Verfasst von: dietauschlade | 12 Juli 2017

juniFreuden

Heute kenn‘ ich nur noch Leute, die mich furchtbar verachten würden, wenn ich es wagen würde, anzugeben, daß ich manchmal Zeit habe oder zumindest mir die Zeit suche, aus dem Fenster zu sehen und ein bißchen zu träumen, ziel- und planlos spazierenzugehen oder ähnlichen Unfug zu treiben. Ein Mensch, der nicht gehetzt, gejagt, übernervös und stets unausgeschlafen ist, hat keinen Chic, kein Format und keine Existenzberechtigung.
(Lili Grün: Mädchenhimmel!)

schön war der juni. mit viel zeit und muße und voller freuden. und weil sie dieses mal mit ziemlicher verspätung kommen, präsentiere ich sie ihnen kurz und gebündelt in photographischer (aber nicht chronologischer) reihenfolge. ich freute mich über

° den grünfink, der uns in unserem balkongärtchen neben vielen anderen vögeln auch (spatzen, tauben, elstern, meisen) einen besuch abstattete;
° die zwiebeln, die so schön blüten und manch insektengast anlockten;
° die besuche im park, die der augustjunge nutzte, um im gras zu krabbeln und gänseblümchen zu verspeisen;
° die zwei turmfalken, die immer wieder über dem haus und der gegenüberliegenden brachfläche kreisten (oder sich in der ulme bzw den bahnleitungen niederließen);
° das konzert eines distelfinks, dem ich an einem frühen morgen lauschen konnte;

° die auf einem spaziergang gepflückten und auf dem balkon gesammelten kräuter (sauerampfer, borretsch, majoran, senfsaat, rucola,…), die der liebste zu einer abgewandelten grünen sauce verarbeitete und mit frischen pellkartoffeln servierte;
° die radieschen- und vielen, vielen anderen blüten auf dem balkon, die unmengen von bienen und hummeln anlockte;
° den augustjungen, der in mirow mit großer begeisterung den katzen hinterher krabbelte (die sich nur leider meist flugs aus dem staub machten);
° die zwei buschbohnenblüten, die uns bei unserer rückkehr aus mirow erwarteten (alle anderen waren in genau der zeit auf- und wieder verblüht);
° der pflücksalat, der in dem blumenkasten fleißig vor sich hin wuchs und uns so manche speise verfeinerte;

° den leckeren eintopf, der bei einem terra-preta-workshop auf einem einfachen dosenholzofen gekocht und dann in schönen holzschalen mit fladenbrot serviert wurde;
° die tomatenstäbe, an denen sich seit dieser gartensaison meine tomaten hochranken;
° die gesammelten holunderblüten, aus denen der liebste hollerpancakes…
° …und ich hollergelee gekocht haben;
° die theoretischen und praktischen informationen sowie die erde, die ich von den initiatoren des bereits erwähnten workshops mitbekam;

° die gespräche mit einer dänischen studentin, die mich im rahmen ihrer abschlussarbeit über mein balkongärtchen interviewte und der ich auch mein samensortiersystem präsentierte;
° das paket des dichterbruders, der uns neben allerlei knabbereien auch selbstgemachten hollersirup, zwei flaschen edelsten traubensaft sowie eine selbstcollagierte postkarte schickte ♥;
° die vielen stunden, in denen der liebste uns alte kinderbücher vorlas;
° der berlingruß von taija, mit dem kleinen kunstwerk auf der rückseite;
° die bereits erwähnten noch warmen mit puderzucker bestäubten hollerpancakes;

° der augustjunge, der (meist) sehr vorsichtig und mit großer ausdauer bücher für bücher durchblättert;
° die eierschalen, die wir als beetbeigabe gesammelt und zerstampft haben;
° der besuch von franziska, mit der ich (via blog, briefe, emails, pakete) schon lange in verbindung stehe und die ich nun endlich auch ganz real kennenlernen durfte;
° die kleine hand, die immer mal wieder hinter dem sessel an der heizung auftauchte, um nach zeitungsenten, notizbüchern oder schächtelchen zu tasten;
° die freude des augustjungen als ich von dem turmfalkenpärchen abgelenkt bin und er es schafft, endlich an die gefüllte gießkanne zu gelangen.

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Responses

  1. Das Zitat , so gut! Sind meine Tage derzeit doch auch „momoesk“ und das tut Not. Dennoch kommt manchmal ein externes kleines “ ich sollte und müsste aber doch“ …und das ist doch ganz verwunderlich, oder?
    So ein freudenreicher Juni bei Euch. Und der Augustjunge, der durch die Freuden hindurch krabbelt und exploriert. Denn Weltentdeckung und Erfahrungssammlung kann Tage so wunderbar mit Wichtigkeit füllen :-). So schliesst sich der Kreis zu Momo und Existenzberechtigung. Es lebe der Müßiggang…oder die Müßigkrabbelei!Liebe Grüße, Taija

    • „Müßigkrabbelei“. Eine wunderbare Wortkreation!

      (Die externen ‚Ich sollte aber doch…‘ sind in der Tat verwunderlich; gerade wenn man bedenkt, wie wenig tatsächlich ‚wirklich gemusst‘ werden soll – oder um Helmut Krausser in seinem Roman „Schweine und Elefanten“ zu zitieren:

      „Ist interessant zu sehen, wie viele Menschen nicht das erreicht haben, was sie wollten – und dennoch weiterhin am Leben sind. Das zeigt – sie wollten was, was sie gar nicht wirklich brauchten.“)

  2. Welch ein Glück, dass der Augustjunge mit so vielen Büchern aufwächst!
    Das Bild Nr. II, mit der Zwiebel, ist dir sehr gut gelungen! Ein toller Blickwinkel! Ist das die Blüte von der Zwiebel, die ich euch mal mitgab?
    Das Zitat gefällt mir, wie Taija, ausgesprochen gut!
    Mir kam auch gleich Momo in den Sinn.
    Wie gut, dass es sie immer noch gibt, die Momo’s, und dass sie hier und da auftauchen um Zeit zu verschenken.

    Nun sammle fleißig Julifreuden, ich tu es auch.

    Liebe Grüße aus der Heimat

    Mamuschka

    • Ja, Bücher sind so wunderbar. Gerade auch, wenn man sie als Erwachsene zum zweiten (dritten, vierten, zwanzigsten) Mal liest/ hört und plötzlich ganz neue Facetten entdeckt.

      Die Zwiebelblüte, die Du uns mitgegeben hattest, blühte hier letztes Jahr (in Violett). Hier habe ich einfach drei austreibende Zwiebeln in die Erde gesteckt. Et voilà :o)

      Herzliche Grüße und noch viele schöne JuliFreuden!

      Gruß und Kuß!

  3. schön, dass aus dem augustjungen ein gärtner wird ;-)!
    ein wunderbares juni-panoptikum!
    liebe grüße in die große stadt, die bei dir immer so grün ist!
    mano

    • Ja, das finde ich auch. Mal gucken, wann er sein erstes eigenes Kistenbeet zum Bepflanzen bekommt :o)

      Liebste Grüße zurück!


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