn es fließt, heute war hier so ein Tag, an dem ich gestaunt habe, was alles geschafft ist. Und ich hab sogar noch Zeit zum Bloglesen, hatte ich lange nicht so recht…, schon gar nicht zum Kommentieren… Jaja, Karten statt Kommentare ;-) Liebe Grüße Ghislana (Das Ende-Juni-Enkel-Mädchen erprobt das Freihändigstehen und ist Gartenerdeverkosterin erster Klasse ;-))

    • …ich hoffe die eine Karte kam auch wohlbehalten bei Dir an?
      Das freihändige Stehen kommt hier auch bald und Gartenerde ist hier auch hoch im Kurs (am liebsten als ‚Erde am Stiel‘-Variante: Die alten Eisstiele, auf denen ich immer die Pflanzennamen notiere, zieht der Augustjunge nun mit Begeisterung aus der Erde und steckt sie genüßlich in den Mund. Um den Geschmack zu variieren, stecke ich ihm dann noch ein paar Felsenbirnen oder Ömchens Walderdbeeren hinterher. Um etwaige Erdreste an den Früchten muss ich mich da zum Glück nicht scheren ;o))

  5. allerliebste töne, die mich in die vergangenheit zurückführen (um genau zu sein 35 jahre!!). und mich an die immerwährenden „pausen“ zwischen der arbeit erinnern. hier ein bisschen vorlesen, da eine banane quetschen, ein spielzeug reichen, aua wegpusten… wie lisa fand ich es damals auch oft anstrengend immer aus den gedanken gerissen zu werden, aber dieses allerliebste geplapper ist mir auch noch in herzlicher erinnerung.
    liebe grüße
    mano

    • ja, das geplapper ist eine herrliche begleitung durch den tag. (wobei auch die ruhe bei den schläfchen zwischendurch und am abend ganz wunderbar ist :o))

  6. Ach, so süüüß das Lachen!Und die Schnecke rührt mich sehr…. ein so schönes Geschenk.
    Das mit der Fremdbestimmung kenne ich natürich auch. Schön, dass Du Dich so gut ausbalancieren kannst. das ist mit Müdigkeit oder eigenem Ideendrang gar nicht so leicht…und andererseits bin ich mit meinem „Großkind“ schon etwas nostalgisch ob der „Magischen Zeiten“ von damals.
    Geniesst es weiter so schön und danke für das Teilen.
    Liebe Grüße, nun wieder aus dem Süden, Taija

    • …ja, da schreibst Du was ‚Müdigkeit und Ideendrang‘ – ich muss gestehen: meist siegt der Ideendrang :o)
      Liebste Grüße!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: