Verfasst von: dietauschlade | 23 Juni 2017

beobachtungen während einer zugfahrt…

…von berlin nach mirow

° die kamerunschafe im garten eines alten bauernhauses.
° der junge mann, der im zug das alte fotoalbum seiner (ur-)(groß-)eltern anguckt, es später lässig unter’n arm klemmt und in löwenberg mit seinem kumpel davon spaziert.
° das leere aquarium auf der bank im schatten des gelben backsteinhauses.
° auf einem feld steht hier das gerüst und dort das häuschen des hochsitzes.
° der schimmel, der auf einer wiese unter apfelbäumen grast.
° die grasgrün bewachsenen felder unter hellblauem, schäfchenbewölkten sommerhimmel. dazwischen schmiegen sich ab und an ein paar häuser.
° das undefinierte mohnfeld, das wie ein roter see inmitten des grün auftaucht.
° der turmfalke, der über gransee seine runden am himmel dreht.
° die kleine herde hellbrauner kühe, die in der mittagssonne liegen. zwei, drei tiere bevorzugen das ruhen im stehen.
° der storch, der – gerade als ich von meinen notizen aufblicke – auf dem feld landet.
° das doppelhaus in alltagsgrau. während die linke dachhälfte mit dunkelroten, unnatürlich glänzenden ziegeln gedeckt ist, liegen auf der rechten hälfte irdene, matt dunkelbraune schindeln, zwischen denen hier und da ein grashalm wächst.
° der greifvogel (welcher? schon sind wir vorbei), der über dem seerosenweiher kreist.
° der verlassene stand vor einem haus an der bundesstraße, an dem ein paar gartenerzeugnisse feilgeboten werden. ob der leuchtend pinkfarbene strandschirm die autos zum halten bewegt?
° die alte verfallene fabrik in fürstenberg. morsch das freiliegende gebälk, winddurchlässig die fenster. nicht zum richtfest wachsen die birken auf der dachzinne.
° die langstämmigen kiefern, die kilometerweit wie auf einer grünen, weichen, gebeulten bettdecke wachsen. (wie gerne läge ich jetzt im unterholz.)
° die zwei störche, die auf einer weide waten. fast übersehe ich die große herde mit den verschiedensten kühen. hellbraune, dunkelbraune, schwarz-weiß-gescheckte,…
° die blaue libelle, die über den gleisen in neustrelitz surrt.
° der hölzerne wegweiser, der mitten auf einem feld – ganz ohne weg – steht.
° die zwei graureiher inmitten hohen, braunroten gräsern.
° die rosa leuchtenden heckenrosen am bahndamm.
° der graue bürostuhl, der in einem hochsitz steht. (teil der grundausstattung?)
° der kleine, kiefernadelrote ameisenhügel, auf den ein sonnenstrahl fällt.

Advertisements

Responses

  1. … ist der Schimmel nun ein Apfelschimmel?

  2. Schauen aus dem Zug- eine selten gewordene Tätigkeit. Was so verpasst wird, wenn das kleine Wischgerät die Aussicht versperrt…
    Grad kam Deine Karte an. So schön! Und fleißigst geschnippelt.
    lieben Dank und Gruß!
    Lisa

    • Ach, ich könnte das gar nicht. Diese Landschaft, dieses Licht, diese Perspektive, dieser Augenblick ist doch einmalig. Ich wollte ihn nicht verpassen…
      Einen herzlichen Gruß zurück!

  3. ‚Das sind die Wollsammler‘ (…)
    ‚Das Bild der Wollsammler auf jener schläfrigen Wiese zog auch mich in den Schlaf. Ich wanderte mit ihnen, durch Disteln und Dornen und meine einzige Aufgabe war es, flüchtige Gedanken zu retten wie Wollbüschel aus dem Kamm des Windes.‘ aus: Patti Smith, Traumsammlerin, Kiepenheuer & Witsch, Seite 28 ff

    Liebe Mirjam,
    du bist auch so eine Wollsammlerin für uns, die wir mitsehen und -riechen und -staunen, uns mitausruhen möchten im Unterholz der Kiefern, und mitsinnen über die Bedeutung des Wegweisers ohne Weg.
    Herzlichen Dank!

    Liebe Mamuschkagrüße

    • Liebe Mirjam,

      herzlichen Dank für die Collagenkarte der Saarschleife und deinen lieben Worten!

      Und vielen lieben Dank für das Mutmachpäckchen! Alles kam schon gestern an!
      Die Herzen hattest du gut verpackt, die Post brachte sie unversehrt hierher!
      Danke euch, ihr lieben drei Herzen!

      Abendgrüße aus der Heimat!
      Mamuschka

      • Wunderbar! Ein wenig Angst hatte ich nämlich schon, dass die empfindsamen Herzen womöglichen Schaden erleiden.
        Herzliche Grüße zurück!

    • Vielen Dank für das schöne Bild! Ja, eine Wollsammlerin (und -teilerin) bin ich gerne :o)

  4. Ich habe neulich mit dem Enkel zweimal drei Stunden Zeit gehabt aus dem Zugfenster zu sehen, was haben wir alles gesehen… Ich gucke da auch gern, besonders nach Landschaft, dörflichen Behausungen und Tieren, soviel da draußen. Neulich sahen wir viele Kraniche und fliegende Schwäne. Danke dir für deine Karte! Immer eine Freude solche Post aus dem Briefkasten zu ernten… Liebe Grüße Ghislana

    • Ach ja, Zugfahrten sind ganz wunderbar. Vor allem mit den nicht ganz so schnellen Zügen – da sieht man einfach viel mehr. Zum einen wegen des langsamen Tempos zum anderen weil die Schienen mehr ins Land hinein (und nicht in irgendwelchen – so kommt es mir vor – Schneisen) gebaut sind. Herzlichst!

  5. […] sie steigen am gesundbrunnen in den regionalexpress, suchen sich einen fensternahen platz [12] und beobachten bis neustrelitz die brandenburger und mecklenburg-vorpommernsche landschaft. in neustrelitz […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: