Verfasst von: dietauschlade | 31 Dezember 2017

dezemberFreuden [2]

[…] die wenigen Habseligkeiten (was für ein Wort!), die er in einem mehr als neunzigjährigen Leben ansammeln konnte… (Christa Wolf: Ein Tag im Jahr. 196o-2ooo)

als meine ersatzgroßeltern in diesem jahr recht plötzlich in ein altenheim ziehen mussten, war berlin leider zu weit weg, um bei der wohnungsauflösung noch die ein oder andere habseligkeit mitzunehmen (oder mich von der wohnung zu verabschieden* – was ich sehr sehr bedauere). dementsprechend war meine freude groß als meine eltern uns das waffeleisen anboten, welches sie im sommer unter den besitztümern der beiden überneunzigjährigen gefunden hatten. es lag an heiligabend unterm bäumchen und erfreute uns (dank des fleißigen liebsten) am zweiten weihnachtstag mit leckersten waffeln [16]. auch die belle-sœur und ihr liebster sorgten mit selbstgemachtem haselnuss-dattel-feigen-konfekt [18] für viel begeisterung (insbesondere beim augustjungen, der gar nicht genug davon naschen konnte). und es gab auch so manche nicht-kulinarische freude: beispielsweise der besuch meiner schwiegermama, die am ersten adventswochenende bei uns weilte – und sich an einem abend gemeinsam mit dem liebsten an fröbelsternen [12] versuchte (während ich bei meinen miniatursternen [1] blieb). oder immer mal wieder ein paar flocken schnee [2], die fröhlich vom himmel tanzten (aber leider nur kürzeste zeit liegenblieben). ich freute mich über den wunderschönes briefumschlag der mamuschka [3], der nicht nur ein paar briefmarken, sondern auch eine handvoll lorbeerblätter enthielt, die der liebste bei vielen dezemberlichen rotkohlkochereien verwendete. überhaupt konnte ich den ganzen monat hindurch immer wieder (große!) kleinode aus dem briefkasten fischen (allein manche umschläge [13] …): von mano [6], daniela [8], melanie [14], taija [15] und sybille [17]. habt von herzen dank, ihr fabelhaften damen! eine wohltat war die kleine gemeinsame radtour nach einer durchwachsenen nacht und einem anstrengenden tag. wir fuhren zu einem etwas weiter entfernten spielplatz [4], konnten ein paar enten am nahen see beobachten und sogar ein paar letzte sonnenstrahlen [5] genießen. nachdem alle adventskalender verpackt, verteilt und verschickt waren, freute ich mich unglaublich über die viele freie zeit, um endlich wieder meine schwarzen hefte zu füllen [7]. dann fand sich an heiligabend in den paketen der eltern und schwiegereltern manch zeitungsseite als füllmaterial. und auf einer dieser seiten war sogar ein unerledigtes kreuzworträtsel [1o], welches ich am ersten weihnachtsfeiertag zu meinem ersten kaffee ausfüllte (wie so oft bei den schwiegereltern am frühstückstisch). und dann war da noch der augustjunge, der mein ♥ erfreute: wie er den ganzen tag völlig wörterlos vor sich hinplappert und -singt, bücher durchblättert, schlüssel in der wohnung versteckt, die waschmaschine ein- und die spülmaschine ausräumt, mit begeisterung kerzen und streichhölzer auspustet, auf dem sofa lümmelt, korken von einer schüssel in die andere schüttet, wasserexperimente in- und außerhalb der badewanne durchführt, uns von hinten umarmt, sobald wir auf dem boden sitzen, auf stühle, tische und bänke klettert, dem liebsten ‚rührend‘ beim kochen hilft und mit großer ausdauer meine schals in die unterwäscheschublade räumt [11].

* Ein Haus ist ein gebautes Psychogramm. […] Im seit langen Jahren bewohnten Haus sedimentiert sich das gelebte Leben wie in Jahresringen: Die übereinander gestapelten, zerkratzten, vergilbten Dinge erzählen die Geschichte der Bewohner. (Niklas Maak: Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen.)

Mit sechzig, siebzig Jahren verstehst du plötzlich, daß der Garten und das Haus nicht mehr Orte sind, wo du aus Bequemlichkeit oder aus Zufall oder wegen ihrer Schönheit lebst, sondern daß sie zu dir gehören wie die Muschelschalen zu dem Weichtier, das in ihnen wohnt. Du hast mit diesen Absonderungen die Muschel gebildet, in ihre Windungen ist deine Geschichte eingegraben, das schützende Haus hüllt dich ein, ist über dir, um dich herum, vielleicht wird nicht einmal der Tod es von deiner Gegenwart befreien, von den Freuden und Leiden, die du in ihm empfunden hast. (Susanna Tamaro: Geh, wohin dein Herz dich trägt.)

Die Wohnungen abwesender Menschen, ging mir durch den Kopf, können zu einer Art Negativabdrücken ihres Lebens werden. Ungefähr wie jene harten, innen mit Samt ausgeschlagenen Futterale, in denen man Flöten oder Klarinetten verwahrt, oder gar Waldhörner. (Lars Gustafsson: Frau Sorgedahls schöne weiße Arme)

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Responses

  1. Ihr lieben Drei in der großen Stadt!
    Am letzten Tag des Jahres nahmen wir uns Zeit, die vielen herzerfrischenden Bilder anzuschauen und uns an deiner wunderschönen Nachlese zu erfreuen…

    …Ich fand es sehr anrührend zu lesen, dass der Augustjunge eure Wohnung mehr und mehr in Besitz nimmt! Wie lieb er euch hat und wie geborgen er sich fühlt, zeigt er so schön, wenn er euch – auf dem Boden sitzend – von hinten umarmt!
    Ihr seid aber auch tolle Eltern!!!

    Dass du mit vielen Briefen & Päckchen beschenkt wurdest, freut mich sehr! Nimm sie als Zeichen. Als Zeichen der Freude und der Dankbarkeit für den wunderbaren Streichholzschachteladventskalender.
    Jeder Tag ein kleines Kunstwerk: In Nachtstunden Erdachtes, in Büchern Entdecktes, aus Altpapier Gefaltetes, Gemaltes & Genähtes. Nachdenkliches & Wegweisendes, eine schöne Fortsetzungsgeschichte, Mut- und Trostworte und vieles mehr.
    Einfach großartig!
    Wie euer Stern leuchten sie uns noch weit ins Neue Jahr hinein!

    Geht gesegnet und behütet ins Neue Jahr!

    Herzliche Grüße von der Mamuschka & dem Schrat …

    …die die Kerzen am Weihnachtsbaum leuchten haben und zurück blicken auf das vergangene Jahr.


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